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Buttenwi

31.07.2019

Aus dem Buttenwiesener Ritualbad wird ein Kleinod

Die Mikwe - ein jüdisches Badhaus - in Buttenwiesen ist kaum wiederzuerkennen. Anfang September ist die offizielle Eröffnung geplant.
Bild: Brigitte Bunk

Das einstige jüdische Badhaus in Buttenwiesens Zentrum war in einem sehr schlechten Zustand. Anfang September wird die Mikwe eröffnet und den Besuchern zugänglich sein.

Die Mikwe, zwischen der Synagoge und dem jüdischen Friedhof in Buttenwiesen gelegen, wurde restauriert. Wo die meisten noch ein heruntergekommenes Anwesen im Gedächtnis haben, ist nun ein schmuckes Häuschen mit gepflegtem Vorgarten zu sehen. Bürgermeister Hans Kaltner gab in der Ratssitzung am Montag freudig bekannt, dass die Restaurierung fast abgeschlossen ist. Am 1. September soll sie, anlässlich des Tags der jüdischen Kultur, um 11 Uhr mit einem kleinen Festakt eröffnet werden.

„Das wird ein Kleinod“, verspricht Kaltner. Vor allem sei in Deutschland das Ensemble Synagoge, Mikwe und jüdischer Friedhof etwas Einmaliges. Auf dem Schild, das momentan noch neben der Eingangstür lehnt, ist die Geschichte zu lesen: „Das ehemalige Ritualbad der jüdischen Gemeinde Buttenwiesen diente nicht der Hygiene, sondern der rituellen Reinigung, der sich die gläubigen Juden bei gewissen Anlässen zu unterziehen hatten. (…) Das Gebäude wurde kurz nach der Synagoge 1857 errichtet, es gehört zu den wenigen in Deutschland heute noch erhaltenen und eigens zu diesem Zweck gebauten Ritualbädern. In den 1940er Jahren erfolgte ein Umbau zum Wohnhaus. Derzeit steht es leer. Die Gemeinde Buttenwiesen plant die Einrichtung eines Museums.“

Was von außen ganz unscheinbar wirkt, zeigt im Innern jüdische Geschichte auf. In dem Badhaus befindet sich ein Tauchbecken, welches ein Zimmer einnimmt und noch komplett erhalten ist. Hier führten die Buttenwiesener Juden früher ihre Waschungen durch – nur im Zustand ritueller Reinheit dürfen gläubige Juden an vielen religiösen Bräuchen teilhaben. Frauen mussten diese in dem Bad etwa während der Menstruation wieder herstellen. Archivar Dr. Johannes Mordstein vermutet, dass die Mikwe schon einige Zeit vor der Machtergreifung der Nazis nicht mehr genutzt wurde. Viele Juden hätten sich solche rituellen Becken zuhause eingerichtet – vielen behagte es wohl nicht, diese Bräuche in der Öffentlichkeit auszuführen. Das Gebäude befand sich in einem sehr schlechten Zustand. Es gab praktisch keinen Bereich, der nicht überarbeitet werden musste. Umso mehr freut es Bürgermeister Kaltner, dass die Renovierung nun dem Ende entgegen geht. „Wir sind sehr, sehr weit.“ (mit wz)

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