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Elternzeit

03.02.2019

Wickeltisch statt Büro: Viele Väter fürchten Nachteile

Nach der Geburt von Kindern machen meist die Mütter eine Pause vom Job. Aber auch junge Väter nehmen immer öfter Elterngeld in Anspruch.
Bild: Monika Skolimowska, dpa

Immer mehr junge Väter nehmen Elterngeld in Anspruch. Die Angst vor einem Karriereknick ist allerdings immer noch weit verbreitet. Was wichtig ist.

Julian B. ist Rechtsanwalt und Steuerberater – und als solcher kennt er sich aus mit Rechtsansprüchen. Dennoch war der 33-jährige Würzburger zunächst besorgt, als er gegenüber seinem Arbeitgeber einen gesetzlich garantierten Anspruch geltend machen wollte: jenen auf Elternzeit nach der Geburt seiner Tochter.

Wie Vorgesetzte und Kollegen in der Kanzlei seine Pläne, nach der Geburt fünf Monate zu Hause zu bleiben, um sich ganz Frau und Kind widmen zu können, wohl aufnehmen würden? Als seine Partnerin im fünften Monat schwanger war, suchte er das Gespräch mit seiner Chefin – und war erleichtert: „Sie hat ganz offen reagiert und meine Entscheidung unterstützt. Mir wurden keine Steine in den Weg gelegt.“

Im Schnitt nehmen Väter nur 3,3 Monate Elterngeld in Anspruch

Die Zeiten, in denen Männer ihre Kinder nur abends im Schlafanzug sehen, sind weitgehend vorbei: Immer mehr junge Väter machen eine Babypause und nehmen Elterngeld in Anspruch. Laut jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes haben im Jahr 2017 insgesamt 410.000 Väter Elterngeld bezogen – elf Prozent mehr als noch im Jahr 2016.

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Allerdings ist die Elterngeld-Bezugsdauer von Vätern immer noch vergleichsweise kurz: Durchschnittlich 3,3 Monate blieben die Väter 2017 zu Hause. Vier von fünf entschieden sich dafür, lediglich die Mindestbezugsdauer des Elterngeldes von zwei Monaten in Anspruch zu nehmen.

Und das hat Gründe, die vor einiger Zeit in einer Forsa-Umfrage zutage traten: Demnach haben 45 Prozent der befragten Männer im Alter zwischen 20 und 55 Jahren Angst vor einem Karriereknick, wenn sie ihr gesetzlich garantiertes Recht auf Elternzeit wahrnehmen. Sie gaben an, mit „sehr oder eher negativen“ Konsequenzen zu rechnen.

Mitunter verdrängen Männer daher den Wunsch, näher und länger bei ihren Kindern sein zu wollen. „Zwar bezeichnen sich viele Organisationen als familienfreundliche Unternehmen, in Wirklichkeit sind sie es aber gar nicht“, erklärt Annette von Alemann, Soziologin an der Universität Paderborn. „Unausgesprochene Erwartungen und verborgene Regeln widersprechen offiziellen Bekundungen.“

Insbesondere in Firmen, bei denen Umstrukturierungen anstünden, sei die Angst der Männer vor beruflichen Nachteilen durch Arbeitsreduzierung groß, so von Alemann. Grundsätzlich seien Väter an dieser Stelle verwundbarer als Mütter, da sich viele auch heute noch als Ernährer ihrer Familie verstünden.

Bereits im Jahr 2010 kam eine Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) zu dem Ergebnis, dass die Entscheidung der Väter, Elternzeit in Anspruch zu nehmen, stark von Erwerbsstatus und Einkommen der Partnerin abhängt. Arbeitet die Partnerin in Vollzeit, erhöht sich demnach die Chance, dass der Vater in Elternzeit geht, um 150 Prozent im Vergleich zu einem Paar, bei dem die Partnerin nicht arbeiten geht.

Bei zwei erwerbstätigen Partnern erhöht sich die Chance der Elternzeit-Inanspruchnahme des Vaters ebenfalls um etwa 150 Prozent, wenn die Partnerin das höhere Nettoeinkommen bezieht. Und auch die Sicherheit des Arbeitsplatzes beider Elternteile ist ein wichtiger Faktor: So erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass ein erwerbstätiger Vater Elternzeit in Anspruch nimmt, um mehr als 50 Prozent, wenn das Arbeitsverhältnis unbefristet ist, er eine Führungsposition inne hat oder in einem großen Unternehmen beziehungsweise im öffentlichen Dienst tätig ist.

