Im vergangenen Jahr waren in der deutschen Volkswirtschaft so viele Menschen erwerbstätig wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Die Zahl ist laut dem Statistischen Bundesamt im Jahresdurchschnitt um 1,3 Prozent auf 45,6 Millionen Menschen gestiegen. Die Corona-Delle ist damit aufgeholt und die bisherige Höchstzahl aus dem Vorkrisenjahr 2019 von 45,3 Millionen übertroffen. Das gab das Amt am Montag bekannt. Die Zahl der Erwerbstätigen war im ersten Jahr der Corona-Krise 2020 eingebrochen und hatte sich 2021 zunächst langsam erholt.
Arbeitsmarktzahlen 2022: Starker Zuwachs im Dienstleistungsbereich
Arbeitnehmer fanden vor allem im Dienstleistungsbereich neue Jobs. Dort gab es einen Zuwachs von 93 Prozent. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg um 1,6 Prozent gegenüber einem Plus von nur 0,4 Prozent im produzierenden Gewerbe. Am Bau gab es 0,5 Prozent mehr Erwerbstätige als ein Jahr zuvor, während ihre Zahl in Fischerei sowie der Land- und Forstwirtschaft um 0,5 Prozent zurückging. Auch die Zahl der Selbstständigen und ihrer mithelfenden Angehörigen ging erneut zurück – um 1,4 Prozent. Sie machten noch 3,9 Millionen Menschen aus.
Arbeitsmarktzahlen 2022: Ursachen für Rekord bei Erwerbstätigen
Eine Ursache für die zusätzliche Beschäftigung waren unter anderem zugewanderte Arbeitskräfte. Bei der inländischen Bevölkerung stieg der Anteil der Erwerbstätigkeit. Rückgängig war die Zahl der Erwerbslosen: Sie sank nach internationalen Vergleichsmaßstäben sehr deutlich um 209.000 Menschen oder 13,6 Prozent auf 1,3 Millionen.
Die Erwerbstätigkeit könnte in diesem Jahr noch weiter steigen. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft geht aber davon aus, dass die Zahl dann 2024 wieder sinkt. Die Arbeitsnachfrage der Unternehmen werde vor allem von den wirtschaftlichen Folgen der Energiekrise, aber auch durch die Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro gedämpft werden.