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Abschied: GPS, der Bruchpilot

Abschied

GPS, der Bruchpilot

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    Ganz so ramponiert sah der Chefredakteurs-Wagen nach dem hier erwähnten Termin nicht aus.
    Ganz so ramponiert sah der Chefredakteurs-Wagen nach dem hier erwähnten Termin nicht aus. Foto: Sina Schuldt, dpa (Symbolbild)

    Es gibt ja diese Ereignisse im Leben eines Journalisten, die keiner so schnell vergisst. Wie die Kollegen am 11. September 2001 ungläubig in die Fernsehgeräte starrten. Wie das damals war, als Barack Obama noch als Präsidentschaftskandidat nach Berlin kam und die Menschen an die Siegessäule strömten.

    Und dann gibt es diesen anderen Tag: Der Tag, an dem die Erinnerung an das eigentliche Ereignis wie ausgelöscht ist, weil etwas anderes sie förmlich verschluckt hat. Ein Interview muss es gewesen sein, oder war es doch nur ein Hintergrundgespräch? Mit wem? Zu welchem Thema? Die Wissenschaft ist sich einig, dass das Gehirn eine Art Schutzfunktion einrichtet, wenn das, was da geschieht, zu traumatisch wäre, um damit leben zu können.

    Eine Nahtod-Erfahrung im Chefredakteurs-Wagen

    Und was könnte traumatischer sein als eine – wir müssen es beim Wort nennen: Nahtod-Erfahrung. Wie in einer Art Drogennebel tauchen die Erinnerungsfetzen manchmal auf. Wie sich die Nadel auf dem Tacho im Auto des Chefredakteurs über die 200-km/h-Schwelle schiebt. Wie sich die eigenen Hände auf dem Rücksitz immer tiefer in die teure Polsterung graben.

    Wie der Mann auf dem Fahrersitz auch dann noch beschleunigt, als ein LKW auf die linke Spur zieht. Wie wir, endlich am Ziel angekommen, Runde um Runde durch das Parkhaus kurven, mit der lapidaren Begründung des Mannes, dessen Kürzel ausgerechnet gps ist, er könne sich nur auf Parkplätze stellen, in die er quasi kerzengerade vorwärts reinrollen kann. Die Illusion, er hätte das mit dem Autofahren doch bestimmt im Griff: atomisiert, binnen Sekunden.

    Hätten die mit Klebeband fixierten Seitenspiegel eine Warnung sein können, ja müssen? Die tiefen Kratzer im Lack? Rasch übernimmt das Gehirn wieder und legt einen dumpfen Schleier des Vergessens über den Tag ...

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