Experte Volker Baisch: Firmen müssen sich von Rollenbildern verabschieden

Für Volker Baisch, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Väter gGmbH, die sich auf die Ermöglichung familienfreundlicher Unternehmenskulturen spezialisiert hat, ist klar: Auch die Unternehmen müssen sich von traditionellen Rollenbildern verabschieden. Um qualifiziertes Personal zu rekrutieren und langfristig zu binden, müssten Unternehmen auch die männlichen Mitarbeiter in ihrer Rolle als Elternteil unterstützen, sagt Baisch. „Der partnerschaftliche Vater will beides: Kind und Karriere.“

Dafür sei er auch bereit, vorübergehend in Teilzeit zu arbeiten. „Wollen Väter und Mütter eine umfassende partnerschaftliche Aufteilung leben, braucht es die Bereitschaft der Unternehmen, wirkliche Teilzeitarbeitsplätze für Väter zu schaffen.“ Mit einer Reduktion der Wochenarbeitszeit um fünf bis zehn Stunden ohne dabei das Arbeitsvolumen abzusenken, sei den Vätern nicht geholfen. Vielmehr sei ein Umdenken in der Wirtschaft erforderlich.

Dazu gehört auch, Eltern im Anschluss an die Elternzeit das Arbeiten von zuhause aus zu ermöglichen. Die Unternehmen müssten sich umstellen, denn das flexible Arbeiten von zu Hause sei etwas, was vor allem gut ausgebildete Hochschulabsolventen erwarten würden.

Rat an die Väter: Arbeitgeber frühzeitig informieren

Auch die Väter selbst können einiges dafür tun, Widerständen bei ihrem Arbeitgeber vorzubeugen. Julian B. sagt, es sei sicherlich hilfreich gewesen, seine Vorgesetzte in der Kanzlei sehr früh informiert zu haben. „Auch die Personalabteilung rechtzeitig einzubinden, kann nicht schaden.“ Und wer dann noch selbst Vorkehrungen trifft, etwa indem er einen Vertreter einarbeitet und so dazu beiträgt, es seinem Arbeitgeber möglichst einfach zu machen, ist auf der sicheren Seite.

Nach der Pause zurück in den Job zu finden, sei nicht schwer gewesen: „Die Elternzeit hat mich nicht eingeschränkt. Meine Verantwortung ist seit der Rückkehr sogar gewachsen.“ Das hat aber nicht nur mit dem Arbeitgeber zu tun, so B.: „Es liegt auch an einem selber. Die Einstellung beim Wiedereinstieg ist ganz wichtig.“

Wer es richtig macht, kann auch beruflich von seiner Babypause profitieren: „Ich bin in Stresssituationen deutlich gelassener geworden“, sagt B., der von sich sagt „privat erwachsener“ geworden zu sein. Im Übrigen sei es auch ein Vorurteil, dass Väter, die in Elternzeit gehen, eine ruhige Kugel schieben würden, so B.: „Die Zeit nach der Geburt meines Kindes war anstrengender als der Beruf.“ Denn auch in schwierigen Projekten könne man irgendwann zwischendurch mal abschalten und zumindest ein paar Stunden schlafen. „Ein kleines Kind nimmt da keine Rücksicht.“

Finanzielle Einbußen bei der Altersvorsorge vermeiden

Die Elternzeit kann übrigens finanzielle Einbußen bei der Altersvorsorge bedeuten – zumindest, wenn man nicht die nötigen Vorkehrungen trifft. Darauf weist die Versicherungskammer Bayern hin. So wird die Auszeit vom Job zwar in den meisten Fällen als „Kindererziehungszeit“ dem Rentenkonto gutgeschrieben. Dabei wird allerdings grundsätzlich zuerst die Mutter berücksichtigt.

Sollte der Vater in Elternzeit gehen, muss er dies dem Versicherungsträger melden. Wer Elterngeld bezieht, kann außerdem auch weiter in eine betriebliche Altersversorgung einzahlen, auch wenn diese eigentlich an eine Lohnzahlung gekoppelt ist.

Bei einer betrieblichen Altersversorgung durch Entgeltumwandlung besteht für den Arbeitnehmer während der Elternzeit sogar ein Rechtsanspruch auf die Einzahlung eigener Beiträge. Bei der privaten Altersvorsorge winken jungen Familien außerdem staatliche Kinderzulagen für die Riester-Rente.

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