Frankfurt am Main Neue Hiobsbotschaften aus Spanien haben zum Wochenende für Nervosität an den Finanzmärkten gesorgt. Die angeschlagenen Bankhäuser der viertgrößten Volkswirtschaft im Euroraum saugen sich weiter mit Zentralbankgeld voll, während die Risikoprämien an den Anleihemärkten steigen. Der Dax schloss deshalb mit dem größten Wochenverlust in diesem Jahr. Der deutsche Leitindex ging am Freitag mit einem Abschlag von 2,36 Prozent auf 6583,90 Punkte aus dem Handel, auf diesem Niveau hatte er zuletzt Ende Januar notiert. Binnen Wochenfrist ging es damit um über zweieinhalb Prozent abwärts. Anleger wurden auch durch weitere typische Krisenanzeichen in Spanien alarmiert. So stiegen die Prämien für Versicherungen gegen einen spanischen Zahlungsausfall deutlich an. Spaniens kriselnder Bankensektor ist trotz der massiven Liquiditätsversorgung im Euroraum weiter in Geldnöten.
Die Ausleihungen der spanischen Institute bei der Europäischen Zentralbank (EZB) stiegen im März um fast 50 Prozent und erreichten damit einen Rekord, wie aus Angaben der spanischen Nationalbank hervorging. Danach sind die Netto-Ausleihungen der spanischen Geldhäuser beim Eurosystem aus EZB und den anderen nationalen Notenbanken im Vergleich zum Vormonat von 152,4 Milliarden Euro auf 227,6 Milliarden Euro geklettert.
Die spanischen Banken machen damit den größten Anteil der im März von der Europäischen Zentralbank verliehenen Netto-Summe von 361,7 Milliarden Euro aus. Diese Entwicklung löste einen Anstieg der Renditen spanischer Anleihen aus. Richtungsweisende Staatspapiere mit zehnjähriger Laufzeit bewegten sich wieder auf die kritische Marke von sechs Prozent zu.
Prämien für Staatsanleihen steigen deutlich an
Die leichte Entspannung, die Aussagen von EZB-Vertretern zum ruhenden Anleihekaufprogramm seit Wochenmitte auslösten, ist vorerst gestoppt. Weitere Krisensignale sendete auch der Markt für die umstrittenen Kreditausfallversicherungen aus: Die Prämien für spanische Staatsanleihen stiegen auf den höchsten Stand seit November vergangenen Jahres, also noch bevor die EZB die Lage mit ihren beiden riesigen Geldspritzen beruhigen konnte. Am Freitag legte die Prämie für eine Versicherung auf spanische Anleihen mit fünfjähriger Laufzeit auf rund 490 Basispunkte zu. Bei einem Staatstitel über etwa 10000 Euro entspricht dies einer jährlichen Zahlung von 490 Euro. (dpa)