Sie sind genügsam und stehen auf einer Naturwiese im Zusamaltheimer Ortsteil Sontheim, die für die intensive landwirtschaftliche Nutzung zu klein ist. Die Hochlandrinder vom Zusamtal fressen frische Kräuter, Gräser, Holunder, Weißdorn, Schlehen, Hundsrose und andere Pflanzen. Die Tiere bekommen kein Kraftfutter und benötigen nur etwa zehn Prozent der fossilen Energie, die zur Herstellung von herkömmlichem Rindfleisch erforderlich ist.
Die Wiesen von Claudia Treu, Biolandwirtin und Tierheilpraktikerin, werden nur zweimal pro Jahr gemäht. Blumen und Kräuter wachsen und gedeihen hier. Kuhfladen bleiben auf dem Boden liegen. Eine Eidechse liegt in der Sonne auf einem solchen Fladen, wärmt sich und wartet derweil auf umherfliegende Insekten. Der ökologische Fußabdruck bleibt bei dieser Tierhaltung klimaneutral. Highland-Cattle zeigen bei der Nahrungssuche einen ausgeprägten, natürlichen Instinkt dafür, welche Pflanze vor Parasitenbefall schützt. Hochlandrinder sind robust und haben einen isolierenden Naturpelz. Sie leben Sommer wie Winter auf der Weide und brauchen keinen Stall. Regen, Wind, Schnee und Eis können ihnen nichts anhaben. Die Rinder sind wetterfest und absolut winterhart. Schnee bleibt einfach auf ihrem Pelz liegen. Dichte, lange Stirnhaare schützen die Rinder am Kopf vor Wind und Wetter. Mit ihrem rotbraunen Fell und den großen geschwungenen Hörnern beeindrucken sie mit einer imposanten Erscheinung. „Die Hörner wachsen ein Leben lang“ berichtet die Sontheimerin Treu. „Am Schwung der Hörner lässt sich das Geschlecht erkennen,“ erklärt sie. Wie ihre Tiere, so lässt sich auch die Landwirtin nicht vom Wetter abhalten. Täglich folgt sie dem gleichen Ritual und steigt in ihr geländetaugliches und robustes Auto und fährt durch die malerische Landschaft des Zusamtals, über Hügel an Feldern vorbei in die Zusamaltheimer Flur zu ihren Hochlandrindern. Lutz, ein „Westerwälder Kuhhund“, ist dabei ihr ständiger Begleiter. Hunde dieser Rasse sind zuverlässig und intelligent und „eignen sich hervorragend zum Austreiben und Zusammenhalten von Rinderherden,“ sagt Treu. Traditionell seien diese Hunde seit jeher bei Kuhhirten im Einsatz gewesen.
Die Herde wartet schon auf die zertifizierte Biolandwirtin. Sie ruft jedes ihrer Rinder beim Namen. Es sind alte schwäbische Namen wie Adelheid, Anneliese, Hildegund, Hillaria, Amalia und Corbinian. „Sofort kommen die Rinder näher, wollen gestreichelt und gebürstet werden. Treu bringt Äpfel mit, ein Geschenk der Nachbarskinder Clara und Jakob. Im Spätsommer sammeln diese die örtlichen Streuobstwiesen ab. Die Kuh Anneliese nähert sich besonders schnell und kommt mit Tempo angerannt. Diese Kuh liebt Äpfel. „Nun ist Anneliese im Glück“ sagt Treu und lächelt.
Anneliese ist trächtig. Mit erfahrenen Händen tastet Treu den Bauch der Kuh ab. „Jetzt bewegt es sich“ freut sich die Züchterin und Tierheilpraktikerin. Aus eigener Kraft und ohne fremde Hilfe kalbt eine Highland-Kuh, in der Vorbereitung bleibt ihr ausreichend Bewegungsfreiheit. „Beim Kalben gibt es so gut wie keine Geburtskomplikationen,“ so Treu. Mit relativ geringem Geburtsgewicht könnten Kalbungen ohne Probleme bis in das hohe Kuhalter von 15 bis 20 Jahren und selbst bei extremer Kälte bis zu minus 20 Grad erfolgen. „Das geborene Kalb saugt solange am Euter, wie es in der Natur üblich ist. Bei der Mutterkuhhaltung wird nicht gemolken, die Milch bleibt dem Kalb“, sagt Treu.
Kühe haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten, berichtet Treu. „Sie leben nach festen Rangordnungen.“ Sie sind reinlich: Die ranghöheren Tiere putzen die rangniedrigeren. Treu strahlt eine tiefe Verbundenheit zu ihren Tieren aus. „ Die Arbeit mit meinen Tieren erfüllt mich“, sagt die Landwirtin „Es steckt viel Idealismus dahinter.“ Sie sei dankbar über die große Hilfe aus der Nachbarschaft, „Ohne diese Hilfe wäre es nicht zu schaffen“ sagt sie.
Das Fleisch dieser Rinderrasse aus extensiver landwirtschaftlicher Nutzung ist außergewöhnlich schmackhaft, reich an wertvollen Omega-3 Fettsäuren, ist cholesterinarm und proteinreich. Die Biolandwirtin sagt: „Diese ‘spätreife’ Rasse ist nichts für schnell und billig, sie liefert hochwertiges Fleisch mit besonderem Geschmack.“