Gerhard Polt würde den Hund fragen: „Ja, wo isser denn?“ Die gleiche Frage stellte sich die Familie Varesco. Allerdings war ihr vierbeiniger Liebling Nazgul ausgebüxt. Wollte bestimmt nur spielen. Ist ja ein ganz ein Braver, der Tschechoslowakische Wolfshund. Jedenfalls staunte Elisa Varesco nicht schlecht, als sie beim Olympia-Schauen den Wuffi im Fernseher entdeckte.
Zunächst genoss Nazgul die sonnige Aussicht an der Loipe in Tesero. Als zwei Langläuferinnen vorbeikamen, lief er hinter ihnen her und löste so auch das tierischste Zielfoto der Olympia-Geschichte aus. Nazgul hatte sich ohne Akkreditierung eingeschlichen. Der Sport kennt bisher nur Hasen. So heißen menschliche Tempomacher bei Marathonläufen, die eine Zeit lang vorn weglaufen, um das Tempo hochzuhalten. Nun also ein Wolfshund, der den Sportlern von hinten Beine macht.
Nazgul hat zwei Türen selbst geöffnet
Die Schwester des Besitzers verriet, wie der zweijährige Hund es zu den Olympischen Spielen schaffte. „Er ist aus der Wohnung meines Bruders ausgebüxt. Er hat gleich zwei Türen selbst geöffnet und war plötzlich weg“, sagte Elisa Varesco der Bild. Während Nazguls Besitzer auf dem Weg zum Biathlon nach Antholz war, suchte seine Schwester den Ausreißer im Ort. Auf der Strecke, die Familie wohnt direkt an der Olympia-Loipe, vermutete sie ihn nicht. „Als wir ihn dann im Fernsehen gesehen haben, waren wir ganz erschrocken“, erzählte Varesco.
Ein Funktionär fing den Hund im Ziel ein. Aber da entwischte er wieder. Statt erneut auf die Strecke lief der frisch gebackene Olympiastarter in den Nachbarort – eine Ehrenrunde drehen. Dort konnte Elisa Varesco den Streuner endgültig einfangen. Polt würde frohlocken: „Da isser ja!“
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