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Friedberg

Radtour durch den Osten von Friedberg: Von Pilgern und Ochsen

Die Radtour führt durch den Osten von Friedberg.
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Die Radtour führt durch den Osten von Friedberg.
Foto: Andreas Schmidt

Im Friedberger Osten geht es auf einer Radtour auf historischen Spuren über Radwege hügelauf und hügelab.

War es jetzt Kreuz Nummer sieben oder schon acht am Wegesrand? Man kann ein wenig den Überblick verlieren, angesichts der vielen Zeugnisse der Volksfrömmigkeit, die die Wege östlich von Friedberg säumen. Das Kreuze-­Abzählspiel haben wir schon vor 14 Jahren bei einer Radtour gespielt. Damals war die Tochter Grundschülerin, heute ­studiert sie unter anderem Mathe, um später selber Schülern etwas beizubringen. Das kleine Kreuze-Einmaleins ist für sie also kein Problem. Zehn sichtet man am Hinweg beim Vorbeiradeln zwischen der Friedberger Wallfahrtskirche Herrgottsruh und Burgadelzhausen – genau wie früher. Es hat sich seit damals nicht viel verändert an dieser Strecke. Doch Teilstücke des Weges tragen mittlerweile klangvolle Namen wie „altbaierischer Oxenweg“ und „Pilgerweg“, der für Wanderer ausgeschildert ist.

Die Radtour durch den Friedberger Osten verspricht einiges

Wir schwingen uns auf den Fahrradsattel und lassen die Wallfahrtskirche hinter uns. Das Gnadenbild – im Volksmund Ruhherrle genannt – begegnet uns bald wieder auf einer Votivtafel am Weg nach Heimatshausen. Wären wir hier am Bartholomäustag 1796 vorbeigekommen, hätte es für uns brenzlig werden können, wie damals für den Michl­bauern. Drei französische Husaren knüpften ihn an einer ­Eiche auf, doch der Ast brach. Die Nachfolger-Eiche ist zwar ein bisschen größer geworden, aber zum Glück längst nicht so stattlich, dass sie für solche kriegerischen Aktionen ­taugen würde.

Nur mancher Anstieg auf den Radwegen ist eine kleine Viecherei

Wirklich an den Kragen ging es den ungarischen Ochsen, die dort zum Schlachten nach Augsburg getrieben wurden. Mit solch tierischem Gegenverkehr muss man seit Ende des 18. Jahrhunderts nicht mehr rechnen. Eine gewisse Viecherei ist aber der steile Anstieg hinauf nach Heimatshausen. Früher ragte dort stolz ein Maibaum empor und man konnte mit Glöckchen Gesellschaft herbeiläuten. „Wir trinken unsere Halbe jetzt ohne Maibaum“, meint ein Heimatshausener.

Ein Maibaum steht erst unten im Tal in Paar-Harthausen. „Nach altem Brauch und guter Sitte ist hier in unseres Dorfes Mitte ein Baum errichtet“, hat der Burschenverein daruntergeschrieben. In Paar und Harthausen treffen wir auch tatsächlich auf Ochsen am „Oxenweg“: Am Kindergarten auf einen großen gemalten und am Feuerwehrhaus auf einen aus Stein gemeißelten. Nicht übersehen sollte man auch die schönen Taubenhäuser zuerst in Harthausen – nach dem Vorbild des dazugehörigen stattlichen Bauernhauses – und in Hinterheimat. Kurz davor kreuzt eine Eidechse unseren Weg. Und beim Begutachten des Taubenschlages gibt es nebenan hübsche schwarz-weiße Kaninchen zu entdecken.

Verschnaufpause auf der Fahrradtour im Gasthof ­statt auf dem Spielplatz

Die Berg- und Talfahrt führt weiter nach Burgadelzhausen. Der Spielplatz war einst für die Tochter ein Höhepunkt. Als kleines Kind waren die hölzernen Bauten für sie eine ­Ritterburg oder ein Piratenschiff. Doch das Schiff ist morsch geworden und verschwunden. Für Kinder ist es immer noch eine nette Anlaufstelle. Die groß gewordene Tochter ­bevorzugt nun eine Verschnaufpause im Landgasthaus ­Wittmann. Von der Terrasse hat man einen schönen Blick auf den ­Maibaum, an dem auch König Ludwig II. verewigt ist.

Gestärkt machen wir uns hügelauf und hügelab auf den Heimweg. Schöne Ausblicke belohnen dafür, dass wir vor Landmannsdorf und nach Rinnenthal kräftig in die Pedale treten müssen. Richtige Ochsen entdecken wir nahe des Oxenweges nicht, nur grasende Rinder im Paartal. „Das Gras wächst der Kuh ins Maul“, steht auf einem Hinweisschild zu der Kurzrasenweide. Gegenüber lockt Gequake zu einem verborgenen Idyll. Gleich nach der Überquerung der Eisbachbrücke und vor den Tennisplätzen des BC Rinnenthal liegt links ein Weiher hinter dem Schild „Betreten auf eigene Gefahr“. Seerosen blühen, zahllose blaue Libellen schweben über dem Wasser.

Mit dem Kreuze-Zählen haben wir am Rückweg ausgesetzt. Dafür lohnt sich am Ausgangspunkt und Ziel ein Blick in die Wallfahrtskirche Herrgottsruh. „Kennen Sie das Asam-­Fresko? Das sollten Sie nicht versäumen“, rät ein älterer Herr. Recht hat er!