Jedes Wochenende gibt es ein festes Ritual bei meinem Sohn: Er schaut im Smartphone nach den Ergebnissen der englischen Premier League. Vor allem die Frage, ob Florian Wirtz oder Nick Woltemade (er heißt zu Hause natürlich nur Woltemessi) für Liverpool beziehungsweise Newcastle Tore geschossen haben, treibt ihn um. Umso größer war die Freude, als wir ihm zum Geburtstag einen Trip nach Liverpool spendierten - just am Samstag nach seinem 16. trafen die Vereine der beiden Deutschen am vergangenen Samstag aufeinander. Die Partie war natürlich ausverkauft, die Kartenangeboten im Internet wirkten einigermaßen legal, verboten war allerdings der Preis.
Egal, am Ende saßen wir in Anfield in Reihe 7 auf einer der Längstribünen und sangen You´ll Never Walk alone. Die Ursprungsvariante stammt, Fußballfans werden es wissen, von Gerry and the Pacemakers, einer Band, die wie die Beatles in Liverpool startete, aber vergleichbaren Ruhm ausschließlich in Fußballstadien erreichte, beispielsweise auch in Dortmund.
Den Spiel-Auftakt bestimmte Newcastle, folgerichtig stand es bald 0:1. Dann aber gibt Wirtz rein, irgendjemand schreibt später vom „Zauberassist“, Hugo Ekitiké versenkt, ein Traumtor, nur übertroffen vom zweiten Tor des Franzosen, den Eintracht Frankfurt auch gegen viel Geld nicht hätte ziehen lassen sollen.
Man sitzt eng im Stadion. Anders als in Deutschland bestimmt nicht ein Fanblock die Stimmung, es singen einfach alle. „When the Saints (the Reds) go marching in“. Oder dann, das nächste Lied, wir verstehen wenig, außer, dass ein Fan Klublegende Steven Gerrard erspäht hat, der über 700 Mal für die Reds spielte und 2005 die Champions League gewann. Am Ende trifft auch Wirtz zum 3:1 und Woltemade wurde immerhin rund zehn Minuten vor Schluss eingewechselt. Für Malick Thiaw, auch er deutscher Nationalspieler, hatten wir dagegen kein Auge.
Bier darf man übrigens nicht mit auf die Ränge nehmen, der Stimmung tut das keinen Abbruch und am Ende warten Fish und Chips bei der chinesischen Nudelbude unmittelbar am Stadioneingang. Zeit, die wunderbaren Tore im Internet noch einmal nachzuschauen. Unbezahlbar.
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