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Abschied: Chaos in Bayern: Söder verliert sein GPS

Abschied

Chaos in Bayern: Söder verliert sein GPS

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    Zwei, die ein ganz besonderes Verhältnis haben.
    Zwei, die ein ganz besonderes Verhältnis haben. Foto: Ulrich Wagner

    Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ist schwer angeschlagen. Nach exklusiven Recherchen unserer Redaktion hat der CSU-Chef seine eigene Partei mit neuerlichen Kehrtwenden kalt erwischt. „Es kann schon mal vorkommen, dass ich für etwas dagegen bin, aber das bedeutet noch la nge nicht dass ich gegen etwas dafür bin“, sagt Söder selbst – und gibt den Menschen im Freistaat Rätsel auf. Nur Insider kennen bislang den Hintergrund: Markus Söder hat sein GPS verloren.

    Jahrelang hatte Gregor Peter Schmitz (GPS) dem bayerischen Landesvater als inhaltliches Navigationsgerät gedient. War GPS dafür, musste Söder einfach nur dagegen sein – und umgekehrt. Lange fuhr der Franke gut damit. Doch seit der überraschenden Ankündigung des Chefredakteurs der Augsburger Allgemeinen, den Freistaat zu verlassen, propellert Söders politischer Kompass unkontrolliert im Kreis – und mit ihm der Ministerpräsident. Egal, wohin Söder geht, die Richtung stimmt nicht mehr.

    In der Staatskanzlei bemüht man sich um Schadensbegrenzung

    Sogar Koalitionspartner Hubert Aiwanger, der sich gerne in inhaltlichen Differenzen mit sich selbst verstrickt, wundert sich über den orientierungslosen CSU-Vorsitzenden. Als Söder sich in der jüngsten Kabinettssitzung mehrfach selbst widersprach, verließ der Chef der Freien Wähler empört den Raum. „Ich halte es für eine Unverschämtheit, dass die CSU uns derart dreist kopiert. Für den unverständlichen und irrationalen Schmarrn in dieser Regierung sind immer noch wir zuständig, das steht ausdrücklich im Koalitionsvertrag“, sagte ein sichtlich aufgebrachter Aiwanger.

    In der Staatskanzlei bemüht man sich derweil um Schadensbegrenzung. Doch hinter vorgehaltener Hand wird auch dort darüber diskutiert, wie man den Abgang von Gregor Peter Schmitz kompensieren könnte. Die „Söder-Leute“ sind in heller Aufregung. Und zwar zurecht, wie eine repräsentative Civey-Umfrage im Auftrag unserer Redaktion bestätigt. Demnach sind 78 Prozent der Bayerinnen und Bayern überzeugt davon, dass Söder ohne GPS endgültig vom Kurs abkommen wird.

    Nach Informationen unserer Redaktion steht die CSU bereits in Kontakt mit der bayerischen Schlösserverwaltung. Das Kalkül: Würde man Gregor Peter Schmitz lebenslanges Wohnrecht auf Schloss Neuschwanstein einräumen, könnte der bekennende König-Ludwig-Ultra womöglich doch noch zum Bleiben überredet werden. Söder und Schmitz hatten in den vergangenen vier Jahren ein ganz spezielles Männerverhältnis entwickelt, das irgendwo zwischen intellektuellem Höhenflug und Wirtshausschlägerei mäandrierte.

    Söder will GPS am Wegzug aus Bayern hindern

    Söder selbst soll in kleiner Runde seinen Unmut darüber geäußert haben, dass die Personalentscheidung Schmitz in irgendeinem Gütersloher Hinterzimmer gefällt worden sei. Er fordert eine Befragung der bayerischen Basis. „Es ist einfach nicht mehr zeitgemäß, wenn ich das sagen darf, dass ein paar Verlags-Hansel aus dem rot-rot-grün-links-versifften Nordrhein-Westfalen, wo im Übrigen die Corona-Zahlen deutlich schlechter sind als bei uns, obwohl ich den Armin sehr schätze, so eine weitreichende Entscheidung, die unseren Freistaat Bayern so unmittelbar berührt, einfach unter sich ausmachen“, zeigte sich Söder beim Besuch einer Nürnberger Bratwurstbude ungewohnt wortkarg.

    Die Überlegungen in der Staatskanzlei gehen sogar so weit, sich die Denkdienste des Rheinländers und künftigen RTL-Mannes auch weiterhin vertraglich zu sichern, als außerbayerische Hirnprothese im Sinne von Franz Josef Strauß gewissermaßen.

    Selbst rechtliche Schritte gegen den Wegzug von GPS aus Bayern prüft die Staatsregierung. Angeblich will man dem Journalisten den Reisepass entziehen und die Bundespolizei um Unterstützung bei der Sicherung der bayerischen Landesgrenze bitten. „Wir sind auf alles vorbereitet“, sagte ein Sprecher von Innenminister Joachim Herrmann. Gerüchte, die Feierlichkeiten zum 83. Geburtstag von CSU-Legende Theo Waigel im April seien wegen der GPS-Krise bereits vorsorglich abgesagt worden, bestätigten sich im Übrigen nicht.

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