Ausgezehrte afrikanische Kinder mit aufgeblähten Bäuchen sind die bekanntesten Gesichter des Hungers in der Welt. Seine Ursachen sind schwieriger zu bestimmen und sehr vielfältig. Als einen Grund hat die Verbraucherorganisation Foodwatch die Finanzspekulationen mit Agrar-Rohstoffen ausgemacht. Banken, Versicherungen, Pensionsfonds und Stiftungen „machen sich mitschuldig an den Hungersnöten in den ärmsten Ländern der Welt“, kritisiert Foodwatch.
Banken profitieren, Verbraucher leiden
Die Organisation hat den Journalisten Harald Schumann, Buchautor und Redakteur beim Berliner Tagesspiegel, ein halbes Jahr lang recherchieren lassen. Herausgekommen ist der 88-seitige Bericht „Die Hungermacher“, der den Zusammenhang zwischen Spekulationen und Nahrungsmittelpreisen zeigen soll. Nach Schumanns Ergebnissen gibt es „erdrückende Belege“ dafür, dass Spekulationen auf künftige Preise die aktuellen Marktpreise beeinflussen. Foodwatch zieht daraus den Schluss, dass die Banken von diesen Geschäften profitieren, während Verbraucher unter höheren Preisen leiden.
Als Konsequenz fordert Foodwatch von der europäischen Politik, den Einfluss von Anlegern auf die Preisentwicklung von Rohstoffen zu regulieren und Rohstofffonds zu verbieten.
Die Verbraucherorganisation hat die Deutsche Bank im Visier
Die Verbraucherorganisation hat allen voran die Deutsche Bank im Visier, die mit gutem Beispiel vorangehen und aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln aussteigen solle. Unter dem Motto „Hände weg vom Acker, Mann!“ startete Foodwatch eine Aktion, mit der Verbraucher gegen das Vorgehen der Deutschen Bank und ihres Chefs Josef Ackermann protestieren können. Das Institut wehrt sich gegen die Vorwürfe und machte unter anderem Wetterereignisse, die steigende Nachfrage aus den Schwellenländern sowie den wachsenden Bedarf an Biodiesel für Steigerungen und Schwankungen bei den Lebensmittelkosten verantwortlich.
Welcher dieser Faktoren die Preise am meisten beeinflusst und welche Rolle Spekulanten dabei spielen, ist nach Angaben von Carsten Fritsch, Rohstoff-Analyst bei der Commerzbank, schwierig zu benennen. Ein Teil der Spekulationen diene auch dazu, die Preise stabil zu halten.
Länder müssen sich selbst versorgen können
An Warenterminbörsen können Landwirte auf ihre Ernte sogenannte Terminkontrakte abschließen und so festlegen, zu welchem Preis sie beispielsweise Mais in einem halben Jahr verkaufen. Solche Warentermingeschäfte dienten, erklärt Foodwatch, ursprünglich der Absicherung von Käufer und Verkäufer. Sie seien jedoch anfällig für Manipulation und spekulative Übertreibungen.
Für Fritsch liegt die Lösung nicht in der Regulierung der Märkte, sondern darin, Länder in puncto Lebensmittel so autark wie möglich zu machen. Ziel müsse sein, dass sie sich weitgehend selbst versorgen können, um nicht einen Großteil ihres Bedarfs an den schwer regulierbaren Weltmärkten decken zu müssen. mit dapd