Hundert11: FCA-Historie: Georg Platzer: Der treue "Schorsch"
Hundert11: FCA-Historie
Georg Platzer: Der treue "Schorsch"
Die Bayern wollten ihn - genau wie die Löwen und der VfB. Georg Platzer blieb dem BC Augsburg aber stets treu und absolvierte so fast 600 Spiele für den Vorgängerverein des FCA.
Von Andreas Schäfer|
Georg Platzer im gegnerischen Strafraum: Dort fühlte sich der Angreifer wohl. Insgesamt erzielte er 187 Tore für den BCA.Foto: Archiv BCA/FCA
Die Zahlen sprechen für sich: Fast 600 Spiele absolvierte Georg Platzer für den BC Augsburg. 187 Tore erzielte er derweil. Und es wären sicherlich noch mehr geworden, wenn er nicht immer wieder in der Hintermannschaft und sogar als Torhüter hätte aushelfen müssen.
Der 1923 geborene Platzer begann als Neunjähriger beim Sportverein Kriegshaber mit dem Fußballspielen, drei Jahre später fusionierte der Verein mit dem BCA. In der ersten Mannschaft spielte er erstmals 1942, der Krieg unterbrach allerdings bald seine Karriere.
Zwei Tage nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1945 streifte er sich schon wieder das weiß-blaue Trikot über, diesmal in der frisch gegründeten Oberliga Süd. Viele Jahre lang war er aus der Mannschaft der Oberhauser nicht mehr wegzudenken, in elf Spielzeiten führte der Stürmer die BCA-Elf als Kapitän auf den Platz.
Georg Platzer: 320 Mark statt 300.000 Francs
Bald konnte sich Platzer vor lauter attraktiven Angeboten kaum mehr retten. Die Bayern wollten ihn verpflichten wie auch die Löwen, die Eintracht versuchte ihn nach Frankfurt zu locken und der VfB nach Stuttgart. Racing Club Paris lockte den dynamischen Stürmer mit 300.000 Francs, Vereine aus der Schweiz versuchten ihn mit Franken zu überzeugen. Doch der „Schorsch“ blieb Augsburg treu, wurde nach der Währungsreform als Vertragsspieler und mit den damals erlaubten 320 Mark entlohnt.
Das Bild zeigt Georg Platzer im Jahr 1946.Foto: Archiv BCA/FCA
Für einen internationalen Einsatz reichte es nicht. Dafür sind natürlich auch die Umstände verantwortlich: 1945 verbot die FIFA jegliche Sportbeziehungen zu deutschen Mannschaften, erst im Herbst 1950 fand das erste Nachkriegsländerspiel gegen die Schweiz statt.
Einmal hätte es fast mit einer Partie im DFB-Trikot geklappt: Bundestrainer Sepp Herberger lud den schnellen Augsburger zu einem Lehrgang ein, für das anschließende Spiel gegen Österreich wurde er sogar aufgestellt, nur eine Verletzung verhinderte seinen Einsatz.
Aus der WM-Traum: Als das Knie Georg Platzers Teilnahme verhinderte
Auch vor der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz war Platzer nah dran an der Nationalmannschaft. Für den Lehrgang, der den Grundstock für die WM-Teilnehmer bildete, erhielt er eine Einladung. Eine Meniskusverletzung zerschlug alle WM-Träume.
Sein Abschied beim BCA stand nach der Oberliga-Spielzeit 1955/56 an. Platzer ließ seine Karriere in Kempten ausklingen und kehrte dann zu seinem Verein zurück. Er fungierte als Spielausschussvorsitzender, Abteilungsleiter und Präsidiumsmitglied und viele Jahre als ehrenamtlicher Geschäftsführer beim BCA und später beim FCA. Sonst war er in seiner Lotto-Toto-Annahmestelle in der Donauwörther Straße anzutreffen.
Bis kurz vor seinem Tod verfolgte er die Spiele des FC Augsburg im Rosenaustadion. Er starb 2001, einen Tag vor Heiligabend.