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Handel

01.04.2020

Käse, Milch und Co.: Wie kommen Molkereien durch die Corona-Krise?

Damit die Grundversorgung gewährleistet ist und ausreichend Milchprodukte in den Regalen zu finden sind, haben die Molkereien einen Krisenplan.
Bild: Markus Merk

Plus Die Nachfrage nach Milchprodukten im Einzelhandel steigt. Gleichzeitig erschweren Grenzschließungen Exporte. Wie Molkereien aus der Region die Versorgung sichern.

In Supermärkten sind sie derzeit erstaunlich oft leer – die Regale. Auch Milch ist in der Corona-Krise beliebt. Um die Grundversorgung zu gewährleisten, stehen Molkereien und Milchbauern aktuell vor einer Herausforderung. Während die Absätze im Lebensmitteleinzelhandel kaum besser sein könnten, stockt der Umsatz beim Export sowie die Belieferung von Gastronomie und Gewerbekunden, weiß Hans Foldenauer, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter. Der Milchpreis gerät unter Druck. 37 Prozent der in Deutschland produzierten Milch wird in Rohform oder verarbeitet als Butter, Käse oder Joghurt an den Lebensmittelhandel verkauft. Weitere 63 Prozent gehen in Pulverform in die verarbeitende Industrie. „Daraus entstehen Kekse, Schokolade und Co.“, erklärt der Sprecher. Insgesamt 16 Prozent der Milcherzeugnisse werden exportiert. Mit den Grenzschließungen seien viele Betriebswege gestört. „Oft hakt es auch an der Weiterverarbeitung“, informiert er. In Italien und Spanien beispielsweise sei die Produktion teilweise eingestellt worden.

Corona-Krise: Milchproduzenten haben Vorräte für Verpackungen angelegt

Dass die Nachfrage im Lebensmittelhandel zugenommen hat, bemerkt auch die Molkerei Gropper in Bissingen. „Unser wichtigstes Ziel ist es, die Grundversorgung zu sichern“, sagt Christian Oppitz, Geschäftsführer im Bereich Marketing und Vertrieb. Da man nicht genau wisse, in welchen Mengen und wann Verbraucher einkaufen, sei diese Aufgabe nicht einfach. „Viele Menschen kochen jetzt zu Hause, weil die Angebote in der Gastronomie wegfallen, deshalb kaufen sie vermehrt ein“, erklärt Oppitz. Ein höheres Bestellaufkommen kann auch die Allgäuer Familien-Molkerei Ehrmann aus Oberschönegg feststellen. Marketingchef Gunther Wanner sagt: „Einige unserer Produktionslinien haben wir hochgefahren und produzieren auch am Wochenende.“ Da sich eine solche Entwicklung abgezeichnet hatte, habe der Betrieb sich vorbereitet. Die Bereitschaft und Motivation der Mitarbeiter habe das Familienunternehmen positiv überrascht. „Weil Freizeitmöglichkeiten wegfallen, haben wir keine Probleme, unsere Mitarbeiter für Wochenend-Schichtenzu gewinnen“, betont er. Auch bei der Molkerei Zott in Mertingen waren in den vergangenen Wochen vermehrt Aufträge eingegangen. „Zum Ende der vergangenen Woche hat sich das wieder eingependelt“, sagt Unternehmenssprecherin Michaela Matthäus.

Doch nicht nur die gestiegene Nachfrage stellt die Molkereien in der aktuellen Situation vor eine Herausforderung. Auch der Bezug von Verpackungsmaterialien ist in ein Ungleichgewicht geraten, da Lieferketten oftmals über EU-Grenzen hinweggehen. Noch, so Foldenauer, wisse er aber von keiner Molkerei, die tatsächlich Schwierigkeiten gemeldet habe, das Material zu bekommen. Um Engpässen bei den Verpackungsmaterialien vorzubeugen, hat die Molkerei Gropper ihre Arbeitsabläufe angepasst. Oppitz sagt: „Wir müssen teilweise mehr Zeit für einzelne Lieferungen einplanen. Dazu stehen wir mit unseren Lieferanten in Kontakt. “ Generell werde auch mehr Zeit für die Produktauslieferung im In- und Ausland eingeplant. Schwierigkeiten, die Produkte sachgemäß zu verpacken, hat auch Ehrmann nicht. Unternehmenssprecher Wanner erklärt: „Als sich die Situation abgezeichnet hat, haben wir Vorräte angelegt, um uns der Herausforderung zu stellen.“

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Molkereien: Verschiedene Schichten haben keinen Kontakt

Hygiene spielt im Alltag der Molkereien ebenfalls eine große Rolle. Auch bei Zott in Mertingen. „Neben der normalen Reinigung unserer Anlagen und Produktionsbereiche haben wir zusätzliche Desinfektionsmaßnahmen veranlasst“, sagt Matthäus. Produkte würden bei der Herstellung ohnehin erhitzt, womit Viren zuverlässig abgetötet werden könnten. Vor dem jeweiligen Abfüllprozess werde außerdem das Verpackungsmaterial desinfiziert. Um einen Ausfall der Mitarbeiter in der Produktion zu vermeiden, arbeitet die Molkerei im Drei-Schicht-Betrieb. Weil Joghurt nicht im Homeoffice produziert werden kann, hat sich die Molkerei Gropper ebenfalls Gedanken gemacht. Neben ausgeweiteten Hygienevorschriften trifft sich regelmäßig ein Krisenstab. „Wir haben beispielsweise organisiert, dass die verschiedenen Schichten untereinander keinen Kontakt haben und sich getrennt umziehen können“, sagt Oppitz. Auf soziale Distanzierung und Hygieneregeln müssten auch die Fahrer achten, die weiterhin auf den Bauernhöfen die Milch abholen.

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