Ein großer, heller Raum. Licht fällt durch die Scheiben mit den pastellfarbenen Gläsern. Filigraner Stuck mit goldenen Elementen ziert Decke und Wände. Man kann es sich gut vorstellen: wie sich hier, vor dem Altar in der frisch sanierten Seelenkapelle in Wertingen, ein Paar vermählt. Standesamtlich. Genau das soll schon bald möglich sein.
Zwei Jahre lang ist die Wertinger Seelenkapelle für 350.000 Euro saniert worden
Nachdem das Kirchlein direkt neben der St.-Martin-Kirche jahrelang nicht zugänglich war, wurde es umfänglich saniert. Stadtratsmitglied und Kulturreferent Friedrich Brändle (Freie Wähler) berichtet vom einsturzgefährdeten Dach und morschen Balken. Bereits seit der Säkularisation gehörte die Kapelle, an deren Innenwänden die Tafeln des Kriegerdenkmals eingefasst sind, nicht mehr der Kirche – sondern der Stadt. Brändle erinnert sich daran, wie vor etwa zehn Jahren an Ostern darin das Heilige Grab zu sehen war. Danach: nichts mehr.
Es stellte sich die Frage: Was wird aus dem Kirchlein, das einst als Friedhofskapelle diente? Ein Nutzungskonzept kam auf den Tisch. Kulturreferent Brändle tauschte sich unter anderem mit Pfarrer Rupert Ostermayer, mit Museumsreferent Cornelius Brandelik und dem Wertinger Ehrenbürger und Urgestein Alfred Sigg aus. Schließlich wurde rund zwei Jahre lang saniert. Die Kosten Bürgermeister Willy Lehmeier zufolge: 350.000 Euro, Fördermittel inklusive.
Voraussichtlich ab Mai werden Eheschließungen in der Seelenkapelle möglich sein
Ein Besuch vor Ort zeigt: Die Kapelle ist so gut wie fertig. Lediglich am Altar erledigt ein Bauhof-Mitarbeiter noch ein paar Arbeiten. „Der Putz ist weggefallen“, sagt er. Und die Tür muss noch restauriert werden. Brändle zeigt auf eine Stelle, an der etwa ein Teil der Holzverzierung fehlt. Einige der alten Sitzbänke wurden erhalten.
Vor allem ist Brändle begeistert von der Raumakustik. Er holt seine Querflöte heraus und gibt eine Klangprobe. Die Melodie fließt durch den Raum, schafft Atmosphäre. Das ist der Grund, weshalb der Kulturreferent die Kapelle nun jeden Samstag zwischen 16 und 18 Uhr öffnet und ein kleines Programm anbieten möchte. Mit Musik und Kultur, Gesang und Instrumenten, vielleicht auch einmal eine Dichterlesung. An der Infotafel neben dem Eingang möchte Brändle kurzfristig anschlagen, was zu hören sein wird. Diesen Samstag etwa wird es Gitarrenmusik geben.
Musik macht sich auch gut bei einer Trauung. Um die Widmung der Seelenkapelle zum Trauort ging es bei der Stadtratssitzung am Mittwoch. Bürgermeister Lehmeier erklärte, dass eine standesamtliche Heirat in dem Kirchlein möglich ist, nachdem dieses kürzlich profaniert, also kirchenrechtlich entwidmet wurde.
Das Gremium nahm die Anregung positiv auf. Johann Bröll (CSW) empfand als positiv, dass die Kapelle – anders als das ehemalige Amtsgericht, in dem bereits Eheschließungen stattfinden – barrierefrei ist. Er sprach jedoch an, dass es im Winter sehr kalt sein könnte. Lehmeier sagte dazu, dass die Trauungen wohl lediglich von Mai bis September in der Kapelle stattfinden werden. Neben dem „roten Salon“, dem Schlosskeller, dem Fest- und dem Sitzungssaal könne man mit dem Kirchlein nun einen weiteren Ort mit jeweils unterschiedlich viel Platz anbieten.
Auch die Toilettensituation ist geklärt
Auch die Toilettensituation ist geklärt: In der Kreisbücherei gleich in der Nähe gibt es ein öffentliches WC, das bei Trauungen zur Verfügung gestellt werden kann. Mit der Kirche sei man in enger Absprache. So sollte nach den Vermählungen auf dem Vorplatz auch ein Sektempfang möglich sein. Stets wolle man Rücksicht darauf nehmen, was von kirchlicher Seite am jeweiligen Tag ansteht.
Laut Bürgermeister fehle jetzt nur noch die formale Zustimmung vonseiten der Verwaltungsgemeinschaft Wertingen. Diese dürfte im Mai fallen. Danach dürfen Paare standesamtlich in der Seelenkapelle heiraten.
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