Mit den Kartoffeln ist das so eine Sache: Sie mögen es warm und nur mäßig feucht. Auf keinen Fall solche Wassermassen wie im Juni. Und lange trockene Phasen wie in diesem Sommer können sie gar nicht leiden. Kurz: Den Kartoffeln in Bayern hat das Wetter zugesetzt. Die Ernte ist schlecht. In Deutschland wurden bisher nur gut 9,2 Millionen Tonnen geerntet, rund 13 Prozent weniger als im Vorjahr. Und die Kartoffeln sind nicht nur weniger, sondern auch deutlich kleiner als gewohnt, heißt es beim Bundeslandwirtschaftsministerium.
Schlechte Kartoffelernte in Bayern: Rund 30 Prozent weniger Ertrag
Besonders drastisch ist die Situation für die Kartoffelbauern in Bayern. Das Juni-Hochwasser hat auf einen Schlag wohl gut fünf Prozent des Ertrages ertränkt. Nur 1,35 Millionen Tonnen konnten die Bauern jetzt ernten. Das sind fast 30 Prozent weniger als 2012.
Um 44 Prozent ist der Kartoffelpreis in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen. Und als ob das noch nicht reichen würde, gibt es weitere schlechte Nachrichten für Kartoffelfreunde: Die Pommes werden kürzer. „Das liegt daran, dass die Kartoffeln nicht gut gewachsen sind“, erklärt Konrad Zollner. Er ist Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft Qualitätskartoffel Bayern. „Zwar hat jede Pflanze nach wie vor an die zwölf Knollen, die haben aber nicht die gewohnte Größe“, sagt der Landwirt. Sie schmecken aber trotzdem gut. „Die Qualität ist super.“
Für die Erzeugergemeinschaft ist das ein schwacher Trost. Schließlich sind die Landwirte gegen Wetterextreme weitgehend machtlos. Kartoffeln werden vorwiegend in Moorgebieten mit leichten Böden angebaut. „Laufen die Flüsse über, schwemmt die Erde weg“, sagt Konrad Zollner.
Hoffen auf größere Pommes: Kartoffeln bleiben länger in der Erde
Durch die schlechte Ernte ist den Bauern großer finanzieller Schaden entstanden. Viele Landwirte sind an Vorverträge gebunden, die für die Ernte einen bestimmten Preis festschreiben. Steigt wegen des geringen Angebots der Kilopreis für die Knollen, profitieren sie davon kaum. Höhere Preise für Verbraucher erwartet Manfred Schott vom Kartoffel-Centrum-Bayern (KCB) in Rain am Lech vorerst nicht: „Wir waren schon 2012 im Hochpreissegment. Viel höher kann der Preis wahrscheinlich nicht mehr werden, nur ein paar Cent mehr sind drin.“ 200.000 Tonnen Kartoffeln liefert das KCB jährlich an den größten europäischen Kartoffelverarbeiter Aviko. Die Firma sitzt in Rain am Lech und stellt unter anderem Pommes her.
Die Ernte läuft noch bis Ende Oktober – länger als gewöhnlich. Die Landwirte hoffen, dass die Knollen noch weiter wachsen, wenn sie so lange wie möglich auf den Feldern bleiben. Und dann könnten auch die Pommes wieder größer werden.