Die Rahmenbedingungen stehen, doch wie soll, kann, der CO2-Ausstoss pro Kopf tatsächlich reduziert werden? Jeder kann nur bei sich anfangen, schnell wird aber nach den Voraussetzungen gerufen, die die Politik dafür schaffen muss. Aus ihren Erfahrungen wissen Felix Schwahn und seine Kollegin Annette Gärtner von der GP Joule GmbH in Buttenwiesen, dass eine große Verunsicherung bei den Kommunen besteht, denen zwar klar sei, dass in puncto Klimaschutz gehandelt werden muss, die aber in der Umsetzung an ihre Grenzen stoßen. Die Initiative „Friday for future“ hat die Debatte in den letzten Monaten zudem stark emotionalisiert. „In der breiteren gesellschaftlichen Diskussion ist das sicher ein Faktor, der dazu beiträgt, das Thema nach vorne zu bringen... und die Hoffnung verstärkt, dass der ein oder andere Politiker dazu beiträgt, Maßnahmen anzuschieben, die sinnvollen Klimaschutz ermöglichen.“
Auf Einladung des SPD-Ortsvereins Wertingen gab Schwahn als Referent daher kürzlich einen Einblick in die Möglichkeiten. GP Joule selbst ist in Buttenwiesen mit dem Energieunternehmen „Renergiewerke GmbH“, an dem auch die Gemeinde beteiligt ist, als Nahwärme- und Stromversorger aktiv. Ein weiteres Beispiel gibt es in Mertingen mit ProTherm, mit der die Wärme der Bioabfallvergärungsanlage BENC und der Biogasanlage Waschulzik für derzeit 75 Anschlussnehmer genutzt wird, an denen man sich orientieren könnte.
Energie muss derzeit importiert werden
„Es gibt ja bereits umfangreiche Ziele zum Thema Klimaschutz, einzelne Kommunen können darüber also nachdenken, was getan werden kann, um diese zu erreichen.“ Dies erfordere jedoch Aktivitäten, Engagement und Maßnahmen, um effektiv Klimaschutz zu betreiben. Bayern sei ein Land, das weniger Energie erzeuge als es braucht, müsse also Energie importieren oder eben selbst erzeugen. Für Schwahn ist das der Ansatzpunkt, denn jeder Einzelne, jede Kommune habe eine Hebelposition für Veränderung. Es gehe letztendlich darum, künftig die Energie so zu erzeugen, dass sie dem Klimaschutz gemäß gewonnen wird.
Auch für Wertingen sei Potential vorhanden, erklärte Schwahn: Photovoltaik, Windkraft oder Wärmenutzung (Biogasanlagen seien zwar vorhanden, würden aber noch nicht ausgeschöpft, so Schwahn) könnten angepackt werden. Doch was kann konkret in Wertingen umgesetzt werden? „Es gibt eine Reihe von Unternehmen, wie wir auch, die Projekte anschieben können, die in Wertingen stattfinden könnten.“ Angefangen bei der Bauleitplanung, der Schaffung und Bereitstellung von Flächen (für Windkraft und Photovoltaik-Anlagen), aber auch über die Vorbildfunktion, indem die Stadt in ihrer ureigenen Funktion als Kommune tätig wird, und etwa in einem Neubaugebiet ein Wärmenetz integriert, bei dem alle mitmachen, wie es derzeit in Oberthürheim verwirklicht werde.
Wertingen könnte selbst ein Windrad bauen...
Zudem habe man in puncto Windkraft Gestaltungsmöglichkeiten in der Gemeindeentwicklung. Man könne auch selbst als Investor wie in den oben genannten Beispielen auftreten. „Wertingen könnte selbst ein Windrad oder eine Photovoltaik-Anlage bauen, oder kommunale Gebäude mit erneuerbaren Energien ausstatten“, sagte Schwahn. Die regionale Energiewende als ein Baustein im Mosaik des großen Feldes Klimaschutz, könne zwar nicht das Gesamtproblem lösen, aber eben ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz werden. Dafür müssen laut Reinhold Sing, einer der rund 20 Teilnehmer an diesem Abend, die Menschen allerdings mitmachen und man ihnen die Bedeutung und Wichtigkeit klar und deutlich vermitteln. Nur sei, wie es im Auditorium an diesem Abend auch anklang, der Leidensdruck leider noch nicht groß genug und Verantwortliche würden sich nicht an die Umsetzung trauen.
Lesen Sie dazu unseren Kommentar: Schnelles Handeln beim Klimaschutz ist angesagt