Für Anton Schlecker kommt es jetzt knüppeldick: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte eingeleitet. Das bestätigte eine Sprecherin am Mittwoch in Stuttgart.
Schlecker: Wohnungen und Firmenräume durchsucht
Drogeriekette: Das ist Schlecker
Mit 21 Jahren, 1965, steigt der gelernte Metzgermeister Anton Schlecker in die väterliche Fleischwarenfabrik in Ehingen bei Ulm ein.
Das Unternehmen erwirtschaftet damals mit 17 Metzgerei-Filialen nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von 7,2 Millionen Euro.
Im gleichen Jahr gründet der Junior-Chef das erste Selbstbedienungs-Warenhaus am Rande der schwäbischen Stadt.
Damit legt er die Basis für eine europaweit aufgestellte Drogeriemarktkette, zu der seit 2007 auch die Kette "Ihr Platz" gehört.
Schlecker war mit etwa 10.000 Filialen, einem Umsatz von 7,42 Milliarden Euro und über 50.000 Beschäftigten Europas führender Drogeriemarkt-Unternehmer.
Auch die deutschen Drogerieketten führte er an, gefolgt von dm und Rossmann.
Im Januar 2012 geht Schlecker in die Insolvenz.
Mai 2012: Schlecker wird zerschlagen. Für die insolvente Drogeriemarktkette sieht der Gläubigerausschuss "keine Perspektive" mehr.
Im November 2017 wird Anton Schlecker wegen Bankrotts zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Seine Kinder erhalten Gefängnisstrafen.
"In unserer Vorprüfung hat sich ein Anfangsverdacht bestätigt", sagte Staatsanwältin Claudia Krauth. Durchsucht wurden drei Firmenräume in Baden-Württemberg und ein Geschäftsraum in der Region Osnabrück. Die durchsuchten Wohnungen liegen nach den Angaben vor allem im Südwesten, zudem wurden private Wohnräume in Berlin, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen durchsucht. Die Durchsuchungen mit 160 Ermittlern sollen nach den Angaben den ganzen Tag dauern.
Schlecker-Pleite: 25.000 Menschen verloren Jobs
Schlecker - von der Pleite zum Ermittlungsverfahren
Nach der Pleite der ehemals größten deutschen Drogeriemarktkette Schlecker wurden schwere Vorwürfe gegen den Firmengründer laut. Medien berichteten, womöglich sei viel Geld beiseitegeschafft und dem Zugriff der Gläubiger entzogen worden. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Anton Schlecker. Ein Überblick:
23. Januar 2012: Anton Schlecker e.K., die Schlecker XL GmbH und die Schlecker Homeshopping GmbH melden Insolvenz an, später folgt die Schlecker-Tochter IhrPlatz Gmbh & Co. KG.
1. Juni 2012: Die größten Gläubiger kommen in Berlin zusammen und stimmen für die Abwicklung des Unternehmens.
4. Juni 2012: Die Schlecker-Insolvenzverwaltung will prüfen, wie viel Geld sie aus dem verbliebenen Vermögen der Familie Schlecker holen kann. Sollte Anton Schlecker nach dem Insolvenzrecht beanstandbares Vermögen an Angehörige übertragen haben, könne dies auf bis zu fünf Jahre zurück rückgebucht werden.
5. Juni 2012: Bei einem Treffen in Ulm beschließt die Gläubigerversammlung das endgültige Aus von Schlecker. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz zufolge werden Forderungen in Höhe von 665 Millionen Euro angemeldet. Auch die Schlecker-Kinder Lars und Meike haben millionenschwere Forderungen: Meike Schlecker will 48,43 Millionen Euro und ihr Bruder 48,9 Millionen Euro, heißt es in der Forderungsliste.
11. Juni 2012: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart will prüfen, ob die Unternehmenspleite mit möglichen Straftatbeständen in Verbindung steht.
27. Juni 2012: Es wird bekannt, dass Anton Schlecker sein Privathaus im Wert von zwei Millionen Euro vor der Insolvenz an seine Frau übertragen hat. Ein weiteres Grundstück soll an seinen Sohn gegangen sein.
8. Juli 2012: Frühere Berater werfen Anton Schlecker schwere Fehler vor. Der Unternehmer habe bei einem Restrukturierungsprogramm nicht über Finanzierungsfragen sprechen wollen. Außerdem habe er die Schließung unrentabler Filialen verhindert.
18. Juli 2012: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitet ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte ein.
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hatte Mitte Juni Vorprüfungen aufgenommen, ob die Schlecker-Pleite mit möglichen Straftatbeständen in Verbindung steht.
Die Schlecker-Pleite hatte am Ende knapp 25 000 Menschen den Arbeitsplatz gekostet. Anton Schlecker hatte die Kette, die zu ihren besten Zeiten europaweit 55 000 Mitarbeiter beschäftigte, 1975 gegründet. Die Abwicklung des Unternehmens war Anfang Juni von den Gläubigern des insolventen Konzerns mit der Begründung beschlossen worden, kein Investor habe das zur Sanierung notwendige Geld geboten. dpa/AZ