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Zverev vor dem Titel in Paris: So nah ist er dem ersten Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier

Tennis

Zverev in Paris: Wenn nicht jetzt, wann dann?

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    Alexander Zverev spielt bislang stark in Paris. Im Viertelfinale wartet eine besondere Herausforderung.
    Alexander Zverev spielt bislang stark in Paris. Im Viertelfinale wartet eine besondere Herausforderung. Foto: Thibault Camus, dpa

    Jetzt scheint der Moment gekommen. Tag für Tag, Runde für Runde wird es klarer: Die Chance ist riesig. Alexander Zverev wartet schon lange. Noch hat der derzeit beste deutsche Tennisspieler kein Grand-Slam-Turnier gewonnen. Olympiasieger ist er, aber weder die Australian Open, die French Open, Wimbledon oder die US Open führen Zverev in der Siegerliste. Ein Makel. Der 29-Jährige weiß das.

    In diesen Tagen von Paris aber hat sich eine Konstellation ergeben, die alles möglich erscheinen lässt. Carlos Alcaraz konnte wegen einer Verletzung erst gar nicht in Frankreichs Hauptstadt antreten. Novak Djokovic ist ebenso ausgeschieden wie Jannik Sinner. Der Italiener dominiert derzeit die Tennis-Welt. In Paris aber erlebte er Überraschendes. Ein frühes Aus, weil sein Körper streikte. Weil ihn Schwindel heimsuchte, was im Fortgang eines Tennisspiels weniger hilfreich ist.

    Der Weg also ist für Zverev bereitet, die Chance auf Grand-Slam-Titel Nummer eins so groß wie selten. Wenn nicht jetzt, wann dann. Zverev hat schon einige Finals gespielt, irgendwas aber kam immer dazwischen. Mal streikte der Körper, mal war die psychische Verfassung nicht ausreichend für den ganz großen Triumph. Jetzt aber soll es klappen.

    Zverev hält dem Druck bislang stand

    Drei Siege braucht der 29-Jährige noch bis zum ganz großen Moment. Seine Form scheint gut, zumindest deutet die Turnierentwicklung darauf hin. Zuletzt hielt er im Achtelfinale dem Druck stand, er gewann gegen Außenseiter Jesper de Jong aus den Niederlanden mit 7:6 (7:3), 6:4, 6:1. Auch für Altmeister Boris Becker ein starkes Zeichen. „Die Psyche hat sich beruhigt, die bösen Dämonen haben sich jetzt erstmal verabschiedet“, sagte Becker.

    Der ehemalige Tennisspieler hatte bei Zverev zuletzt Probleme in entscheidenden Momenten erkannt. Dass er in Endphasen von Turnieren nicht sein bestes Tennis gespielt hatte. Dass er dem Druck nicht standhalten konnte. Dass er sich gerade gegen Sinner oftmals wehrlos in Niederlagen gefügt hatte. In Paris macht Zverev einen anderen Eindruck. Andererseits ist er jetzt der Gejagte.

    Das Viertelfinale hält für ihn eine ganz besondere Aufgabe bereit. Der 19-jährige Rafael Jodar hat Freude daran gefunden, die Tennis-Welt ein wenig aufzumischen. Sein Viertelfinal-Einzug ist zumindest mal überraschend, aber auch seinen starken Leistungen geschuldet. Die erkennt auch Zverev neidlos an. „Er hat großes Lob verdient. Er spielt fantastisches Tennis“, meinte der 29-Jährige. Jodars Talent: Er könne den Ball sowohl von der Rück- als auch von der Vorhandseite aus gewaltig beschleunigen, was bemerkenswert sei, so Zverev. Und: „Er ist ein sehr aggressiver Spieler. Er ist noch sehr jung und hat ein enormes Talent.“

    Vor einem Jahr stand Jodar noch auf Rang 707 der Weltrangliste, nun scheint er gar in der Lage, den Titel in Roland Garros zu holen. Eine bemerkenswerte Entwicklung. Allerdings musste er zuletzt zwei Matches über fünf Sätze spielen, was Kraft gekostet hat. Andererseits sollte er diese Strapazen mit seinen 19 Jahren recht gut wegstecken können. Davon geht auch Zverev aus.

    Jodar spielt auf Sand „wie die Feuerwehr“

    Der 29-Jährige jedenfalls ist gewarnt. „Gerade auf Sand spielt der wie die Feuerwehr“, urteilte Boris Becker über den jungen Spanier, was ihn zu einer echten Herausforderung für Zverev mache. Der aber hat das ganz große Ziel vor Augen. „Ich muss mir selbst vertrauen und ich werde dafür bereit sein“, sagte der 29-Jährige. Allerdings ist ihm auch bewusst, welcher Druck auf ihm lastet. Er ist der letzte verbliebene Spieler aus den Top fünf der Rangliste. Schafft er auch diesmal die Krönung nicht, wird er als Gescheiterter Paris verlassen.

    Zverev versucht, das Geschehen rund um den Platz auszublenden. Er versucht, die Erwartungen der Fans nicht zu nahe an sich herankommen zu lassen. „Mein Handy ist aus“, sagte Zverev. Auch die sozialen Medien meide er während der Tage von Paris. Der Fokus liegt auf ihm selbst, auf seinen Leistungen und eigenen Erwartungen. Die sind klar: Er möchte endlich sein erstes Grand-Slam-Turnier gewinnen.

    Rafael Jodar wird es ihm am Dienstag auf dem Weg dorthin nicht leicht machen. Seine Sandplatzbilanz in diesem Jahr ist mit 19 Siegen und drei Niederlagen beeindruckend. Zudem lastet auf ihm kein Druck. „Ich versuche, den Moment zu genießen.“ Auf der Grand-Slam-Bühne zu sein und so weit zu kommen, sei für ihn „ein Geschenk“, so Jodar.

    Für Zverev dagegen wäre es das größte Geschenk, endlich sein erstes Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Er unternimmt den 41. Anlauf, bislang sind alle gescheitert. Rekordhalter ist bislang Goran Ivanisevic, der im 48. Anlauf endlich seinen ersten Titel bei einem der großen Turniere gewonnen hatte. Das war 2001 in Wimbledon.

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