Startseite
Icon Pfeil nach unten
Wertingen
Icon Pfeil nach unten
Wertingen
Icon Pfeil nach unten

Wertingen: „Ich nehme es, wie es kommt“

Wertingen

„Ich nehme es, wie es kommt“

  • |
  • |
  • |
    Erna Meißner wird heute 100 Jahre alt. Die rüstige Seniorin sagt: „Altwerden ist nicht beschwerlich.“
    Erna Meißner wird heute 100 Jahre alt. Die rüstige Seniorin sagt: „Altwerden ist nicht beschwerlich.“ Foto: Elli Höchstätter

    Es ist eine tiefe Zufriedenheit, die Erna Meißner ausstrahlt. Mit einem wachen, aufmerksamen Blick sitzt sie am Tisch und sagt: „Altwerden ist nicht beschwerlich.“

    Sie muss es wissen. Immerhin feiert die rüstige Seniorin am heutigen Mittwoch ihren 100. Geburtstag. Erna Meißner lebt im Seniorenzentrum St. Klara in Wertingen. Dort fühlt sie sich wohl und ist auf den Gängen oft mir ihrem Rollator unterwegs. Sie ist geistig noch recht fit. Die ehemalige Lehrerin sagt: „Ich lasse mir von niemanden ein X für ein U vormachen.“

    Einen besonderen Tipp, um zufrieden und rüstig alt zu werden, hat sie nicht. „Ich habe normal gelebt und habe gute Gene. Auch meine Eltern sind sehr alt geworden“, sagt die Jubilarin. Doch sie fügt an, dass sie niemals eine Zigarette geraucht hat. Außerdem sei sie früher sehr sportlich gewesen. Mit sechs Jahren sei sie in den Turnverein gegangen und habe über viele Jahre hinweg regelmäßig zweimal in der Woche trainiert. Egal ob Barren, Ringe oder Reck – all diese Turngeräte machten ihr Spaß und natürlich konnte sie auch einen Handstand machen. Bis vor Jahren noch machte sie täglich zur Anleitung im Fernsehen Gymnastik. „Ich habe außerdem normal gegessen, so wie ich es gewohnt war“, sagt die 100-Jährige, die heute am liebsten ein Schnitzel mit Kartoffelpüree auf dem Teller hat.

    Eine große Freude in ihrem Leben ist ihr Sohn German Meißner. Der 77-Jährige besucht sie täglich. „Wir besprechen alles miteinander. Ich bin glücklich, einen guten Sohn zu haben“, sagt sie. Zum Familienkreis gehört mittlerweile sogar eine fünfjährige Ur-Urenkelin. Wichtig war und ist für Erna Meißner auch ihr Freundeskreis. Mehrere ehemalige Schüler bezeichnen Erna Meißner als Freundin.

    Rückblick: 1946 kam sie im Alter von 26 Jahren mit Mann und Sohn zunächst nach Pfaffenhofen und zog ein Jahr später nach Unterthürheim. In ihrer Heimat im nordböhmischen Aussig hatte die damals 26-Jährige bereits fünf Jahre unterrichtet. In Unterthürheim war die junge Lehrerin vom ersten Tag an gefordert. 56 Kinder - die Erst- und Zweitklässler vormittags, die Dritt- und Viertklässler am Nachmittag. Erna Meißner wollte die ihr anvertrauten Kinder ganzheitlich aufs Leben vorbereiten. Und so forderte sie vom Bürgermeister Turngeräte und eine Schulküche. Und die bekam sie, die erste Schulküche im Landkreis überhaupt. Noch heute denken viele ihrer ehemaligen Schüler mit Dankbarkeit an den Unterricht zurück und haben ihr deshalb im November ein Buch mit Erinnerungen und Widmungen geschenkt.

    Erna Meißner kümmerte sich aber nicht nur um ihre Schüler, sondern auch um einige Häftlinge im Gefängnis in Kaisheim. Dort leistete sie 22 Jahre lang jeden Mittwoch „Lebenshilfe“ und unterhielt sich mit den Häftlingen. „Ich habe versucht, sie auf den rechten Weg zu bringen“, berichtet sie. Ein Lächeln gleitet über ihr Gesicht, wenn sie an die verschiedenen Stationen ihres Lebens zurückdenkt. Sie selbst findet es gar nicht aufregend, dass sie nun den 100. Geburtstag feiert. „Ich nehme es, wie es kommt“, sagt sie und strahlt wieder diese tiefe Zufriedenheit aus. (mit dem)

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden