Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr nur gering wachsen: Ein Plus von 0,7 Prozent erwartet Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) beim Bruttoinlandsprodukt. Die Prognose beruht allerdings darauf, dass es keine neuen Verwerfungen durch Finanz- oder Euro-Krise gibt. „Das sind die Hauptrisiken“, sagte Rösler gestern bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts 2012 in Berlin.
Für das Wachstum werden laut Bericht die Deutschen selbst sorgen. „Der private Konsum wird die deutsche Konjunktur maßgeblich stützen“, sagte Rösler. Grund dafür seien die weiter ansteigenden Beschäftigungszahlen und höhere verfügbare Einkommen der Bürger. 220000 Leute zusätzlich sollen laut der Prognose einen sozialversicherungspflichtigen Job bekommen, die Einkommen durchschnittlich um drei Prozent ansteigen. Bei einer moderaten Preissteigerung von 1,8 Prozent wachse die Kaufkraft somit um 1,2 Prozent, sagte Rösler.
Für die Exportwirtschaft, sonst der „Konjunkturmotor“, wird laut Bericht 2012 ein schwaches Jahr. Zwei Prozent mehr Ausfuhren soll es geben als 2011. Zuvor lagen die Wachstumsraten noch bei 13,7 (2010) und 8,2 Prozent (2011).
Deutschland habe die Folgen der Finanzkrise besser überstanden als andere Länder, sagte Rösler. In den USA schwächelt die Wirtschaft nach wie vor, ebenso in vielen Ländern der Euro-Zone. In den Schwellenländern hat sich der Wirtschaftsboom verlangsamt.
China und auch Indien waren mit ihren stark wachsenden Volkswirtschaften Zugpferde für die Weltkonjunktur. Ihre derzeitige Schwächephase wirkt sich auch negativ auf alle Handelspartner aus. Das geht aus der globalen Konjunkturprognose hervor, die die Weltbank gestern in Peking vorgelegt hat. Die Weltwirtschaft wird demnach 2012 nur um 2,5 Prozent wachsen. Für die Euro-Zone wird in dem Bericht eine Rezession vorhergesagt: Um 0,3 Prozent könnte die Wirtschaft hier schrumpfen.
Für Rösler ändern die Weltbank-Zahlen nichts an der Einschätzung der Lage in Deutschland. Man habe die Wachstumserwartung im Vergleich zum Herbst – damals rechnete man mit einem Plus von einem Prozent – nach unten korrigiert. Insgesamt sei die Prognose zurückhaltend angelegt, sagte der Wirtschaftsminister.
Bessere Aussichten für das Jahr 2013
Für das erste Quartal 2012 sieht Rösler eine Stagnation bei den Exporten. Im Jahresverlauf erwartet der Minister dann eine Erholung der Märkte. Tritt dies ein und bleiben größere Einbrüche auf den Finanzmärkten aus, könnte 2013 wieder ein Wachstum von 1,6 Prozent erreicht werden. Das sei aber nur „eine vorsichtige Schätzung“.
Vorher müssten aber die Probleme der Euro-Zone gelöst werden, forderte Rösler. Aufgabe der Politik sei es jetzt, die Staatsverschuldung zu bekämpfen und die Wirtschaft in allen Euro-Ländern wettbewerbsfähig zu machen. (mit dpa/afp)