Der Arbeitsmarkt trotzt dem wachsenden Konjunkturpessimismus in der deutschen Wirtschaft. Dank der kräftigen Herbstbelebung sank die Erwerbslosigkeit im September auf ein neues Rekordtief. Mit 2796000 rutschte die Zahl der Arbeitslosen auf den niedrigsten Septemberwert seit 20 Jahren, berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg. Die Arbeitslosenquote ging um 0,4 Punkte zurück; sie liegt nun bei 6,6 Prozent.
Als Hinweis auf die stabile Arbeitsmarktlage werten Fachleute auch den starken monatsbezogenen Rückgang. Dieser fiel mit 149000 deutlich stärker aus als im Schnitt der vergangenen drei Jahre. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung um 231000. Selbst nach Abzug des im September besonders ausgeprägten Saisoneffekts wäre die Zahl der Arbeitslosen nach Angaben der BA um 26000 gesunken.
BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise bleibt trotz zahlreicher konjunktureller Warnsignale weiter optimistisch: „Die internationale Finanzmarktkrise und die Turbulenzen an den Aktienmärkten sind am Arbeitsmarkt noch nicht angekommen“, betonte er. Mindestens bis Jahresende gehe der Jobaufschwung weiter. Drei Millionen Arbeitslose gebe es frühestens im Januar 2012 wieder – aber nur bei Schnee und strengem Frost.
Gerade die Auftragslage im Mittelstand ist gut
Ansonsten hielt sich Weise mit Prognosen für das kommende Jahr zurück, da er erst die demnächst erwarteten neuen volkswirtschaftlichen Eckdaten der Bundesregierung abwarten wolle. „Vorweggenommen kann man aber sagen: Trotz der Unsicherheiten, die wir immer benannt haben, ist die Erwartung, dass sich das alles nicht so gravierend schlecht auf den Arbeitsmarkt auswirken wird“, sagte Weise. Zur Begründung verwies er auf Umfragen der Arbeitsagenturen. „Danach ist die Auftrags- und Beschäftigungslage vor allem beim Mittelstand gut.“
Forderungen von Gewerkschaftern nach einer Erhöhung des Beitragssatzes zur Arbeitslosenversicherung wollte Weise zunächst nicht kommentieren, sagte dann aber: „Es wäre schön, es gäbe einen Beitragssatz, der die Bundesagentur nicht im Defizit lässt und für Arbeitgeber und Arbeitnehmer verlässlich ist.“ In diesem Jahr rechnet die BA nach seinen Angaben mit einem Defizit von rund 1,9 Milliarden Euro. Über größere Rücklagen zur Bewältigung einer neuen Job-Krise verfügt die Nürnberger Behörde nicht mehr.
Auf eine stabile Lage auf dem Arbeitsmarkt weist nach Weises Einschätzung auch die unverändert große Nachfrage nach Arbeitskräften hin. Die von der BA erfassten offenen Stellen seien im September auf Rekordhöhe gestiegen. Der gleiche Trend zeige sich auch bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung: Innerhalb eines Jahres entstanden nach BA-Angaben 692000 solcher regulären Stellen – 146000 in der Industrie, 121000 bei Dienstleistern, 110000 im Gesundheits- und Sozialwesen und 99000 bei Leiharbeitsunternehmen. Mit 365000 sind davon mehr als die Hälfte Vollzeitstellen, sagte Weise. Dabei scheint die Zeitarbeit mit rund 830000 Stellen ihren Zenit überschritten zu haben. Inzwischen mehren sich die Hinweise, dass es dort zu Entlassungen kommt: Im September hatten sich nach BA-Angaben 9,8 Prozent mehr Zeitarbeiter arbeitslos gemeldet als vor einem Jahr. Klaus Tscharnke, dpa