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Auf den Halbmarathon trainieren: Diese Unterstützung bieten KI und Smartwatches

Lauftraining

Mit KI auf den Halbmarathon trainieren: Welche Erfahrungen eine Läuferin gemacht hat

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    Antonia Gerschürz (Mitte) hat durch die KI schnell Fortschritte erzielt.
    Antonia Gerschürz (Mitte) hat durch die KI schnell Fortschritte erzielt. Foto: Markus Weinert

    Die Uhr vibriert Sekunden vor dem Startschuss: „Höchstform. Perfekt trainiert.“ Antonia Gerschütz steht an der Startlinie des Halbmarathons am Gardasee. 15 Grad, ein leichter Wind kräuselt das Wasser, perfektes Läuferwetter. Hinter ihr drängen hunderte Läufer. Vor ihr liegen 21,0975 Kilometer. Es ist ihr erster Wettkampf und doch spürt sie eine unerwartete Ruhe. Wochenlang hatte sie auf diesen Moment hingearbeitet, trainiert von ihrer Smartwatch und von ChatGPT.

    Als sich die Erlangerin für diese Art der Trainingsplanung entschied, hatte sie nur wenig Lauferfahrung. Doch die 30-Jährige hatte ein Ziel: einen Halbmarathon in unter zwei Stunden. Also fragte sie die KI. Die Antwort kam sofort: Wochenpläne, klare Einheiten, feste Vorgaben. Der Plan gab Sicherheit und erzeugte Verbindlichkeit. „Das hat mir den Mut gegeben, anzufangen und durchzuziehen“, sagt sie. Dennoch ließ sie den Plan von einem erfahrenen Läufer prüfen. „Ein, zwei Dinge haben wir angepasst“, sagt sie.

    Statt durch Vereine kommt das Trainingswissen immer häufiger vom Computer

    Antonia Gerschütz steht exemplarisch für eine Entwicklung, die den Freizeitsport leise verändert. Trainingswissen, das früher Trainer und Vereine vermittelten, wird heute zunehmend von Algorithmen geliefert. Jeder dritte Deutsche kann sich laut einer aktuellen PwC-Studie vorstellen, auf Trainings- und Bewegungsprogramme einer KI zurückzugreifen. Besonders hoch ist die Bereitschaft in der Gen Z.

    Die Smartwatch von Antonia Gerschütz dokumentierte auch während des Halbmarathons ihre aktuellen Belastungswerte.
    Die Smartwatch von Antonia Gerschütz dokumentierte auch während des Halbmarathons ihre aktuellen Belastungswerte. Foto: Antonia Gerschütz

    Sportinformatiker Bastian Dänekas von der Universität Bremen sieht darin Potenzial. Training sei hochkomplex: Periodisierung, Belastungssteuerung, Regeneration. „Viele fühlen sich davon erschlagen.“ KI könne diese Überforderung abfedern, indem sie Strukturen vorgibt und Entscheidungen vereinfacht.

    Die KI ist blind für Schmerzen oder Erschöpfung

    Gleichzeitig warnt Dänekas vor den Grenzen: „Algorithmen arbeiten mit Wahrscheinlichkeiten, nicht mit Körpergefühl und Individualität. Wie sich Müdigkeit anfühlt, wann Belastung zu viel wird und wo der Spaß verloren geht, erfassen sie nicht.“ Es bestehe die Gefahr, trotz Schmerzen oder Erschöpfung weiter zu trainieren, weil ein System es empfehle. Auch Antonia Gerschütz kennt diesen Konflikt. Bei Wehwehchen fragt sie sich: „Zeigt mein Körper mir eine Grenze oder suche ich Ausreden?“ KI-Pläne sollten daher fachlich eingeordnet und nicht blind übernommen werden.

    Antonia Gerschürz (Mitte) läuft gerne Halbmarathon und trainiert mit KI-Unterstützung.
    Antonia Gerschürz (Mitte) läuft gerne Halbmarathon und trainiert mit KI-Unterstützung. Foto: Torsten Weinert

    Neben dem KI-Plan begleitete die Smartwatch Gerschütz bei jedem Schritt. Tempo, Herzfrequenz, Erholung, Schlaf: Alles wurde aufgezeichnet. Oft bestätigten die Zahlen ihr Gefühl, manchmal widersprachen sie ihm. Dann entschied sie selbst.

    Für Dänekas ist das ein Knackpunkt. Wearables könnten Orientierung geben, seien aber sensorisch begrenzt. Sie täten sich schwer, Bewegungen korrekt zu erkennen, Herzfrequenzen zuverlässig zu interpretieren oder die tatsächliche Belastung einzuordnen. Aussagen aus solchen Daten müsse man als Richtwerte verstehen, nicht als Wahrheiten.

    Achtung bei kostenloser Software: Es werden viele Daten gesammelt

    Und dann ist da noch die Sache mit den Daten. Smartwatches sammeln hochsensible Informationen über den Körper. Dänekas betont, diesen Aspekt nicht zu unterschätzen. „Wenn Software kostenlos ist, sind meist die wertvollen Daten das Produkt“, sagt er. Er warnt vor Missbrauch durch Werbung oder unsichere Clouds und fordert von der EU klare Regeln für lokale Speicherung. Dass diese Bedenken berechtigt sind, zeigt die aktuelle Studie „SiWamed“ im Auftrag des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik: Von zehn getesteten marktrelevanten Wearables war keines vollständig sicher. Auch Gerschütz macht sich zu diesem Thema Gedanken. „Wahrscheinlich müsste ich noch viel kritischer sein. Im Moment überwiegt für mich aber der Nutzen“, sagt sie.

    Zurück zur Startlinie. Der Trainingsplan ist abgearbeitet, der Körper fit, die Taktik steht. Doch als der Startschuss fällt, übernimmt das Körpergefühl. Der erste Kilometer ist zu schnell: 5:15 statt der geplanten 5:40. Normalerweise würde die Fränkin abbremsen. Heute nicht. Es fühlt sich gut an, also bleibt sie im Tempo. Die ersten zehn Kilometer gehen leicht, die fünfzehn auch. Erst kurz vor dem Ziel wird es hart. Doch sie hält durch. Als sie ins Ziel läuft, stoppt die Uhr bei 1:52. Schneller als jede Prognose.

    Es ist ein Erfolg, zu dem KI und Smartwatch beigetragen haben, und doch einer, der ihr allein gehört. Algorithmen können Pläne erstellen, Daten liefern und Strukturen schaffen. Ob diese Unterstützung sinnvoll ist oder zur Abhängigkeit wird, hängt von der Eigenverantwortung ab. Laufen ist deshalb nicht nur Leistung, sondern auch ein Test: Wie stark darf Technik steuern – und wann lohnt es sich, auf den eigenen Körper zu hören?

    Hinweis: Dieser Beitrag ist in Kooperation mit dem Masterstudiengang Fachjournalismus der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden.

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