Eine englische Zeitung nannte ihn einmal den "fliegenden Rechtsaußen des Kontinents". Ernst Lehner ist der Ausnahmespieler, den der TSV Schwaben Augsburg hervorgebracht hat. Mit 65 Einsätzen und 31 Toren für die Nationalmannschaft war er über viele Jahre hinweg Rekordspieler - und -torjäger des DFB.
Vor Helmut Haller und Bernd Schuster war er der erste Superstar aus Augsburg. 1912 geboren, begann er mit acht Jahren bei Schwaben Augsburg mit dem Fußballspielen. Dem Verein, dessen Lizenzspielerabteilung 1969 mit dem BCA zum FCA fusionierte, blieb er lange Zeit treu.
Ernst Lehner: Zu gut für seine Mitspieler
Kaum im Erwachsenenbereich angekommen, schlug er als torgefährlicher und schneller Offensivspieler – die 100 Meter konnte er in rund elf Sekunden laufen – bei den Schwaben sofort ein. Er war ein überragender Spieler in einer Mannschaft, die eigentlich zu schlecht für ihn war.
Von 1933 bis 1940 absolvierte er als Schwabe 55 Einsätze für die Nationalmannschaft, doch sein Verein spielte derweil häufig zweitklassig. 1935 stiegen die Schwaben aus der Gauliga ab, erst 1938 gelang die Rückkehr. Als die Violetten umgehend wieder den Gang in die untere Liga antreten mussten, wollte Lehner beim mittlerweile stabileren BC Augsburg anheuern, doch die Statuten untersagten einen „Vereinswechsel am Ort“.
1940 wurde er als Soldat nach Berlin abkommandiert, wo er für Blau-Weiß Berlin auflief. Ehe er 1942 nach Augsburg zurückkehren konnte, wurde er weitere zehn Mal in die Nationalelf berufen.
WM-Teilnehmer 1934 in Italien
Seine Premiere für die deutsche Mannschaft erlebte er am 19. November 1933, als die Schweiz mit 2:0 besiegt wurde. Ein Höhepunkt seiner Länderspielkarriere war die Weltmeisterschaft 1934 in Italien, bei der Deutschland erstmals teilnahm und gleich den ersten internationalen Erfolg feiern konnte. Die Nationalelf drang bis ins Halbfinale vor, musste sich aber der Tschechoslowakei geschlagen geben.
Beim Spiel um Platz drei in Neapel hieß der Gegner Österreich. Lehner erzielte in der Partie seine ersten beiden Länderspieltore, steuerte das 1:0 und das zwischenzeitliche 3:1 zum 3:2-Sieg bei.
Bis 1955 Deutschlands Rekordtorschütze
Insgesamt traf er in 65 Spielen 31-mal und war damit lange Rekordtorschütze. Erst am 16. November 1955 konnte ihn Fritz Walter überholen. Auch bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin und bei der Weltmeisterschaft in Frankreich 1938 trug der Rechtsaußen, der aus unmöglichen Winkeln ins Tor treffen konnte, das Nationaldress.
Als Vereinsspieler erlebte Lehner seine erfolgreichste Zeit in Berlin. Mit Blau-Weiß 90 holte er in der Spielzeit 1941/42 die Meisterschaft in der Gauliga Berlin-Brandenburg und qualifizierte sich für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft.
Unter Trainer Hans Semmler, der 1934 den BC Augsburg in die Erstklassigkeit geführt hatte, schaffte es Blau-Weiß bis ins Halbfinale, das vor 80.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion mit 2:3 gegen Vienna Wien verloren ging. Die folgende Partie um Platz 3 gewannen die Berliner klar gegen die Offenbacher Kickers.
Neue Heimat: Aschaffenburg
Danach ging es für Lehner zurück nach Augsburg, wo er bis 1947 im lila-weißen Trikot der Schwaben auflief. Dann nahm er ein Angebot von Viktoria Aschaffenburg an, agierte dort später als Spielertrainer und hatte als Übungsleiter weitere relativ erfolglose Stationen bei Hanau 93 und Darmstadt 98.
Nachdem er die Fußballschuhe nahezu gänzlich an den Nagel gehängt hatte, machte er als Leiter des Sportamtes in Aschaffenburg Karriere. In Augsburg war er ein immer gern gesehener Gast, beispielsweise, als er 55-jährig erstmals im Rosenaustadion spielte. Zusammen mit Helmut Haller, Uli Biesinger und Ludwig Schlump bildete er den illustren Sturm der Prominentenmannschaft Datschiburger Kickers. Lehner verstarb am 10. Januar 1986 in Aschaffenburg.