Zugegeben, Jim Lovell hatte sehr wahrscheinlich ein dringlicheres Problem als er sich meldete. Zu unterschätzen ist die Bedeutung des Funkspruches aber nicht, den die Waschmaschine absetzte. Zu den fragwürdigen Errungenschaften der modernen Welt zählt es, dass ein jedes technisches Gerät mit dem Internet verbunden werden kann. Egal, ob Kaffeemaschine, Staubsauger oder eben Waschmaschine. Alles ist mit allem verbunden und die Geräte scheuen sich nicht, in Zeiten der Achtsamkeit und Selfcare auf ihre Bedürfnisse aufmerksam zu machen. Das Smarthome wird so zur Jammerbude.
All die Haushaltshelfer sollten sich ein Beispiel an Jim Lovell nehmen. Der stand vor einer nicht leicht zu lösenden Aufgabe. Dem Astronauten der Apollo 13 war aufgefallen, dass ein Sauerstofftank explodiert ist. Das ist vor allem im Weltall eine missliche Situation. Statt aber in Panik zu verfallen, meldete er sich in beeindruckender Sachlichkeit beim Bodenpersonal und sprach: „Houston, wir haben ein Problem.“ Die Crew löste das Problem und kehrte sicher auf ihren Heimatplaneten zurück.
Die Waschmaschine in Deutschland sendet einen Hilferuf nach Houston
Als nun am Samstag das Handy aus seinem beengenden Flugzeug-Modus erlöst war, nachdem der mit etlichen Journalisten beladene Flieger in Houston gelandet war, meldete es sich sogleich. Die Waschmaschine aus dem fernen Deutschland hatte sich ein Problem eingefangen. Die Daheimgebliebenen hatten sich um saubere Kleidung bemüht. Vorbildlich. Die Maschine aber signalisierte Probleme beim Abfluss. Lächerlich im Vergleich mit einem explodierenden Sauerstofftank, aber für die Familie zu Hause möglicherweise relevanter. Am wichtigsten sind immer die eigenen Probleme. Aus dem fernen Houston aber blieb diesmal Hilfe aus.
Möglicherweise hat die Waschmaschine das Ende ihres Lebenszyklus erreicht. Auch das ist eine Entwicklung der Digitalisierung: All die Wasch- und Spülmaschinen, jeder Rollladen und sämtliche Heizungen melden sich sofort, wenn ihnen mal ein Relais quersitzt. Die durchschnittliche Lebensdauer nimmt aber nicht zu. Da ließe sich nun vorzüglich über die Technik im Allgemeinen und die Künstliche Intelligenz im Speziellen spötteln. Wie verweichlicht sie doch ist. Und dass sie doch eigentlich angedacht war, um uns Menschen das Leben zu erleichtern. Die Künstliche Intelligenz allerdings lernt von der menschlichen Intelligenz. Leider aber nicht mehr von Jim Lovell, sondern von einem Typen mit Handy in Houston.
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