Von unserem Redaktionsmitglied Andreas Frei
Was ist damit gemeint? Hama, dessen Name aus den Anfangsbuchstaben des Firmengründers Martin Hanke gebildet wurde, ist ein führender Zubehör-Spezialist für die Produktbereiche Foto, Video, Audio, Computer und Telekommunikation. Zur riesigen Produktpalette mit mehr als 16000 verschiedenen Artikeln gehören Kamerataschen, Speicherkarten, Stative, Handytaschen, Freisprechsysteme, Kabel, Adapter und Akkugeräte. Deren Produktion übernehmen Subunternehmer. Die meisten sind in Asien angesiedelt und nahezu ausschließlich für Hama tätig. Entwicklung, Qualitätsprüfung, Verpackung und Vertrieb haben ihre Heimat in Monheim. Hinzu kommt die Fertigung von Bilderrahmen im hauseigenen Werk in Brünn (Tschechien).
Das Monheimer Familienunternehmen, als Handelsbetrieb im Jahr 1945 gegründet, war bis vor gut 20 Jahren noch ausschließlich auf den Fotogroßhandel spezialisiert. Die nach Firmenangaben erste automatische Filmklebepresse der Welt (1972) hatte ihren Ursprung im Donau-Ries. Zu dieser Zeit hieß Hama noch Hamaphot. Stück für Stück erschlossen die Schwaben seit 1980 andere Bereiche der Unterhaltungselektronik. Hinter der klugen Geschäftsstrategie steckt eine einfache Beobachtung: Kauft der Verbraucher ein neues elektronisches Gerät, erwartet er auch ein entsprechendes Sortiment an Zubehör. Beispiel: Als Mitte der neunziger Jahre Handys den Markt eroberten, war Hama eines der ersten Unternehmen, das dazugehörige Taschen anbot. Heute ist es in Europa Marktführer bei modernem Mobilfunk-Zubehör. Da liegt es nahe, dass die Mitarbeiter in der Entwicklungsabteilung bereits fieberhaft an Produkten für das bevorstehende UMTS-Zeitalter tüfteln.
"Wir agieren in einer extrem innovativen, aber auch schnelllebigen Branche", sagt Geschäftsführer Christoph Thomas. Was heute hochmodern ist, kann schon in fünf Jahren völlig überholt sein. Wichtig sei deshalb, engen Kontakt zu den Geräte-Herstellern zu halten, um möglichst frühzeitig über neue Entwicklungen informiert zu werden, erläutert Thomas. Vor diesem Hintergrund hat die Vielfalt an Produkten nach Ansicht des 43-Jährigen auch einen betriebswirtschaftlichen Vorteil. So sei der Einbruch im Geschäft mit Mobilfunk-Zubehör um satte 50 Prozent in diesem Jahr von den florierenden Sparten Multimedia und digitale Fotografie aufgefangen worden.
Mit dem Ergebnis, dass Thomas für dieses Geschäftsjahr mit einem "schönen Umsatzplus" auf "über 250 Millionen Euro" rechnet. Im Vorjahr lagen die Erlöse bei rund 240 Millionen Euro. Der Markt zwingt das Unternehmen dazu, ständig in Bewegung zu bleiben. Rastlos erkundet der studierte Betriebswirt Thomas ("Im Herzen bin ich immer ein Verkäufer geblieben") neue Geschäftsfelder. Und mit diesen ist auch die Beschäftigtenzahl in Monheim gestiegen, von 500 vor zwölf Jahren auf heute etwa 1000. Mit den europaweit zwölf Vertriebsniederlassungen und dem Werk in Tschechien zählt Hama rund 1600 Mitarbeiter.
Jüngstes "Sparten-Kind" ist der Bereich Papier-Büro-Schreibwaren. Dessen Vorzeige-Produkt ist ein ergonomisch geformter Schulranzen, den Hama selbst entwickelt hat, allerdings unter dem Lizenznamen der bekannten Marke Samsonite vertreibt. Auch Fremdprodukte wie Kopfhörer der Marken Grundig und Koss werden in den Katalogen angeboten. Dies habe strategische Gründe, heißt es. Man wolle dem Verbraucher ein Komplett-Zubehrsortiment anbieten, auch wenn Hama beispielsweise bei Kopfhörern keine eigenen Produkte herstellen lässt.
Selbst wenn in den Monheimer Werkshallen nicht Computerkabel oder Fototaschen über Produktionsbänder laufen: "Hier schlägt das Herz von Hama", sagt Thomas. Das liegt in erster Linie an der Design-Abteilung, die pausenlos an neuen Produkten feilt. Gemeint ist aber auch eine 21 Mitarbeiter starke Abteilung, die für Qualitätssicherung zuständig ist. Hier prüfen Fachkräfte wie Nachrichten- und Elektrotechniker in Stichproben alle Wareneingänge aus den Werken der Subunternehmer auf Herz und Nieren. Penibel werde nach jedem noch so kleinen Fehler gesucht und darüber in einer riesigen Kartei Buch geführt, sagt Abteilungsleiter Klaus Mecklinger.
Den meisten Raum nimmt das moderne Logistikzentrum ein, dessen Mittelpunkt ein Computer-gesteuertes 25 Meter hohes, 118 Meter langes und 30 Meter breites Hochraumlager ist. Auf 16 Ebenen bietet es Platz für 24000 Paletten. "Wir brauchen diese Dimensionen", so Thomas. Schließlich seien etwa 98 Prozent aller Artikel ständig verfügbar. Täglich werden rund 3500 Paketsendungen ausgeliefert, 55 Prozent davon gehen ins Ausland.
Um die Zukunft macht sich der Hama-Chef keine Sorgen. Allein bei der noch vergleichsweise jungen digitalen Fotografie (Thomas: "Zusammen mit DVD-Playern der Renner zu Weihnachten") gibt es große Entwicklungspotenziale. Mit seinen Kunden, dem Fachhandel, will auch Hama wachsen. Thomas: "Sollte unser wichtigster Kunde Media Markt nach Russland gehen, werden wir ihm sicher folgen."
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