Der Modestandort Ingolstadt hat den Schock vom Zusammenbruch der Weltmarke Bäumler noch nicht verdaut, da kommt die nächste Schreckensmeldung: Damenmodehersteller Rosner hat am Montag beim Amtsgericht die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt. Etwas mehr als 150 Mitarbeiter fürchten jetzt trotz optimistischer Prognosen der Geschäftsleitung um ihre Arbeitsplätze.
Für Rosner-Geschäftsführer Holger Philipps kam die Nachricht völlig unerwartet, nachdem schon die Ziellinie in Sicht war. Im November 2007 hatte der 45-Jährige das damals bereits angeschlagene Unternehmen übernommen. Rosner wurde im Dezember 2008 vom japanischen Modekonzern Link Theory Holdings Co. Ltd. zum symbolischen Preis von einem Euro an die CFC Industriebeteiligungen mit Sitz in Dortmund verkauft.
Der neue Eigentümer sollte den eingeschlagenen Sanierungskurs beibehalten und jetzt im September die vereinbarte Summe von fünf Millionen Euro nach Ingolstadt überweisen. Nachdem aber mit der "Delmod-International" und "Hirsch" zwei andere Beteiligungen der CFC Insolvenz beantragen mussten, hat der Investor zum Entsetzen von Rosner beinahe Knall auf Fall entschieden, dass alle Beteiligungen im Modebereich aufgegeben werden.
"Eine finanzielle Unterstützung für Rosner ist damit nicht mehr gewährleistet", formuliert Philipps in offizieller Lesart zunächst noch höflich. Im Gespräch mit unserer Zeitung wurde Philipps deutlicher, was die Vorgehensweise der CFC anbelangt: "Das ist der Hammer! Es fällt mir wirklich schwer, da nicht ein paar schlimme Worte zu finden."
Philipps und seine Mannschaft haben das Modeunternehmen Rosner in den vergangenen Monaten auf Erfolgskurs getrimmt. Die Rückbesinnung auf die Kernkompetenz als Hosenspezialist und die neue Modernität der Marke habe zur erfolgreichen Neupositionierung am Markt geführt. "Bei Rosner ist dieses Jahr alles nach Plan gelaufen, aber wirklich alles - und jetzt das." Auch die strategischen Ziele wie den völligen Neuaufbau eines Kreativzentrums in Ingolstadt und eines ganz neu konzipierten Logistikzentrums am selben Standort habe man mit großem Erfolg weit vorangetrieben.
Aktuell wird mit Hochdruck an der neuen Sommerware gearbeitet, deren Auslieferung unmittelbar bevorstehe. Auch ein Teil der Kosten dafür sei bereits finanziert, wie Rosner zurzeit keine offenen Rechnungen oder Rückstände bei den Lohnzahlungen habe, sagt Philipps.
Dessen Optimismus beruht jetzt vor allem auch auf dem Münchener Anwaltsbüro Jaffé, mit dem man eine sehr erfahrene Insolvenzverwaltung zugewiesen bekommen hat. Die Kanzlei wickelte unter anderem so bekannte Fälle wie die Insolvenzen von KirchMedia, Tabbert oder die des Speicherchip-Herstellers Qimonda ab. Michael Jaffé hat laut Philipps inzwischen auch schon eine gute Zukunftsprognose für Rosner aufgezeigt.
Jetzt laufen intensive Gespräche mit potenziellen neuen Investoren, wobei man diesmal auf Geldgeber aus der Branche setzen und nicht wieder eine reine Kapitalgesellschaft ins Boot lassen will. Das könnten vor allem manche Mitarbeiter nicht verstehen, von denen viele enttäuscht und deprimiert sind. "Wenn uns der Investor wie eine heiße Kartoffel fallen lässt, haben wir doch gar keine Chance mehr", sagt eine Frau, die seit fast drei Jahrzehnten bei dem Ingolstädter Traditionsbetrieb beschäftigt ist.
Das Unternehmen Rosner wurde im Jahr 1967 gegründet und hat sich Jahrzehnte als Anbieter von hochwertiger Damen-Oberbekleidung am Markt behauptet. Zuletzt wurden weltweit etwa zwei Millionen Teile abgesetzt, hauptsächlich in Europa, Asien und den USA. Neben Deutschland, Skandinavien, den Beneluxstaaten und Zentraleuropa sind die USA und Russland die wichtigsten Absatzmärkte.
Aktuell liegt der Umsatz bei 32 Millionen Euro. Im kommenden Jahr wollte man in die Gewinnzone zurückkehren. Mit dem Insolvenzantrag ist die Zukunft des Unternehmens offen. (Harald Jung)