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Wertingen/Villenbach: Der Biber ärgert so manchen Villenbacher

Wertingen/Villenbach

Der Biber ärgert so manchen Villenbacher

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    Bei zahlreichen Villenbacher Bürgern macht sich immer mehr Unmut über die Aktivitäten des Bibers im und am Mollenbach breit
    Bei zahlreichen Villenbacher Bürgern macht sich immer mehr Unmut über die Aktivitäten des Bibers im und am Mollenbach breit Foto: Patrick Pleul (dpa)

    Wertingen/Villenbach Bei zahlreichen Villenbacher Bürgern macht sich immer mehr Unmut über die Aktivitäten des Bibers im und am Mollenbach breit, wie Kaspar Rupprecht bei einer Uferbegehung feststellte. Inzwischen hätten nicht nur viele Landwirte das Nagetier als Schädling ausgemacht, sondern auch besorgte Eltern, wie das Beispiel in Villenbach zeigt. Am Ortsrand hat er den Uferbereich des Gewässers größtenteils zerstört und verursacht mit dem Dammbau eine gefährliche Wassertiefe. Rund um das gesamte Ufergebiet hat er dazu tiefe Löcher gegraben.

    Aktionsradius des Bibers in unmittelbarer Nähe zu Villenbach

    Da sich der immer größer werdende Aktionsradius des Bibers in unmittelbarer Ortsnähe befindet, sind die Sorgen der Eltern verständlich, denn gerade im Winter herrscht auf dem nahe gelegenen Schlittenberg reger Betrieb. Bedauerlicherweise hat der Nager auch ein kleines Wäldchen nördlich des Baches fast völlig abgeholzt. So macht sich der Biber nicht nur bei den Landwirten unbeliebt, wie Konrad Mayerföls klagt: „Schon seit Jahren verursacht dessen ungezügelte Ausbreitung große Schäden durch die Vernässung der Anbauflächen, die dadurch zusätzlich an Wert verlieren. Auch die Unterhöhlung der Ackerflächen und Drainagen stellen für Mensch und Maschine eine Gefahr dar“. So sei in Villenbach der Feldweg entlang des Mollenbaches seit Jahren durch die Biberbauten nicht mehr befahrbar.

    Das aktuelle Bauwerk des Bibers am Villenbacher Mollenbach, wo er über die Felder eine zusätzliche Umleitung des Wasserlaufs baute.
    Das aktuelle Bauwerk des Bibers am Villenbacher Mollenbach, wo er über die Felder eine zusätzliche Umleitung des Wasserlaufs baute. Foto: Otmar Ohnheiser

    Deshalb erhielt die Gemeinde bereits vor etwa zehn Jahren die amtliche Genehmigung zur „Entnahme“ des Bibers durch den örtlichen Jagdpächter. Die Erfolge sehen allerdings eher mäßig aus. Laut Information von Bürgermeister Werner Filbrich ist das Thema auch der zuständigen Behörde im Landratsamt bekannt und hat deshalb die Abfanggenehmigung sowie die Erlaubnis zur Entfernung der Dämme erteilt.

    Abfangen des Villenbacher Bibers erweist sich als schwierig

    Sind die Tage der verbliebenen Bäume des kleinen Wäldchens gezählt? In Villenbach ist der Biber aktiv – und das passt nicht allen Bewohnern der Gemeinde. Vom Landratsamt hat die Gemeinde die Erlaubnis bekommen, den Biber vom 1. September bis zum 15. März zu jagen.
    Sind die Tage der verbliebenen Bäume des kleinen Wäldchens gezählt? In Villenbach ist der Biber aktiv – und das passt nicht allen Bewohnern der Gemeinde. Vom Landratsamt hat die Gemeinde die Erlaubnis bekommen, den Biber vom 1. September bis zum 15. März zu jagen. Foto: Otmar Ohnheiser

    Die Umsetzung des Abfangens erweise sich allerdings als schwierig, da der Nager die aufgestellte Falle anscheinend intelligent umgeht. So bleibe für die Gemeinde nur die regelmäßige Entfernung der Dammbauten, um die Gefahr zu minimieren. „Aber“, so Filbrich abschließend, „kaum haben wir einen Damm entfernt, ist schon der nächste gebaut“.

    Auch in vielen anderen Gemeinden in der Region arbeitet der Biber. In Wertingen etwa ist der größte deutsche Nager vermehrt an den alten Wasserläufen der Zusam aktiv. Wer dort spazieren geht, entdeckt so manchen an- oder abgenagten Stamm.

    Sobald die Bevölkerung vom Tagwerk der bis zu 30 Kilogramm schweren Tiere in Mitleidenschaft gezogen wird, muss gegengesteuert werden. „Die Biberschäden werden vom zuständigen Ökonomischen Ausschuss sowie teilweise auch vom Betriebshof Wertingen wieder instandgesetzt. Vom Biber gebaute Dämme werden dann abgetragen, wenn der Rückstau des Gewässers zu stark wird“, gibt Dieter Nägele, Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Wertingen, Auskunft. Er fügt aber hinzu: „Selbstverständlich wird der Biberbau selbst hierbei nicht angetastet.“

    Der europäische Biber ist nämlich eine bedrohte Tierart, die in weiten Teilen Europas ausgerottet und erst durch gezielte Auswilderungen wieder heimisch wurde. Biber dürfen nicht einfach gejagt werden, und ihre Bauten sind streng von der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) der europäischen Union geschützt.

    Villenbacher Biber darf bis Mitte März "entnommen" werden

    Allerdings kann das Landratsamt den besonders betroffenen Gemeinden die Möglichkeit der „Entnahme“ des Bibers zugestehen. Das heißt, dass der Biber gefangen oder abgeschossen werden darf – am Villenbacher Mollenbach beispielsweise vom 1. September bis zum 15. März. Für lebend gefangene Biber wird dann laut Auskunft des Landratsamtes geprüft, ob das Tier abgegeben werden kann, etwa für ein Ansiedlungsprojekt anderswo. Im vergangenen Jahr war das allerdings bei keinem einzigen Biber der Fall. 13 Biber im Landkreis wurden in Fallen gefangen und anschließend getötet, drei Tiere wurden geschossen. Noch mehr Biber kamen allerdings im Straßenverkehr ums Leben – 2020 waren es 29.

    Insgesamt gesehen ist der Biber im Kreis allerdings nicht bedroht: Laut Landratsamt hat die Population den „höchstmöglichen Stand“ erreicht. Es gibt in unserer Region rund 120 Reviere, mit je drei bis fünf der Nagetiere – also wohnen und nagen bei uns zwischen 400 und 600 Biber, die weiterhin Bäume und Meinungen spalten.

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