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Knochenfund im Garten wirft Fragen zu Schlachtabfällen und Nachbarschaftsstreit auf

Unterthürheim/Dillingen

Streit um Schlachtabfälle: Mann serviert dem Landratsamt Knochen und Knorpel im Beutel

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    Diese vertrocknete Schwarte fand Jürgen Mayershofer aus Unterthürheim in seinem Garten. Stammt sie von der benachbarten Firma, die mit Schlachtabfällen arbeitet?
    Diese vertrocknete Schwarte fand Jürgen Mayershofer aus Unterthürheim in seinem Garten. Stammt sie von der benachbarten Firma, die mit Schlachtabfällen arbeitet? Foto: Jürgen Mayershofer

    Es ist ein schönes Sommerwochenende. Was Jürgen Mayershofer aus Unterthürheim auf seinem Rasen findet, verdirbt ihm jedoch die Lust auf das Sitzen im Garten: erst ein kleiner, ausgelöster Knochen; zwei Tage später dann eine ausgetrocknete Schwarte. Weil es zeitgleich wieder gestunken habe, ist aus Mayershofers Sicht die Sache klar: Die tierischen Reste müssen vom benachbarten Rohstoffhandel stammen, der mit Schlachtabfällen arbeitet. Dabei dürfte das Material gar nicht offen gelagert werden und damit nicht in Nachbars Garten gelangen können. Seit über zehn Jahren befinden sich beide Parteien im Streit. Mayershofer reicht es – so trägt er Knochen und Schwarte zum Landratsamt nach Dillingen.

    Unterthürheimer serviert dem Landratsamt Knochen und Knorpel im Beutel

    Dort legt der Unterthürheimer die Reste in einem Gefrierbeutel auf den Schreibtisch im Vorzimmer von Landrat Markus Müller, wie er berichtet. Nur kurz sei er in dem Büro gewesen; die Mitarbeiterinnen hätten „entrüstet“ reagiert. So schildert er es in einem Video auf Facebook, das bereits über 45.000 Aufrufe hat. Der Landrat selbst sei nicht vor Ort gewesen, wie es vonseiten der Behörde heißt.

    Mayershofer sieht in seiner Aktion eine „Schocktherapie“. Aus seiner Perspektive müsse das Landratsamt als Genehmigungsbehörde endlich handeln. Für den Betrieb in seiner Nachbarschaft sieht der Unterthürheimer nur zwei Optionen: schließen oder umziehen. Denn immer wieder stinke es im Ort nach Verwesung. Und dann sind da eben die Knochenreste, die Mayershofer schon mehrfach in seinem Garten gefunden habe. Mit unzähligen E-Mails und Briefen, Anrufen, Anzeigen und Beschwerden etwa über die Geruchsbelästigung versuchte der Nachbar des Rohstoffhandels bereits gegen diesen vorzugehen. Aus Mayershofers Sicht müsste das Landratsamt handeln – und tue das nicht.

    Stammen die tierischen Überreste tatsächlich vom Rohstoffhandel nebenan?

    Die Dillinger Behörde wiederum sieht die Lage anders. „Aufgrund mehrerer Beschwerden erfolgten 2020 zwei immissionsschutzrechtliche Anordnungen, um die Immissionen weiter zu reduzieren“, heißt es in einer Mail. Diese Anordnungen beinhalteten unter anderem, dass die Stelle, an der die Lkws am Umschlaggebäude anliefern, eingehaust werden muss, und die Schlachtabfälle nicht in offenen Behältern transportiert werden dürfen. Das Landratsamt schreibt: „Die Umsetzung dieser Anordnungen wurde und wird überwacht mit spontanen Vor-Ort-Kontrollen.“

    Ob die von Mayershofer abgegebenen Knochen und Knorpel vom Rohstoffhandel stammen, „kann vom Landratsamt nicht nachgewiesen werden“. Das Material sei „unspezifisch“ und könnte auch aus einem privaten Restmüll stammen. Und weiter: „Die Stücke sind so klein, dass ein Hund, eine Katze oder ein anderes Tier sie problemlos fassen und auch über weitere Strecken transportieren kann.“

    Wertinger Polizei sieht „keine konkreten Hinweise auf etwaige Verstöße“

    Auch die Wertinger Polizei ist in dem Fall immer wieder involviert. Zuletzt habe eine hinzugezogene Streife aus Mayershofers Sicht „null Motivation“ gezeigt. Auf Nachfrage schreibt die Polizei dazu, dass man in den vergangenen Jahren bereits mehrfach – aber meist vom selben Anwohner – nach Unterthürheim gerufen worden sei aufgrund von Beschwerden im Kontext des dortigen Rohstoffhandels. „Bei den Überprüfungen vor Ort ergaben sich in der Regel keine konkreten Hinweise auf etwaige Verstöße“, so heißt es weiter. Dennoch erfolgte laut Polizei wiederholt ein Informationsaustausch mit dem Landratsamt.

    Der Rohstoffhändler selbst möchte sich zu der Sache nicht äußern. Doch wie es aussieht, wird er weiterhin im Ort bleiben. Eigentlich hatte die Gemeinde Buttenwiesen dem Rohstoffhändler bereits vor fünf Jahren „in Rekordzeit“ einen Bauplatz verkauft, wie es Bürgermeister Hans Kaltner im April schilderte. Nämlich im damals neuen Gewerbegebiet „Am Speckfeld“ im Ortsteil Pfaffenhofen. Ein Umzug sollte den Streit in Unterthürheim auflösen. Doch der Unternehmer ließ zwei Fristen, die zum Bau verpflichteten, verstreichen. So liegt das Grundstück im Gewerbegebiet noch immer brach da.

    Rechtsstreit um unbebauten Baugrund in Pfaffenhofener Gewerbegebiet

    Rathauschef Kaltner zeigte sich darüber verärgert. Eigentlich hatte man sich vorgestellt, neuen Platz für die heimische Wirtschaft zu schaffen und Steuereinnahmen zu generieren – nicht jedoch, dass einer der Bauplätze, obwohl verkauft, so lange leer bleibt. Nun läuft ein Rechtsstreit. Die Forderung der Gemeinde: Der Rohstoffhändler muss sein Grundstück „Am Speckfeld“ zurückgeben. Der wiederum sieht das anders. Auf Nachfrage unserer Reaktion dürfte sich die Thematik noch eine Weile ziehen: Ende Mai kündigte Kaltner an, dass es seiner Information zufolge noch drei bis acht Monate dauern könnte, bis das Gerichtsverfahren startet.

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