Eigentlich feierten die Löwen des TSV 1860 am gestrigen Donnerstag ihre Meisterschaft vor 60 Jahren, doch die Stimmung dürfte etwas gedrückt gewesen sein. Nur wenige Minuten vor Beginn der Feierlichkeiten postete Investor Hasan Ismaik ein Statement, das als Abschied interpretiert werden könnte.
TSV 1860 kämpft um 3.-Liga-Lizenz und sucht Millionen
Ismaik investiert seit vielen Jahren in den Münchner Fußballverein. In 15 Jahren hat er eigenen Angaben zufolge 80 Millionen Euro bereitgestellt, um die Löwen zu unterstützen. In einem ersten Statement am Morgen schrieb er: „Die derzeitige Situation kann so nicht weitergehen, und die aktuelle Situation muss ernsthaft und mutig auf den Prüfstand gestellt werden.“ Aktuell fehlen dem Verein 2,7 Millionen Euro, damit die Sechziger die Lizenz für die 3. Liga erhalten. Bis Mittwoch, 3. Juni, müssen sie das Geld beim DFB nachweisen. Andernfalls muss der TSV 1860 in die Regionalliga absteigen. Ob Ismaik wie in der Vergangenheit einspringt und zahlt, ist weiter unklar.
Der Verein brauche eine Restrukturierung, schrieb der Investor am Donnerstag. Ein bestehendes Darlehen habe er gekündigt und ein neues Finanzierungsmodell vorgelegt. Grund sollen angebliche Verstöße der Geschäftsführung gegen Berichterstattungspflichten sein. Der Verein musste daraufhin in die Notgeschäftsführung wechseln und kann bis auf Weiteres kein Geld auszahlen – auch kein Gehalt. Darüber berichtete die Süddeutsche Zeitung (SZ).
Fans kritisieren Ismaik öffentlich im Netz
Die angespannte finanzielle Lage des Vereins ist nicht neu. Seit Jahren lebt der TSV 1860 am Limit und ist damit von Investor Ismaik abhängig. Schon 2017 fehlte dem Verein das Geld für die 3.-Liga-Lizenz, Ismaik zahlte nicht, und damit stiegen die Löwen in die Regionalliga ab. Ähnlich könnte es nun auch laufen: „Manchmal ist ein Schritt zurück ehrenvoller, als einen Weg fortzusetzen, der in einem Zusammenbruch mündet“, schrieb er. Und weiter: „Wenn die Löwen von Grund auf neu aufgebaut werden müssen, selbst aus niedrigen Ligen heraus, dann ist das keine Schande.“ Worte, die nicht danach klingen, als würde der Investor die Sechziger um jeden Preis in der 3. Liga halten wollen.
Auf der Feier selbst betonte Vereinspräsident Gernot Mangs laut dem Bayerischen Rundfunk (BR): „Wir gehören nicht dauerhaft in die 3. Liga und wir gehören schon gar nicht in die vierte Liga.“ Der frühere Löwen-Spieler Alfred Heiß sagte: „Er hat uns 14 Jahre im Profifußball gehalten. Ich wünsche ihm alles Gute, sollte er die Möglichkeit haben, respektvoll auszuscheiden.“ Gleichzeitig müsse man dann aber einen neuen Geldgeber finden, um im bezahlten Fußball überleben zu können. Einen Funken Hoffnung hat er wohl noch: „Das war ja schon öfter der Fall, dass er im letzten Moment dann doch noch was gemacht hat, was den Verein gerettet hat.“
Hitzlsperger zeigt Interesse an TSV 1860 München
Die Fans machen unter dem Post von Hasan Ismaik ihrem Frust Luft. Sie werfen ihm vor, den Verein mit Darlehen „maximal abhängig zu machen“ statt zu investieren, und erpresse Manager und Trainer. „Ich lehne nicht jeden Investor ab. Ich lehne dich ab“, schreibt etwa ein Nutzer. „Seinen Verein aus Liebe in die Amateurliga zu schicken, ist keine Liebe zum Verein und erst Recht nicht zu den Fans“, schreibt ein anderer.
Ob Ismaik seine Drohung wahrmacht oder in letzter Sekunde doch noch einspringt, dürfte sich in den kommenden Tagen zeigen. Aktuell gibt es Gerüchte, dass ein anderer Investor einspringen könnte. Wie der BR berichtet, zeigte der frühere Nationalspieler Thomas Hitzlsperger Interesse an einem Einstieg. Er bestätigte, dass er und seine Investoren-Gruppe mit Personen aus dem Verein und Vertretern Ismaiks gesprochen haben. Diese seien „konstruktiv“ gewesen, dennoch ist dem früheren Profi bewusst, „dass es bei Sechzig, so wie sie aktuell dastehen, nicht auf allen Ebenen ein Miteinander ist, dass es sehr sehr kompliziert ist.“
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