Das teilte das statistische Landesamt am Freitag in München mit. Die Preise seien demnach zwar hoch, stiegen aber nicht mehr so stark wie im April. Im Jahresvergleich waren vor allem Heizöl (+17,9 Prozent), Kraftstoffe (+13,9 Prozent), Strom (7,2 Prozent), Gas (+3,5 Prozent) und Kaffee teurer geworden. Kaffee war im Mai fast um ein Viertel teurer als im Jahr zuvor. Butter kostete 27,1 Prozent mehr, für Margarine verlangte der Handel um 18,5 Prozent höhere Preise.
Insgesamt sei im Mai die Jahresteuerung laut Landesamt vor allem aufgrund von erneut steigenden Energiepreisen auf 2,1 Prozent gestiegen. Die Ölpreise zogen zum Beispiel in den ersten Monaten 2011 wegen der Unruhen in Nordafrika und Nahost sowie der Angst vor einem Übergreifen auf Ölförderländer wie Saudi-Arabien kräftig an.
Die Inflation im Freistaat überschritt damit die Warnschwelle der Europäischen Zentralbank, die bei Teuerungsraten bis knapp unter 2,0 Prozent die Preisstabilität gewahrt sieht. Allerdings zeichnete sich eine leichte Entspannung ab. Im April hatte die Inflationsrate mit 2,5 Prozent noch deutlich über dem Mai-Wert gelegen.
Dass die Inflation im Vergleich zum April dennoch um 0,2 Prozent zurückging, lag daran, dass Heizöl beispielsweise zwar immer noch teuer, aber um 6,8 Prozent billiger war als noch im Vormonat. Der rapide Ölpreisverfall im Mai lässt auf weniger Druck in den kommenden Monaten hoffen. Ohne Heizöl und Kraftstoffe gerechnet, wäre die Inflation im Jahresvergleich lediglich um 1,4 Prozent gestiegen.
Bei Obst oder Gemüse sind extreme Preisschwankungen schon wegen der Abhängigkeit vom Wetter keine Ausnahme. "Man darf die aktuelle Entwicklung nicht überbewerten", sagt Konjunkturexperte Jörg Hinze vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) deshalb. Für Preisschwankungen sorgen auch Spekulanten, die mit ihren Wetten kräftige Übertreibungen etwa bei den Zucker- oder Silberpreisen verursachten. Denn natürlich ergeben sich Preise immer aus Angebot und Nachfrage.
Saisonal bedingt waren auch Pauschalreisen um 6,7 Prozent günstiger als im April. Weiterhin entspannt verläuft die Preisentwicklung bei den Wohnungsmieten. Gegenüber Mai 2010 stiegen sie um 1,3 Prozent. Deutlich niedriger waren die Preise für viele hochwertige technische Produkte. Fernsehgeräte kosteten etwa um 18,6 Prozent weniger, Notebooks verbilligten sich um 14 Prozent und digitale Kameras um 11,3 Prozent.
Wann wird der Aufwärtstrend gestoppt?
Kurzfristig sind Veränderungen in alle Richtungen denkbar. So sorgte das Ende der politischen Krise der Elfenbeinküste zuletzt für ein größeres Angebot an Kakao und damit für purzelnde Preise, wie Analysten der Helaba erklären. Tendenziell werden die Energie- und auch die Ölpreise aber steigen. Auch bei Nahrungsmitteln, die wie Zucker, Kaffee der Getreide am Weltmarkt gehandelt werden, bleibe der Preisdruck hoch, erklärt Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg: "Schließlich wollen auch immer mehr Konsumenten in China oder Nordafrika die gleichen Nahrungsmittel kaufen wie wir." China habe sich vom Selbstversorger zum Industriestaat entwickelt, der auch auf Importe angewiesen sei.
Bremst die Inflation den deutschen Aufschwung?
Das wird sich zeigen. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) erwartet für Deutschland in diesem Jahr eine Inflation von 2,3 Prozent. Die Teuerung dürfte rund einen dreiviertel Prozentpunkt höher ausfallen als noch vor einem halben Jahr erwartet, berichtet der Verband. Die zusätzliche Teuerung dämpfe zwar die Konsumkonjunktur und verringere die Kaufkraft pro Haushalt um knapp 300 Euro des verfügbaren Einkommens in diesem Jahr. Da die Konjunktur aber brummt und sich der deutsche Arbeitsmarkt erfreulich entwickelt, werde der Konsum in diesem Jahr dennoch mit mehr als 1 Prozent stärker zulegen als 2010 (0,4 Prozent).
Warum ist die Angst vor der Inflation in Deutschland dennoch so groß?
Das liegt zum einen an der deutschen Erfahrung mit einer Hyperinflation: Im November 1923 lag der Wechselkurs für einen Dollar bei rund 4,2 Billionen Mark. Der Währungsverfall trieb Millionen Deutsche in die Armut. Zum anderen liegt es aber auch an der Tatsache, dass derzeit vor allem Produkte wie Lebensmittel und Benzin oder Strom rasant teurer werden - Dinge, die der Verbraucher regelmäßig kauft, und deren Preisanstieg deshalb sofort auffällt. "Das Problem bei vielen Verbrauchern ist die gefühlte Inflation", sagte Konsumforscher Rolf Bürkl kürzlich. Sollten die Preise bei sensiblen Produkten weiter steigen, könne dies zu einem Einbruch beim Konsumklima führen und damit auch das Wirtschaftswachstum bremsen. dpa