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Reiselust

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In 88 Etappen zur Erleuchtung

Pilgern in Shikoku
Bild: Setouchi Tourism Authority
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2020 ist  Japan zum zweiten Mal Gastgeber der Olympischen Spiele. In vielen Regionen fiebern die Menschen dem großen Sportereignis entgegen.

So wird der Olympische Fackellauf im April und Mai durch alle sieben Präfekturen der Region Setouchi im Südwesten Japans führen. Die Olympische Flamme umkreist dabei quasi das Seto-Binnenmeer, aus dem sich über 700 grüne Inseln erheben.

Eine ganz andere Art im nächsten Jahr in Setouchi unterwegs zu sein, bieten die uralten Pilgerpfade wie der Shikoku-88-Tempel-Weg. Gläubige haben auf ihm eine lange Reise vor sich. Der 1400 Kilometer lange Weg führt von einem Tempel zum anderen und umrundet dabei die ganze Insel. Manche Stationen sind nur wenige Kilometer voneinander entfernt, andere einen ganzen Tagesmarsch. Der Weg gilt als der älteste und traditionsreichste Pilgerweg Japans und folgt den Spuren des Mönchs Kukai, auch Kobo Daishi genannt. Der Begründer des Shingon-Buddhismus war selbst viele Jahre auf Wanderschaft.

Entgegengesetzt gehen

Im Schaltjahr 2020 wird der Weg in entgegengesetzter Richtung begangen, von Tempel Nr. 88 bis zum Tempel Nr. 1. Traditionelle Pilger treten die Reise ganz in Weiß gekleidet, gerüstet mit Pilgerstab, Reisstrohhut und Pilgerbuch an, moderne Wallfahrer nutzen gerne das Fahrrad oder reisen im Bus. Die Anwohner entlang des Pilgerpfades beschenken die frommen Wanderer gerne mit Erfrischungen, die man unbedingt annehmen muss, weil die Spender damit Anteil an den spirituellen Verdiensten der Wallfahrt haben.

In dem in Stoff gebundenen Pilgerbuch ist jeder Tempel als Zeichnung abgebildet, die Seite daneben wird beim Besuch des Tempels mit einer Kalligraphie geschmückt und abgestempelt. So wird das Buch zum einzigartigen Kunstwerk und Andenken an eine Reise, die Pilgernden aus dem Ausland authentische Einblicke in die japanische Kultur und Lebensart erlaubt.

Je nach Kondition braucht man für den ganzen 88-Tempel-Weg zu Fuß 30 bis 60 Tage, aber auch schon ein Tag auf dem Pfad ist ein eindrucksvolles Erlebnis. Er führt nämlich durch wunderbare Naturlandschaften, zu kleinen bescheidenen Tempeln, versteckt im Wald, oder zu prachtvollen Tempelanlagen.

Reisen geht auch schneller

Wer sich nicht so viel Zeit nehmen kann oder möchte, dem bieten sich in dieser Region auch andere Reisemöglichkeiten. Zum Beispiel die Bahn. Die Pünktlichkeit japanischer öffentlicher Verkehrsmittel ist legendär. Europäische Pendler können nur davon träumen, dass sich die Bahngesellschaft bei ihnen entschuldigt, weil der Zug 20 Sekunden zu früh abgefahren ist. So gehört eine Fahrt mit den zuverlässigen und sauberen „Öffis“ des Inselstaates auch zu den authentischen Japanerlebnissen, die Reisende unbedingt einplanen sollten.

Für 2020 ist die Einführung neuer Züge und Schiffe in der Region Setouchi geplant, darunter ein Hochgeschwindigkeitsschiff und ein Panoramazug. Außerdem werden neue Sightseeing-Touren entwickelt, die Bahn- und Schiffspassagen miteinander kombinieren. pm/bim

Weithin sichtbar ist das Bildnis des taoistischen Kriegsgottes Xuan Wu am Lotossee von Kaohsiung.
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