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Messe "Biofach": Mehr durchsichtige Bio-Produkte

Messe "Biofach"

Mehr durchsichtige Bio-Produkte

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    Hinter einem Bio-Siegel kann sich vieles verbergen. Viele Produzenten zeigen auf der Biofach-Messe, dass sie  jetzt mehr Transparenz bieten.
    Hinter einem Bio-Siegel kann sich vieles verbergen. Viele Produzenten zeigen auf der Biofach-Messe, dass sie jetzt mehr Transparenz bieten. Foto: David Ebener dpa

    Woher das Ei kommt? Gerlinde Wagner hält das Handy vor die Eierpackung, drückt auf den Knopf und wartet, bis das Mobiltelefon den viereckigen Code abfotografiert hat. „Unsere Eier kommen alle aus Bayern, alle von kleinen Bauernhöfen“, sagt sie. Dann tippt sie die Nummer ein, die auf dem Ei aufgedruckt ist. Es dauert einen Moment, bis das Programm die Antwort liefert: Bauernhof Weiß, Oberegg bei Krumbach, 5000 Biohennen, untergebracht in zwei Ställen. „Wer will, kann dort auch vorbeifahren“, sagt Wagner.

    Von den schrecklichen Geschichten, von Käfighaltung und qualvoll verendeten Hühnern will Gerlinde Wagner heute, zum Beginn der Biofach in Nürnberg, gar nicht anfangen. Die Vorsitzende der Gemeinschaft „Die Biohennen“ sagt nur: „Beim Ei ist der Verbraucher äußerst sensibel.“ Viele Kunden wollen wissen, woher ihr Frühstücksei kommt. Und wie das Huhn gehalten wurde, das es gelegt hat.

    Hühnerställe mit mehr Platz als von EU vorgesehen

    Aus dieser Idee heraus sind 1995 die „Biohennen“ entstanden. Die Arbeitsgemeinschaft holt die Eier bei zertifizierten Bauern ab, verpackt und liefert sie an den Handel. Die Vorschriften, an die sich die 28 Mitgliedsbetriebe halten müssen, sind streng. Der Stall muss nach bestimmten Vorgaben gebaut werden, die Tiere brauchen mehr Platz, als es der EU-Bio-Standard vorschreibt, Beschäftigung und einen Hahn in ihrer Herde.

    „Unsere Tiere leben ein gutes Leben“, sagt Gerlinde Wagner. Wenn der Kunde das nachvollziehen könne, sei er auch bereit, 2,50 Euro für die Sechserpackung Eier zu bezahlen.

    "Folge dem Fisch"

    Klarheit. Transparenz. Regionalität. Es sind Worte wie diese, die in weiß-blauen Wolken über dem Stand der „Ökologischen Molkereien Allgäu“ baumeln, dazwischen sieht man Bilder von glücklichen Kühen. Auf der Biofach, der weltweit wichtigsten Öko-Messe, bemüht man sich in diesem Jahr um Glaubwürdigkeit. Nach Skandalen um gefälschte Bioware und schlechte Tierhaltung soll der Kunde nachvollziehen können, ob wirklich bio drin ist, wo bio draufsteht.

    In Halle 6 der Biofach hat man das Prinzip bereits zur Marke gemacht. „Followfish“, zu Deutsch: „Folge dem Fisch“, heißt das Produkt, das Jürg Knoll vor sechs Jahren auf der Biofach vorgestellt hat. „Wir glauben, dass Verbraucher wissen wollen, woher die Produkte kommen, die sie essen“, sagt er. Inzwischen beliefert sein Unternehmen mit Sitz in Friedrichshafen Supermärkte und Bioläden mit Fisch aus biologischer Aquakultur oder nachhaltigem Wildfang.

    Woher dieser stammt, wie er gefangen und verarbeitet wurde, kann der Kunde über den Code nachvollziehen, der auf jeder Verpackung aufgedruckt ist. 35 Produkte bietet sein Unternehmen derzeit an, künftig soll es auch Thunfisch aus nachhaltigem Fang und Pizza mit Bio-Garnelen geben.

    Bio-Produkte machen nur einen Bruchteil aller Lebensmittel aus

    Zwischen glutenfreien Nudeln, Biochips und Naturkosmetik bieten auch die Fleischwerke Zimmermann Öko-Produkte an. Schwäbische Maultaschen, Gnocchi, Tortellini, Teewurst, Rostbratwürste. Knapp zehn Prozent des Umsatzes macht das Unternehmen aus Thannhausen im Kreis Günzburg derzeit mit Biowaren. Marketingleiter Frank Lechtenfeld spricht von einer kleinen Zahl von Kunden, die bereit seien, dafür auch mehr Geld zu zahlen.

    Das spiegelt auch der Markt wider: Zwar haben die deutschen Haushalte im vergangenen Jahr sieben Milliarden Euro für Bioprodukte ausgegeben – ein Plus von sechs Prozent. Bezogen auf den gesamten Lebensmittelmarkt sind das aber weniger als vier Prozent. Frank Lechtenfeld sagt: „Wenn jemand bio kauft, dann nur aus eigener Überzeugung. Geschmacklich wird der Kunde ja keinen Unterschied merken.“

    Früher ausgelacht, heute erfolgreich: die Andechser Molkerei

    Das würde Georg Scheitz so nicht gelten lassen. Der heutige Seniorchef der Andechser Molkerei hat seinen Betrieb 1981 auf Naturprodukte umgestellt. „Die haben mich damals alle ausgelacht“, sagt der 73-Jährige. Heute ist sein Unternehmen die größte Bio-Molkerei Europas. Der Kunde kann auf der Biofach Exotisches wie Bio-Lassi aus Mango und Joghurt mit Limette, Minze und Holunderblüte probieren.

    Und er soll auch wissen, woher die Milch dafür kommt. Wer das Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Internetseite des Herstellers eingibt, erfährt, welcher der 700 Öko-Bauern aus Ober- und Niederbayern die Milch dafür geliefert hat. Für Seniorchef Scheitz ist das nicht nur ein Segen der Technik. „Das gehört sich doch.“

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