Startseite
Icon Pfeil nach unten
Wertingen
Icon Pfeil nach unten
Dillingen
Icon Pfeil nach unten

Borkenkäfer bedrohen Wälder im Landkreis Dillingen und breiten sich aus

Landkreis Dillingen

Kleiner Käfer, große Gefahr: Wie Borkenkäfer Wälder im Kreis Dillingen bedrohen

  • |
  • |
  • |
  • |
    Bevor der Wald stirbt: Forstfachfrau Eva-Maria Birkholz und Förster Maximilian Buczinski informieren sich an einer bei Wertingen aufgestellten Lockstoff-Falle im Rahmen des bayernweiten Monitorings über die Schädlings-Situation
    Bevor der Wald stirbt: Forstfachfrau Eva-Maria Birkholz und Förster Maximilian Buczinski informieren sich an einer bei Wertingen aufgestellten Lockstoff-Falle im Rahmen des bayernweiten Monitorings über die Schädlings-Situation Foto: Günter Stauch

    Die herrlichen Wälder im Dienstgebiet beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Nördlingen-Wertingen bieten ein abwechslungsreiches Bild: Nördlich der Donau finden sich Jurawälder mit ausgedehnten Eichen-Buchen-Beständen, die Auwälder entlang der Donau sind von Buchen, Ahorn und anderen Laubbäumen geprägt. Südlich der Donau dominiert vielerorts die Fichte. Gerade Letztere bereitet den Verantwortlichen für die insgesamt 55.000-Hektar-Fläche neben Stolz auch sehr viel Verdruss. Ausgelöst ausgerechnet von einem tierischen Winzling mit großem Schadpotenzial.

    Seit wenigen Wochen geht der reiskorngroße Borkenkäfer wieder auf die in der Gegend vorherrschende Baumart los. Und der junge Förster Maximilian Buczinski demonstriert bei einem kurzen Waldspaziergang durchs Holz nahe dem Reutenhof nordwestlich von Wertingen drastisch, was in den Bäumen zwischen Ries und Donau gerade los ist: Mit ernstem, aber bestimmtem Blick öffnet der Revierleiter vom AELF einen dunklen Kasten in einem eingezäunten Areal mit jungen Bäumen, der aussieht wie ein Briefkasten. Statt Post landet in dem an dieser offenen Stelle beinahe mystisch wirkenden Behälter manch einer dieser kleinen Bösewichte, die sich jedes Jahr an Fichtenholz satt fressen möchten und mit diesem Verhalten ganze Waldgruppen vernichten können. Ihr Name: Buchdrucker und Kupferstecher, benannt nach ihrem folgenreichen Fraßbild in den Rinden heimischer Bäume.

    Der Borkenkäfer verbreitet sich rasant

    Reingefallen: Der Schädling Buchdrucker, mehr als doppelt so groß wie der Kupferstecher, wurde mit Duftstoffen angelockt. Ein spezieller Messbecher gibt Aufschluss über die Menge.
    Reingefallen: Der Schädling Buchdrucker, mehr als doppelt so groß wie der Kupferstecher, wurde mit Duftstoffen angelockt. Ein spezieller Messbecher gibt Aufschluss über die Menge. Foto: Günter Stauch

    Nur natürliche Fressfeinde wie Schlupfwespen, Ameisenbuntkäfer oder Spechte könnten sie dabei aufhalten. Oder der Mensch. Und dieser reagiert - wie jetzt Förster Buczinski – unter anderem mit den sogenannten Pheromonfallen, die es in Bayern an rund 140 Standorten. Sie heißen so, weil sie mit einem chemischen Botenstoff ausgestattet sind, der den Borkenkäfer anlocken und in einem schubladenartigen Kasten quasi einsperren soll. Mit diesem 2004 eingeführten, landesweiten Monitoring, bei dem einmal die Woche geleert und erfasst wird, will sich die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) einen flächendeckenden Überblick über die Borkenkäfer-Situation im Freistaat verschaffen. „Wir zählen nun aber nicht jeden einzelnen Käfer aus, sondern verwenden einen speziellen Messbecher, um das Volumen später in Stückzahlen umzurechnen“, erklärt der Fachmann geduldig, während die umstehenden Wipfel im Westwind schwanken. Ein Milliliter des Gefäßes würde zum Beispiel beim Buchdrucker rund 40 Exemplaren entsprechen, beim viel kleineren Kupferstecher dagegen 550.

    Beim LWF weist man darauf hin, dass die Fallen nicht zur Bekämpfung, sondern nur zur Überwachung der Schädlingspopulation dienen. Zumal dabei lediglich fünf bis zehn Prozent der umherfliegenden Käfer gehalten würden. Laut den Statistiken der Landesanstalt fallen die Zahlen beim Vermehrungs- und Schadenspotenzial jedoch schwerwiegend aus: Ausgehend von etwa 60 Nachkommen pro Käferweibchen kann es bei drei Generationen und mehreren Geschwisterbruten zu mehr als 100.000 pro Jahr kommen. Dabei reiche der gleichzeitige Angriff von einigen hundert Tieren aus, um bei vitalen Fichten die Abwehrkräfte etwa durch Harzfluss zu überwinden. Dabei quillt das zähflüssige Produkt aus den Einbohrlöchern heraus, die von den Käfern mittels ihrer unheimlichen Beißkraft angelegt werden. Viele Harztröpfchen an einem Fichtenstamm seien ein typisches Zeichen für Borkenkäferbefall, heißt es.

    Für die Region Dillingen wird eine Ausbreitung erwartet

    Eine so beeinträchtigte Altfichte könne über 20.000 Käfer enthalten, die in der Lage seien, mindestens 20 weitere benachbarte Bäume absterben zu lassen. Was das Ausmaß bei den Borkenkäferschäden angeht, hat es laut Bayerischer Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft bayernweit zuletzt einen Rückgang gegeben, verglichen mit dem „Katastrophenjahr“ 2025. Allerdings seien auch immer wieder negative Entwicklungen festgestellt worden. So sei eine Verlagerung des Käfers aus dem Norden und Osten in den Süden erkennbar. In der Region Dillingen herrscht Warnstufe Gelb - was bedeutet, dass eine Ausbreitung zu erwarten sei.

    Das bestätigt mit Eva-Maria Birkholz die stellvertretende Leiterin beim AELF Nördlingen-Wertingen. Die Fachfrau für den Bereich Forsten rät dringend zu einer „sauberen Waldwirtschaft“. Man verstehe darunter, dass möglichst wenig Brutmaterial im Wald vorhanden sei. Dies stellten etwa geschwächte oder beschädigte Fichten dar, frische Resthölzer sowie Gipfelstücke und starke Äste, die nach der Holzernte dort liegen geblieben sind. Und: „Waldbesitzer müssen sich dem Bayerischen Waldgesetz zufolge um ihren Besitz kümmern – auch in Sachen Schädlinge“. Dabei helfen die AELF-Leute gerne.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren