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Buttenwiesen: Frust und Hoffnung bei den Musikvereinen - auch im Zusamtal

Buttenwiesen

Frust und Hoffnung bei den Musikvereinen - auch im Zusamtal

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    Das Coronavirus hat Bayerns Blasmusikkultur in eine tiefe Krise gestoßen.
    Das Coronavirus hat Bayerns Blasmusikkultur in eine tiefe Krise gestoßen.

    Fast kein einziger Musikverein, keine Stadtkapelle oder Spielmannszug konnte in diesem Jahr bislang in den eigenen Räumlichkeiten proben, denn die Musiker mussten zwei Meter Abstand voneinander halten. Dies wurde auf der diesjährigen Vorsitzenden- und Dirigentenversammlung des ASM-Bezirk 17 Dillingen/Donau, die im Rahmen einer Onlinekonferenz stattfand und zu der Bezirksvorsitzender Josef Werner Schneider begrüßen konnte, deutlich. Die Blasorchester mussten daher auf Turnhallen, Gemeinde- und Stadthallen ausweichen, oder im Freien proben. Dabei war es oft nötig, sich mit der Gemeinde oder anderen Vereinen zu arrangieren.

    Franz Josef Pschierer (MdL), Präsident des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes war laut Pressemitteilung zusammen mit dessen Geschäftsführer Joachim Graf zugeschaltet. Pschierer betonte, dass ihm eine Expertise des bayerischen Musikrates vorliege, welche Aerosolgefahr von welchem Musikinstrument ausgehe, und dass der ASM zusammen mit anderen Verbänden um die Reduzierung des Abstands kämpfen werde, sobald eine Probenarbeit möglich sei.

    Jedes Event brauche individuelle Lösungen

    Ihm sei außerdem die maximale Teilnehmerzahl von 200 Personen, die im Sommer gegolten habe, zu pauschal. Hier müsste für jedes Event individuell eine Lösung her. Von den Vereinsverantwortlichen konnte man erfahren, dass die meisten wenigstens einen Auftritt im Sommer absolvieren konnten. Auf ein Ziel hinzuproben war enorm wichtig für die Gemeinschaft im Verein. Auftrittstermine werden für dieses Jahr aber noch nicht groß geplant. Dafür wäre es erst einmal wichtig, wieder proben zu können.

    Zurzeit ist dies nicht möglich. Zum November gab es wieder eine Vollbremsung für alle Vereinsaktivitäten. Viele Dirigenten behelfen sich mit Onlineproben. Dabei kann aber immer nur ein Musiker individuell etwas vortragen oder man spielt zu einer Aufnahme mit. Ein Zusammenspiel ist technisch nicht möglich, da die Laufzeit der Internetübertragung zu lange ist.

    Bis zur Schließung der Schulen war der Instrumentalunterricht noch vor Ort möglich, nun läuft auch dieser online. Teilweise werden die Schüler mit kleinen Spielen bei Laune gehalten, da sich langsam eine Art „Online-Müdigkeit“ einstellt. Es wurde aber auch bereits über Abmeldungen berichtet, weil Eltern in dieser Form des Musikunterrichts keinen Wert mehr sahen. Pschierer und Graf machten deutlich, dass der Präsenzunterricht wohl wieder möglich sein werde, sobald die Schulen öffnen, aber vermutlich mit anderem Hygienekonzept als im Herbst.

    Viele in den Musikvereinen sind in Sorge

    Viele äußern Sorgen, ob die Vereine und Blasorchester nach der Pandemie noch dieselben sein werden, ob die Musiker und Musikschüler bei der Stange bleiben oder ob es einen Mitgliederschwund geben wird. Online-Stammtische und Online-Weihnachtsfeiern können den Verlust an Geselligkeit nicht ersetzen. Länger als dieses Jahr dürften die Einschränkungen nicht dauern. ASM-Präsident Pschierer bedankte sich diesbezüglich bei den Verantwortlichen für ihren Einsatz, den Zusammenhalt zu stärken, und nahm zusammen mit Graf einen Vorschlag aus der Runde auf, eine bayernweite Medienaktion zu starten, die die Blasmusik in den Fokus der Öffentlichkeit rücken und Jugendliche für das Thema begeistern soll.

    Ein Beispiel aus Buttenwiesen veranschaulicht die Situation der Vereine. Sebastian Huber ist Vorsitzender der Zusamtaler Musikanten. Mit seinen Mitgliedern hat er derzeit nur sehr wenig Kontakt, wie er sagt. Außer der ein oder anderen Gruppennachricht auf Whatsapp passiert derzeit nicht viel. Und das schlage sich auch auf die Motivation nieder, sein Instrument zu üben. „Wenn man auf keinen Auftritt hinarbeitet, ist es schwer, sich zu motivieren“, sagt Huber.

    Der Austausch und das gemeinsame Spiel mit den Vereinsmitgliedern fehle ihm sehr. Und die jüngeren Mitgliedern des Buttenwiesener Musikvereins vermissten das Spiel in der Gemeinschaft seiner Einschätzung nach sogar noch mehr als die älteren. Die Zusamtaler Musikanten haben rund 70 aktive Mitglieder. Da manche Vereinsmitglieder keine Möglichkeit hätten, an Online-Proben teilzunehmen, fänden solche nicht statt. Und wo nichts eingeprobt werden könne, geht laut Huber oft die Motivation flöten. Mancher im Verein habe sein Instrument seit Monaten nicht in der Hand gehabt.

    Wie die Musikvereine aus der Coronakrise gehen, ist unklar

    Trübsal blasen will der Posaunist nicht. Huber glaubt nicht, dass die Corona-Pandemie seinen Verein kaputtmachen wird. Diese Sicherheit gebe ihm die Erfahrung nach dem ersten Lockdown. „Als es da wieder möglich war, haben alle wieder begeistert zusammen gespielt“, sagt er.

    Doch es gibt noch andere Sorgen: Bezüglich der finanziellen Situation wies ASM-Geschäftsführer Graf darauf hin, dass in diesem Halbjahr das Corona-Hilfsprogramm für Vereine neu aufgelegt werden wird. Anträge könnten noch nicht gestellt werden. Schneider erwähnte, dass wahrscheinlich auch der Bezirk 17 wieder Zuschüsse zur Jugendarbeit in Aussicht stellen könne.

    Bezirksjugendleiterin Daniela Arnold gab bekannt, dass am 10. April anstatt der Jungmusikerlehrgangswoche ein Prüfungstermin für die Bläserprüfungen D1/D2 geplant sei. Wenn dieser nicht stattfinden könne, gäbe es im Juli die nächste Möglichkeit. Alternativ könne man an einer Online-Prüfung teilnehmen, wenn ein anderer Bezirk dies anbiete. Zum Schluss war die Hoffnung groß, dass im Sommer und mit den kommenden Impfungen sich die Lage für die Musikvereine wieder verbessern werde. (br, pm)

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