Im Heimatmuseum in Wertingen steht derzeit ein historisches Fahrrad. Dieses entpuppte sich nach Entfernung des bunten Anstrichs aus den 1960er-Jahren als Geschäftslastenrad der bekannten Wertinger Kaufmannsfamilie Seiler. Nun ist das Exemplar als Objekt des Monats im Museum ausgestellt.
Die Firma der Familie Seiler bestand über hundert Jahre lang. 1955 feierte sie ihr hundertjähriges Jubiläum. Erst in den 1960er-Jahren gab der Enkel des Gründers J. G. Seiler sein Groß- und Einzelhandelsgeschäft auf. Grund war die stetig steigende Konkurrenz durch die Supermärkte. Er verkaufte schließlich seinen Besitz und zog sich aus Wertingen in die Nähe Rosenheims zurück.
Die Familie hatte ihr Geschäft in Wertingen im Erdgeschoss der Hauptstraße 4. Alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen die Schaufensterfront des Ladens. Das Fachwerk am Gebäude wurde erst 1951 freigelegt und ist seitdem sichtbar. Es gehört mit zu den ältesten in Wertingen.
Die Kaufmannsfamilie Seiler aus Wertingen lieferte auch nach Binswangen
Zurück zum Geschäftsrad: Vorsichtig wurde der unfachmännisch ausgeführte orange-grün-hellblaue Anstrich des Lastenrads entfernt. Darunter verbarg sich nobles Schwarz. Unter dem hellblau gestrichenen Schild an der horizontalen Stange kam die Firmenaufschrift „I. G. Seiler K.G., Kol[onial-] Waren Großhandel, Wertingen, Tel. 8“ zum Vorschein. Mit diesem Lastenrad fuhr die Firma ihre Waren an die Einzelhändler aus. Ulrich Schrezenmeir erinnert sich zum Beispiel noch daran, dass sein Großvater Josef Schrezenmeir, der ein Lebensmittelgeschäft in Binswangen betrieb, von der Firma Seiler beliefert wurde.
Das Logo unterhalb des Lenkers nennt den Hersteller des Fahrrads: das Görickewerk, Bielefeld; Nippel & Co. Diese Firma existierte von 1941 bis 1964.
Als Objekt des Monats Juni kann das restaurierte Lastenrad derzeit an der entsprechenden Vitrine im Eingangsbereich des Schlosses besichtigt werden.
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