Das ist Tom. Tom ist 28 Jahre alt, hat BWL studiert, drei Praktika absolviert, ein halbes Jahr im Ausland gearbeitet und tritt nun seinen ersten Job an. Unter mehreren Angeboten hat er sich für ein international renommiertes Unternehmen entschieden, nachdem er im Vorstellungsgespräch klargemacht hat, dass er auf soziale Standards ebenso viel Wert legt wie auf Elternzeit und ein Sabbatjahr. Dafür arbeitet er auch gerne mal bis in die Nacht – wenn es ein bestimmtes Projekt erfordert.
Generation Y erobert den Arbeitsmarkt
Tom ist eine fiktive Person, vielmehr ein Klischee. Aber solche Toms gibt es – zuhauf. Sie erobern gerade den Arbeitsmarkt und gehören der sogenannten Generation Y an. Deren Vertreter sind flexibel, auslandserfahren und technologieaffin. Die Generation der in den 80er Jahren Geborenen tritt in Zeiten der Wirtschaftskrisen in den Konsum- und Arbeitsmarkt ein – und rüttelt ihn gehörig durcheinander.
Die Generation Y, genannt „Generation Why“, stellt bisherige Vorstellungen und traditionelle Verhältnisse infrage. Mit ihren vielfältigen Erfahrungen und Fähigkeiten gelten die Absolventen, die 1980 oder später geboren wurden, als Gewinner des Arbeitsmarkts.
Doch wer sind die Ypsiloner? Die Einstellung zum Leben, zur Arbeit und zum Konsum hat sich nicht ab dem Geburtsdatum 1. Januar 1980 rapide geändert. Dennoch gibt es „das generelle Wesen und die Merkmale der 80er-Generation“, wie Anders Parment in seinem Buch „Die Generation Y“ betont: „Wer in einer vernetzten Welt mit Kommunikation rund um die Uhr und mit fast uneingeschränktem Zugang zu virtuellen Welten und sozialen Netzwerken lebt, wird ein bisschen gelassener, was die Wahlstrategien betrifft.“ Individualismus, Online-Vernetzung und das betont individuelle, frei wählbare Leben schlagen sich direkt auf die Arbeitsvorstellungen der Generation Y nieder. Kienbaum, ein deutsches Unternehmen, das auf Personalberatung spezialisiert ist, spricht sogar von einem Kampf um Talente.
Immer weniger junge Talente am Arbeitsmarkt
Als Folge der demografischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen gebe es immer weniger junge Talente am Arbeitsmarkt. Mehrere Studien über die Generation Y ergeben ein klares Bild: Drei Viertel der Ypsiloner haben mindestens ein Praktikum absolviert, die Gesamtdauer aller absolvierten Praktika liegt bei zwölf Monaten. Außerdem verbrachte die Mehrheit bis zu sechs Monate im Ausland. In der Arbeitswelt bevorzugen sie Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung, eine hohe Vergütung und nette Kollegen. Betriebliche Altersvorsorge, Integrität und Beständigkeit des Unternehmens sind für die Angehörigen der Generation Y kaum von Bedeutung – soweit die Ergebnisse der Studien von Kienbaum und dem Personaldienstleistungs-Unternehmen Robert Half.
Aber hat das auch was mit der Realität zu tun? Christian Stelzmüller weiß das. Der 33-Jährige ist Spezialist im Bereich Human Resources und Dozent an der Hochschule und der Uni Augsburg. Er bejaht zwar diesen Trend, betont dennoch: „Ich würde mir schwertun, eine gesamte heterogene Generationengruppe in dieses spezifische Verhalten einzuordnen.“ Vor allem gebe es innerhalb der ab 1981 Geborenen einen großen Unterschied zwischen Großstädten und kleineren Städten. In einer 20000-Einwohner-Stadt stamme der Großteil der Bewerbungen von Akademikern, die in der Stadt aufwuchsen, in der Nähe studiert haben und sich letztlich im Geburtsort ihrer Eltern ihre Zukunft aufbauen möchten. In Großstädten wie München, Hamburg oder Berlin gingen die Bewerber hingegen mit ähnlichen Ansprüchen wie „Tom“ ihren Beruf an. „Aber ich sehe das nicht so überspitzt, wie einige Studien verlauten lassen.“
BWLer haben Erfolg, Soziologen eher ein Problem
Der Engpass, den es im hoch qualifizierten Bereich gebe, sorge allerdings für einen Vorteil für die frischgebackenen Akademiker. Doch auch hier müsse unterschieden werden. In den letzten Jahren stieg in gewissen Branchen die Anzahl der Arbeitsplätze höher an als die Anzahl der Bewerber: „In technischen und betriebswirtschaftlichen Berufen gibt es klar mehr Angebote als Akademiker“, bestätigt Stelzmüller. „Wer aber Geisteswissenschaften wie Soziologie oder Pädagogik studiert hat, der hat ein Problem.“
Die Einordnung in die Generation Y sieht Stelzmüller als nicht zielführend, zum einen, weil das Klischee von „Tom“ nicht auf jeden zutreffe, zum anderen blicke die Arbeitswelt in eine andere Richtung. „Der Trend geht zum Ganzheitlichen“, betont der Human-Resources-Spezialist. „Statt sich um einzelne Generationen zu drehen, sollte man sich lieber Gedanken um Nachhaltigkeit machen.“ In diesem Punkt stimmt er mit der Studie von Robert Half überein: Die Mehrheit der Arbeitnehmer findet demnach generationenübergreifende Teams produktiver als solche, die vorwiegend aus Personen ähnlicher Altersgruppen bestehen.
Zwischen den Generationen
Demnach sollte die Generation Y – die ichbezogenen, technologieaffinen und flexiblen Arbeitnehmer, die ab 1981 geboren sind – mit der Generation X – ambitioniert, individualistisch, ehrgeizig und zwischen 1965 und 1980 geboren – und den sogenannten Babyboomern – erfolgreich, liberal und entschleunigend, zwischen 1946 und 1964 geboren – zusammenarbeiten.
Und Tom, der Ypsiloner? Er ist nicht die Zukunft des Arbeitsmarktes. Aber ein Teil davon.