Auch wer lange Zeit nicht selbst gefahren ist, hat sich meist darauf eingestellt, ein Auto zur Verfügung zu haben, schildert der Verkehrspsychologe Prof. Bernhard Schlag von der TU Dresden seine Erfahrung. Viele dieser Frauen - aber auch Männer - glaubten jedoch, dass sie das Auto nicht mehr beherrschen. Häufig hätten sie auch das - eher unberechtigte - Gefühl, dass sich der Verkehr und die Geschwindigkeit auf der Straße erhöht haben. Hinzu komme die Sorge, im Alter nicht mehr so schnell wie früher reagieren zu können.
Gegen die Angst vor dem Autofahren hilft laut Schlag vor allem eines: Üben. "Man verlernt das Autofahren nie ganz, sondern findet meist schnell wieder rein", sagt Schlag, an der TU Direktor des Instituts für Verkehrsplanung und Straßenverkehr. Wichtig sei zu wissen, dass beim Autofahren viel automatisiert passiert - wer übe, könne häufig schon bald wieder auf bekannte Abläufe zurückgreifen.
Eine Möglichkeit zum Fahren unter professioneller Anleitung ist ein Fahrtraining, beispielsweise beim Automobilclub ADAC. "Man kann sich zwischen verschiedenen Angeboten entscheiden", sagt Jana Mielke vom ADAC Fahrsicherheitszentrum Berlin-Brandenburg in Linthe. So gebe es bundesweit ganztägige Pkw-Intensivtrainings für ältere und jüngere Autofahrer gemeinsam. In einigen Regionen bietet der ADAC aber auch spezielle Kurse für Ältere an, in Berlin heißen sie Pkw-Training 60 plus. Die Teilnehmer nutzen dafür ihre eigenen Fahrzeuge.
"In diesen Kursen geht es darum, wieder ein Gefühl für das Auto zu bekommen und eigene Unsicherheiten zu überwinden", erklärt der ADAC-Fahrtrainer Bernd Teicher aus Berlin. Deswegen unterhält sich der Trainer zu Beginn des dreieinhalbstündigen Kurses mit den Teilnehmern, warum genau sie da sind und was sie lernen möchten. "So kann man individuell auf die Bedürfnisse eingehen."
Da die Kurse zertifiziert sind, stehen grundsätzlich ähnliche Trainingseinheiten auf dem Programm: "Zuerst prüfen wir, ob die Teilnehmer die richtige Sitzposition haben, ob also zum Beispiel der Abstand zum Lenkrad stimmt", sagt Teicher. Dann kommt das Bremsen dran - nicht jeder traut sich schließlich nach einer langen Pause, wieder das Bremspedal durchzutreten. Das wird auf normalen und glatten Straßen geübt.
Anschließend üben die Fahrschüler Ausweichen und Slalomfahren. "Sie müssen lernen, schnell zu reagieren, die Blickrichtung immer wieder zu wechseln und richtig zu lenken", erklärt Teicher. Mit ihrem Fahrtrainer sind die Schüler währenddessen per Funk verbunden. "Wir geben Hinweise, was sie korrigieren sollten und besprechen später noch, was sie beim nächsten Mal besser machen können."
Mit einem solchen Training ist es möglicherweise aber noch nicht getan. Vielleicht ist jemand auch so unsicher, dass er nicht mit dem eigenen Wagen zum Training fahren möchte. In diesen Fällen könnte eine Fahrschule weiterhelfen. "Einige Fahrschulen bieten für ältere Fahrer spezielle Programme an", sagt Burkhard Gerkens, Referent für ältere Verkehrsteilnehmer beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat in Bonn.
Doch auch ganz normale Fahrschulen könnten weiterhelfen. "Man kann mit einem Fahrlehrer fahren und gemeinsam schauen, wo man noch Übungsbedarf hat", rät Gerkens. "Dann kann man besprechen, ob und wie viele Stunden man zur Auffrischung machen möchte." Dabei sei es meist auch möglich, die Strecken mit Begleitung zu fahren, die man im Alltag regelmäßig meistern muss.
Deutscher Verkehrssicherheitsrat: www.dvr.de
ADAC Fahrsicherheitstraining: http://dpaq.de/JxNOn
ADAC Fahrsicherheit Linthe: www.fahrsicherheit.de/linthe