Brüssel Über 200 deutsche Agrar-Betriebe haben im vergangenen Jahr mehr als eine Million Euro aus Brüssel erhalten. Das geht aus den Daten hervor, die die EU-Kommission und das Bundeslandwirtschaftsministerium jetzt freigegeben haben. Unangefochtener Spitzenreiter ist das Landesumweltamt Brandenburg in Potsdam, das 2011 über 30 Millionen Euro aus dem Fonds für die ländliche Entwicklung überwiesen bekam. Auf Platz zwei folgt der Landesbetrieb Küstenschutz Nationalpark und Meeresschutz im schleswig-holsteinischen Husum mit 17 Millionen. Deutlich abgeschlagen auf Platz drei landete das Wasserwirtschaftsamt Kronach, das sieben Millionen erhielt.
Auch private Unternehmen wie Exportfirmen, Abwasserzweckverbände und Erzeugergenossenschaften haben jeweils mehrere Millionen Euro aus dem EU-Budget erhalten. So flossen ebenfalls sieben Millionen an die Erzeugerorganisation Mecklenburger Ernte GmbH (Wittenburg). 2,6 Millionen bekamen die Ochsenfurter Südzucker AG.
Insgesamt gab es 5,75 Milliarden für die bundesdeutschen Agrar-Unternehmen. Das Nachsehen hatten allerdings die kleinen und mittelständischen Familienbetriebe. Obwohl sie etwa 62 Prozent der Höfe ausmachen, erhielten sie nur zwölf Prozent der zur Verfügung stehenden Mittel. Beim Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) hieß es, wenn die Direktzahlungen an strikte Umweltauflagen gebunden wären, könnten die kleineren Betriebe auf deutlich mehr Geld hoffen. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos plant, genau diese Richtung bei seiner Reform, die ab dem Jahr 2014 greifen soll, einzuschlagen.
Greening heißt das Stichwort für diese Reform. Dabei sollen die Landwirte nicht nur zu mehr Vielfalt beim Anbau verpflichtet werden. Sie können auch zusätzliche Fördermittel aus Brüssel beanspruchen, wenn sie Umweltauflagen einhalten und beispielsweise beim Wasser ressourcenschonend wirtschaften. Weitere Mittel stehen für den Landschaftsschutz zur Verfügung. Rechnet man die Direktzahlungen für die Betriebe und die Fördergelder für den ländlichen Raum zusammen, macht der Agraretat mit rund 57 Milliarden Euro weiter den größten Ausgabenposten der Europäischen Union aus.