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Gitarrenfestival: Die wundersame Geschichte einer Gitarre aus Hirschbach

Gitarrenfestival

Die wundersame Geschichte einer Gitarre aus Hirschbach

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    Monika Holzer (rechts) aus Langweid. Ihre Gitarre stammt aus Hirschbach. Diese Geschichte hat sie WZ-Redakteurin Hertha Stauch erzählt.
    Monika Holzer (rechts) aus Langweid. Ihre Gitarre stammt aus Hirschbach. Diese Geschichte hat sie WZ-Redakteurin Hertha Stauch erzählt.

    Eine Initiative von Kulturreferent Frieder Brändle in Wertingen stößt auf große Resonanz. Brändle hatte im Vorfeld des Internationalen Gitarrenfestivals, das in Wertingen von 3. bis 6. Oktober stattfindet, die Idee, den alten Brauch des Musizierens in den Wirtshäusern wieder aufleben zu lassen (WZ berichtete). Doch dafür braucht es Instrumente. Also blieb sein Ruf an alle Gitarrenfreunde nicht ungehört, dem Wertinger Gitarrenverein – genau gesagt dem „Förderverein Internationales Gitarrenfestival Wertingen“ – Gitarren für die Aktion zu spenden oder zu leihen.

    Denn auch für das Festival, das diesmal ein Jugendprojekt beinhaltet, werden Gitarren gebraucht. Am 4. Oktober gibt es im Rahmen des Festivals einen schulübergreifenden Aktionstag, bei dem Kinder und Jugendliche der Gitarre und Gitarrenmusik näherkommen und Instrumente ausprobieren sollen. Die Initiative zündete bei Monika Holzer aus Langweid, als sie davon in unserer Zeitung las. „Da gibt es ja noch eine Gitarre von meinem Großvater“, wurden Erinnerungen an vergangene Zeiten wach.

    Und die haben etwas mit Hirschbach zu tun. Monika Holzer, geborene Landkammer, wuchs in Hirschbach bei ihren Großeltern und ihrer Mutter auf. Die Familie war aus dem Egerland geflüchtet und letztendlich 1947 nach Hirschbach gelangt. Ein Jahr später wurde Monika Holzer in Wertingen im alten Krankenhaus geboren. Die ersten Jahre waren für die Flüchtlingsfamilie in Hirschbach wenig komfortabel. „Meine Mutter war alleinerziehend und wir vier lebten in einem großen Zimmer in einem Bauernhof. Da war ein Doppelbett für Oma und Opa und ich in der Mitte. Mama schlief auf dem Sofa, das tagsüber eine Sitzgelegenheit war,“ erzählt Monika Holzer. Ihre Mutter verdiente den Lebensunterhalt bei Alcron in Wertingen, der Großvater half den Hirschbacher Bauern bei der Arbeit.

    Sein Lohn war aber keineswegs Geld, sondern, wie damals üblich, auch Dinge, die zum Leben gebraucht wurden. Als der Großvater bei einem Bauern im Dachboden eine Gitarre entdeckte, bat er um das Instrument als Lohn für seine Arbeit. „Das war für meinen Opa etwas besonderes, denn er hat gerne Gitarre gespielt und gesungen“, erinnert sich die Enkelin an die Zeit in Hirschbach zurück. So wurden am Abend gemeinsam die Lieder aus der alten Heimat gesungen - „Flüchtlingslieder“, sagt Monika Holzer. Zum Beispiel „Tief im Böhmerwald“, oder „Am Brunnen vor dem Tore“. Sie streicht mit der Hand über das Instrument ihres Großvaters, das sie nun dem Gitarrenverein überlassen will. Es ist ein relativ kleines Instrument, erinnert an eine Barockgitarre und lässt sich noch immer ganz ordentlich spielen, wie Gitarrenvereins-Vorsitzende Bärbel Schoen bei der Übergabe des Instrumentes feststellt. Die Übergabe findet in der Wertinger Zeitung statt, wohin sich das Ehepaar Holzer, das in Langweid lebt, aufgemacht hat. Die Holzers selbst spielen nicht Gitarre, wollen sich aber vielleicht beim Festival in Wertingen umsehen oder ein Konzert besuchen.

    Das Ehepaar Holzer aus Langweid sind nicht die einzigen Gitarrenbesitzer, die Instrumente für die Aktion zur Verfügung stellen. Neben Erna Karpa und Rudolf Mud-rich hat auch Luis Gonzalez aus Wertingen sein Instrument dem Verein überlassen. Es ist seine Jugendgitarre – eine „Wandergitarre“, wie er erzählt. Gelernt hat der Wertinger das Spiel bei den Panitz-Brüdern, es aber „leider“, wie er sagt, in der Pubertät aufgehört. So soll seine Jugendgitarre nun wenigstens anderen Jugendlichen beim Festival zugute kommen.

    Doch damit nicht genug: Seit dem ersten Aufruf in der WZ, Gitarren dem vom Bayerischen Kulturfonds geförderten Jugendprojekt zu spenden oder zu leihen, fliegen dem gemeinnützigen Verein Gitarren aus dem ganzen Landkreis Dillingen zu. Wie die von Erna Müller aus Lauterbach. Sie brachte kürzlich eine schwarze „Original Rod Hoyer“-Gitarre mit nach Wertingen. Hoyer Gitarren zählen zu den gesuchtesten Oldies made in Germany, gerade wegen ihres originellen Designs.

    „Die Gitarre wurde von meiner Schwester Margaretha in jungen Jahren gespielt und dürfte aus den 60er Jahren stammen,“ erzählt Erna Müller. Die Schwester ist heute 71 und lebt schon lange nicht mehr im Zusamtal. Das Instrument, eine Schlaggitarre mit der typischen Kopfplatte mit Perloidauflage, stand jahrzehntelang in einer Garage. „Es wäre doch schön, wenn sie wieder gespielt würde“, so der Wunsch von Erna Müller. (hek/ bäs)

    Das 8. Internationale Gitarrenfestival Wertingen findet vom 4. bis 6. Oktober statt. Die Stadt Wertingen ist Veranstalter, der Gitarrenverein unterstützt die Stadt. Infos über Konzerte und workshops unter

    www.gitarrenfestivalwertingen.de

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