Etwa 6000 Menschen, vorwiegend Jugendliche und junge Erwachsene, demonstrierten vor 40 Jahren im Donauried gegen ein Atomkraftwerk in Pfaffenhofen. Unten ist das Plakat zu sehen, mit dem für das „1. Umsonst-und-Draußen-Festival“ geworben wurde. Rechts die Festivalzeitung.
Es war ein Riesenauflauf, wie ihn das Donauried bei Pfaffenhofen vermutlich noch nie erlebt hat. Etwa 6000 Menschen protestierten beim „1. Umsonst-und-Draußen-Festival“ vom 7. bis zum 9. August 1981 auf den Wiesen im Ried gegen ein Atomkraftwerk in Pfaffenhofen. Einige Gruppen aus der Umgebung wie die Grünen, der Aktionskreis gegen Atomkraft Dillingen, D’s Ding Wertingen und die Aktion Jugendtreff Lauingen hatten das große, dreitägige Freiluftfest organisiert. In der „freien Zeltstadt Donauried“ gab es drei Tage lang Musik, Theater, Filme und Informationen. „Wir wollen damit gegen die Zerstörung der bisher unberührten Landschaft im Donauried ankämpfen und darauf aufmerksam machen, dass unser Raum mit bisher zwei AKW-Blöcken bei Gundremmingen schon weit überlastet ist“, hieß es auf der Einladung.
Etwa 6000 Menschen, vorwiegend Jugendliche und junge Erwachsene, demonstrierten vor 40 Jahren im Donauried gegen ein Atomkraftwerk in Pfaffenhofen. Unten ist das Plakat zu sehen, mit dem für das „1. Umsonst-und-Draußen-Festival“ geworben wurde. Rechts die Festivalzeitung.
Den überwiegend Jugendlichen und jungen Erwachsenen heizten damals Bands wie „Checkpoint Charly“ und „Cool Tour“ ein, die „Mehlprimeln“ und die „Biermösl Blosn“ traten ebenfalls mit kritischer Volksmusik auf. Am Sonntag, 9. August, dem Jahrestag des Atombombenabwurfs von Nagasaki, stand ein Friedenstag auf dem Programm. Für Nachwuchskünstler gab es eine Improvisationsbühne. Die Veranstalter selbst, so der Bericht damals in unserer Zeitung, waren etwas enttäuscht, weil sie mit 10.000 Besuchern und Besucherinnen gerechnet hatten, um die Unkosten zu decken. Außerdem sei der Protest gegen das geplante Atomkraftwerk in Pfaffenhofen „etwas in den musikalischen Aktivitäten untergegangen“.
Manche fürchteten ein Chaos, das dem Kampf gegen ein Atomkraftwerk eher schaden könnte
Den geplanten Gottesdienst unter dem Schutzkreuz für das Donauried hatte der Ortspfarrer im Übrigen abgesagt. Der Grund: Bürger und Bürgerinnen der Gemeinde hatten sich darüber beschwert, dass einige Festival-Gäste nackt in einer Kiesgrube gebadet hatten. Der Buttenwiesener Allgemeinarzt Dr. Kurt Michl, der mit Dr. Jochen Meyen, dem BBV-Kreisobmann Heinrich Gärtner und Kreisheimatpfleger Alois Sailer zu den führenden Köpfen der Pfaffenhofener „Schutzgemeinschaft Donauried“ zählte, erinnert sich noch an die Freiluftveranstaltung. Acht Landwirte hatten ihre Wiesen für das Festival zur Verfügung gestellt. „Aber ich habe die Veranstaltung nicht besucht“, sagt Michl. Er und seine Mitstreiter hätten ein Chaos befürchtet, das ihrem Einsatz im Kampf gegen das Atomkraftwerk eher schaden könne.
Nach der Debatte um eine Magnetschwebebahn im Donauried war im März 1978 erstmals Pfaffenhofen als Ersatzstandort für Rehling für ein Atomkraftwerk genannt worden. Naturschützer Gernot Hartwig aus Buttenwiesen hat in einer Chronologie die Ereignisse aufgelistet. Im Wertinger Stadtrat folgte sofort ein Nein zu dem Atomprojekt in der Nachbarschaft, der Widerstand in der Schutzgemeinschaft formierte sich. Viele Kulturschaffende wie die Mehlprimeln, die Kabarettisten Gerhard Polt und Dieter Hildebrandt sowie die Biermösl Blosn unterstützten den Protest. Kurt Michl sagt: „Der entscheidende Punkt für den Erfolg war, dass wir ausreichend Sperrgrundstücke kaufen konnten.“ Neben Polt, Hildebrandt und der Biermösl Blosn hätten etwa 2000 Bürger und Bürgerinnen den Kauf dieser Flächen unterstützt. In der Folgezeit drehte sich die Stimmung. Aber erst im Jahr 1998 teilte der damalige Bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber der Schutzgemeinschaft mit, dass Pfaffenhofen nicht mehr als Standort für ein Atomkraftwerk vorgehalten werde. 1999 wurde Pfaffenhofen schließlich aus dem Standortsicherungsplan gestrichen.