Irrwitzig an dem Ergebnis ist, dass nach einer halben Stunde nichts nach einer derartigen Torflut aussah. Ebenso irrwitzig allerdings ist, dass die Wolfsburger nach dem Abpfiff froh gewesen sein dürften, lediglich 1:8 in München verloren zu haben. Die Bayern nämlich hatten keine Anstalten gemacht, ihren Fuß vom Gaspedal zu nehmen. Vincent Kompany hatte mit seinen Auswechslungen zwar das Zeichen gegeben, von den bemitleidenswerten Wolfsburgern abzulassen, doch die Ergänzungsspieler hatten sichtbar Freude daran, auf sich aufmerksam zu machen.
So schoss etwa der vielseitige und daher von Kompany geschätzte Raphael Guerreiro zum 5:1 ein. Leon Goretzka schließlich besorgte das 8:1, strahlte dementsprechend und dürfte so seinen Frust etwas gemindert haben. Schließlich galt es als wahrscheinlich, dass er den noch angeschlagenen Joshua Kimmich in der Mittelfeldzentrale vertreten würde. Kompany aber gab überraschend Tom Bischof den Vorzug und nährte damit den Verdacht, dass in München nicht über das Saisonende hinaus mit Goretzka geplant wird, dessen Vertrag dann ausläuft. Für den 30-Jährigen ist das keine unerwartete Situation, schließlich gilt er seit beinahe zwei Jahren als Auslaufmodell in München. Ein solches aber dürfte etlichen anderen Mannschaften gut stehen. So schaffte es der Mittelfeldspieler im vergangenen Jahr als bajuwarische Verlegenheitslösung zurück in den Kreis der Nationalmannschaft.
Tom Bischof hat Leon Goretzka als erste Alternative verdrängt
Dem gewohnten bayerischen Luxus ist es geschuldet, dass man wahrscheinlich keine weitere Verwendung für Goretzka hat. In Kimmich und Pavlovic verfügen die Münchner über zwei herausragende Spieler im Zentrum, Bischof wird als erste Alternative aufgebaut. Die Zeichen zwischen Goretzka und dem FC Bayern stehen auf Trennung. Andere Vertragspapiere sollen hingegen verlängert werden. So bemühen sich die Münchner etwa schon seit geraumer Zeit, Dayot Upamecano einen längeren Verbleib beim Rekordmeister schmackhaft zu machen. Dem Vernehmen nach garnierten sie die letzten Vertragsentwürfe mit dem nicht ganz unmaßgeblichen Detail, die Bezüge auf rund 20 Millionen Euro im Jahr anzuheben. Upamecano soll nicht abgeneigt sein, in Kürze seine Unterschrift unter den Kontrakt zu setzen.
Auch bei Serge Gnabry könnte eine Verlängerung kurz bevor stehen. Der Offensivspieler soll bereit sein, zwei weitere Jahre in München zu geringeren Bezügen aufzulaufen. Sorgen bezüglich eines auskömmlichen Einkommens sind aber wohl fehl am Platz. Gleiches gilt für Lennart Karl, dessen ursprünglich bis 2028 laufender Vertrag sich an seinem 18. Geburtstag im Februar automatisch um ein Jahr verlängert. Die Bayern hätten nichts dagegen, ihrem größten Talent noch länger finanzielle Sicherheit zu gewähren – doch der Durchstarter der Saison sieht derzeit keine Notwendigkeit, eine Verlängerung zu forcieren. Das eröffnet anderen Vereinen die Möglichkeit, den Jungstar intensiver zu umschwärmen.
Diesem Alter ist Harry Kane entwachsen. Der 32-Jährige ist noch bis 2026 an den FC Bayern gebunden. Die Münchner würden aus verständlichen Gründen gerne mit dem Torjäger verlängern. Aus Sicht des Torjägers spricht wenig dagegen. Noch aber haben offenbar keine konkreten Gespräche stattgefunden.
Dass die Kaderplanungen so diskret und unaufgeregt behandelt werden, ist mindestens genauso erstaunlich wie die Münchner Leistungen auf dem Rasen. Dort brauchten die Bayern am Sonntag eine halbe Stunde, um spielerisch im Jahr 2026 anzukommen. Dass Jamal Musiala, Alphonso Davies und Kimmich die Mannschaft möglicherweise noch weiter verstärken: irrwitzig.
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