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WM 2026: Von allen guten Geistern verlassen

WM 2026

Von allen guten Geistern verlassen

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    Das Graylyn Estate erinnert entfernt an die magische Heimat von Harry Potter.
    Das Graylyn Estate erinnert entfernt an die magische Heimat von Harry Potter. Foto: Wake Forest Athletics/DFB, dpa

    Im Nachhinein würde Oliver Bierhoff wohl eine andere Wahl treffen. Die deutsche Mannschaft trat aber verständlicherweise mit reichlich Selbstvertrauen bei der WM 2018 in Russland an, schließlich war man Weltmeister. Als solcher galt es als wenig schicklich, sich mit Kleinstaufgaben wie dem Überstehen der Gruppenphase zu befassen. Daher gab Bierhoff die Losung aus, „das Turnier von hinten“ zu denken. Ganz hinten stand das Finale und weil das in Moskau stattfand, suchte der Quartiermeister eine Unterkunft in der Nähe aus. Watutinki geriet zum Synonym für das deutsche Scheitern und wieder einmal stand das Abschneiden in engem Zusammenhang mit den wohnlichen Begebenheiten der Mannschaft.

    Allerdings gab es keinen Grund, an den planerischen Fähigkeiten Bierhoffs zu zweifeln. Der Mann war schließlich vier Jahre zuvor für wunderbare Wochen am Rande des Urwalds im Campo Bahia verantwortlich. Beim Einzug der Mannschaft hatten die letzten Handwerker noch nicht einmal die Tür hinter sich zugezogen und dass man mit einer rostigen Autofähre übersetzen musste, um das Lager zu verlassen: geschenkt. Die Geschichte zieht ihr schönstes Kleid über die Vergangenheit. In Katar schaffte es der DFB abermals, sich maximal abzuschotten. Während der zentralistisch angelegten Weltmeisterschaft wählte das Team (abermals um Bierhoff) den größtmöglichen Abstand zum Trubel. Anders als in Brasilien, war das nicht von Erfolg gekrönt.

    Als Berti Vogts den Geist zum Leben erwecken wollte, scheiterte er

    Der Wahl des Quartiers wird eine entscheidende Rolle zugesprochen, wenn es um Erfolg oder Misserfolg geht. Mitunter werden sogar übernatürliche Wesen in den Unterkünften der Mannschaft ausgemacht. Sowohl 1954 (Spiez), als auch später im niedersächsischen Malente wird von einem Geist berichtet, der das Team befallen und zum Sieg getragen habe. Berti Vogts versuchte als Bundestrainer 1994 eben jenen Geist abermals zum Leben zu erwecken – und scheiterte.

    Im Jahr 2026 sind die besten Kicker des Landes in North Carolina untergebracht. Auf die Idee, das Turnier vom Ende und daher von New Jersey aus zu denken, kam diesmal niemand. Die Fußballer betten sich im mondänen Graylyn Estate in Winston-Salem. Ob sich die architektonische Harry-Potter-Atmosphäre auf das kickende Personal überträgt, wird die Zeit weisen. Übernatürliche Wesen wurden bislang noch nicht rund um das Hotel gesichtet. Sich nicht blicken zu lassen, zählt allerdings auch als Grundvoraussetzung für ein Gespenst von Welt. Als gut gilt die Unterkunft am Ende, wenn die Mannschaft nicht spielt, als sei sie von allen guten Geistern verlassen.

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