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Biosprit: Nicht überall ist E10 oder Super95 drin

Biosprit

Nicht überall ist E10 oder Super95 drin

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    Der neue Biosprit verkauft sich immer noch nicht. Nun sucht die Branche neue Wege aus dem Schlamassel. (Bild: dpa)
    Der neue Biosprit verkauft sich immer noch nicht. Nun sucht die Branche neue Wege aus dem Schlamassel. (Bild: dpa)

    Das Verwirrspiel an den deutschen Tankstellen nimmt immer seltsamere Formen an. Gut drei Wochen nach dem Benzingipfel in Berlin können die Autofahrer kaum noch sicher sagen, was sie in ihr Auto füllen. Nicht selten kommt aus dem E10-Zapfhahn das alte E5-Super. An anderen Tankstellen steht zwar Super95 dran, aber Super Plus ist in Wahrheit drin.

    Grund dafür ist für ExxonMobil-Sprecherin Gabriele Radke, dass bisher noch nicht überall in Deutschland und den grenznahen Gebieten der Nachbarländer Raffinerien und Lagerkapazitäten auf E10 ausgerichtet sind. Auf der anderen Seite haben jedoch viele Tankstellen ihre Schilder bereits auf den neuen Biosprit umgerüstet.

    Rechtlich soll die Posse in Ordnung sein

    Rechtlich ist das laut der Mineralölwirtschaft in Ordnung. Die DIN-Norm für E10-Sprit schreibt nur den oberen Grenzwert des Bioethanol-Anteils fest, eben mit 10 Prozent. Deswegen fallen juristisch auch Super Plus (mindestens 98 Oktan) und das alte Super 95 (95 Oktan) unter diese Norm, auch wenn sie maximal fünf Prozent Biokraftstoff enthalten. Laut Radke strömt hauptsächlich in Nordrhein-Westfalen daher aus zahlreichen mit E10 ausgezeichneten Zapfstellen tatsächlich nur E5-Benzin.

    Die Sprecherin erklärte das unter anderem damit, dass die Tankstellenschilder schon auf E10 umgerüstet waren und der "Rückbau" nicht an jedem Ort erfolgt sei. Der Vorstand der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen kritisierte das am Montag als "Täuschung der Autofahrer: ein weiterer Sargnagel für das Vertrauen in die Einführung von E10-Benzin".

    Super, Super Plus, E10, Oktan

    Umgekehrt findet der Autofahrer in Berlin und anderen Bundesländern neben Super Plus und E10 häufig noch Preisschilder und Zapfstellen für Super, das aber genau so teuer ist wie Super Plus. Es kommt meist auch aus demselben Tank und ist auch dasselbe, nämlich das 98-oktanige Super Plus mit maximal fünf Prozent Biosprit-Anteil. Radke bestätigte das am Montag auf Nachfrage und wies darauf hin, dass ein solches "Upgrading" zulässig sei. Schon vor Wochen hatte der Mineralölwirtschaftsverband diese Praxis bestätigt und drauf hingewiesen, dass der Kunde, der Super tankt, ja tatsächlich Super Plus, also eine bessere Qualität, bekomme.

    Eine Statistik darüber, ob die Akzeptanz des E10-Benzins beim Verbraucher seit dem Benzingipfel gestiegen ist, liege ihr nicht vor, sagte Radke. "Wir hoffen es." Zurzeit werde Super-Plus-Benzin von Hamburg nach Berlin gebracht, nur um dort der Nachfrage entsprechen zu können.

    Shell fordert Röttgen zum Handeln auf

    Der Shell-Konzern griff die deutsche Bundesregierung und die Autoindustrie wegen der mangelnden Akzeptanz von E10 an und erklärte, bereits jetzt zeichne sich ab, dass der vom Gesetzgeber über alle Kraftstoffsorten hinweg geforderte Biosprit-Anteil von 6,25 Prozent in diesem Jahr nicht mehr zu schaffen sei und deshalb hohe Strafzahlungen drohten. Shell-Deutschlandchef Peter Blauwhoff sagte dem "Tagesspiegel", er sehe insbesondere Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) in der Pflicht. "Ich kann Herrn Röttgen nur auffordern, sich ebenfalls tatkräftig um mehr Akzeptanz zu bemühen. Es handelt sich schließlich um die Folgen seiner Gesetzgebung."

    Es gehe bei der Ablehnung "nicht um Unwissen allein, sondern auch um eine Protesthaltung", sagte er. "E10 ist unser 'Stuttgart 21'. Eine Gesetzgebung ist ordnungsgemäß durch alle demokratischen Schritte gegangen und wird doch faktisch zu Fall gebracht." AZ/dapd

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