Wertingen Eine kontroverse Diskussion verursachte ein Antrag der Grünen: Sie wollten eine Untersuchung von alternativen Bestattungsformen im Wertinger Bereich anregen. Grünen-Stadtrat Ludwig Klingler konkretisierte: „Ich werde des öfteren darauf angesprochen, ob wir nicht einen Friedwald anlegen könnten. Ich spreche auch in eigenem Interesse.“
Der Begriff „Friedwald“ ist eigentlich gesetzlich geschützt und gehört einer Bestattungsfirma, der „FriedWald GmbH“, die diese neue Form der Beerdigung in der freien Natur anbietet. Klingler nannte keine Details und ließ seinen Antrag und die damit verbundenen Möglichkeiten bewusst möglichst weit offen: „Man könnte sich Beerdigungen in Wald oder Wiese vorstellen. Es gibt die Möglichkeit, an den Verstorbenen mit einer kleinen Namenstafel an einem Baum zu erinnern oder auch anonyme Bestattungsfelder.“
Bürgermeister Willy Lehmeier teilte mit, der geografisch nächste Friedhofswald liege in Pappenheim in Mittelfranken. Die Verwaltung werde Erkundigungen über diese Art der letzten Ruhe einholen.
Zweiter Bürgermeister Johann Bröll warnte: „Dem Bürger wird da vorgegaukelt, dass er sich in einem Friedwald günstiger als in einem kommunalen Friedhof beerdigen lassen kann. Aber das ist sicher so teuer wie eine Urnenbestattung. Wir müssen uns da gut vorbereiten, bevor wir mit so einem Thema an unsere Bürger herangehen!“ Dr. Johann Popp fügte hinzu: „Die Anbieter solcher Bestattungsformen sind oft gewerbliche Unternehmen.“ In Franken sei der Friedwald kommunal organisiert, aber da könne ein Grabplatz auch auf 850 Euro kommen.
Helmut Sporer erteilte dem Gedanken an einen gewerblichen Anbieter eine Absage: „Wir haben in Wertingen einen Friedhof. Da sind viele Plätze frei. Die sollten wir nutzen!“ Wolfgang Stuhler kritisierte schließlich: „Wenn ein Friedhofsunternehmer in unserem Raum so etwas anbietet, denn entsteht eine ungute Konkurrenzsituation mit unseren kommunalen Friedhöfen!“
Dr. Popp argumentierte schließlich: „Wir könnten im Wertinger Friedhof unterschiedliche Zonen ausweisen – vielleicht auch einen Friedwald-Bereich. Aber wir sollten nicht den Ort verlassen.“
Ist ein Friedwald überhaupt denkbar für eine gewachsene schwäbische Volkskultur? Anton Stegmair schlug vor, den Kreisheimatpfleger Alois Sailer in den Stadtrat einzuladen, wo er die Friedhofskultur und ihren Wandel vorstellen könnte. Johann Bröll empfahl schließlich dem Ratskollegium ein seiner Meinung nach dringlicheres Thema: „Wir sollten uns mal mit Sterbebegleitung und Hospiz befassen!“
Ludwig Klingler war sichtlich überrascht, welche Resonanz sein Antrag bei den anderen Stadträten auslöste. „Eigentlich wollte ich nur, dass wir herumhören, wie die Bürger über das Thema denken. Wir sollten wissen, ob da eine größere Gruppe von Mitbürgern vorhanden ist, die sich mit einer Beerdigung in einem Friedwald anfreunden könnte.“ Er selbst habe keine Erfahrungen, ob so ein Friedwald am besten durch eine Firma betreut werde oder ob die Stadt in den Wertinger Stadtforsten ein Areal anlegen dürfe oder ob man nicht eine Erweiterung des bestehenden Friedhofs dafür reservieren solle.
Umfrage Bürger, die sich für das Thema Friedwald interessieren, können auf Ludwig Klingler ( Telefon 2617) oder die Stadtverwaltung (84-196) zukommen.