Schon die erste Studie sorgte für großes Aufsehen, doch im kommenden Jahr könnte die Aufregung noch viel größer werden. Dann nämlich soll das autonome Kampfflugzeug CA-1 Europa des Herstellers Helsing zum ersten Testflug abheben. Derzeit würden im bayerischen Tussenhausen, wo das Rüstungsunternehmen den Flugzeughersteller Grob Aircraft aufgekauft hat, bereits die ersten Segmente des elf Meter langen Jagdbombers gebaut, so der Deutschland-Geschäftsführer von Helsing, Wolfgang Gammel. „Wir liegen gut im Plan.“
Kamikaze-Drohnen für die Ukraine und die Bundeswehr
Gammel stellte am Mittwoch in München zusammen mit Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) gleich das nächste große Projekt von Helsing vor. Das erst vor wenigen Jahren gegründete Unternehmen gilt inzwischen als eines der wertvollsten europäischen im Verteidigungsbereich und mischt auf vielen Feldern mit. Seine von Künstlicher Intelligenz gesteuerten Kamikaze-Drohnen werden in wachsender Zahl von der Ukraine im Krieg gegen Russland eingesetzt, zudem winken Milliarden-Aufträge der Bundeswehr. Helsing, dessen Hauptsitz in München ist, hat nach eigenen Angaben mehr als 1000 Beschäftigte und könnte nun weiter wachsen. Denn in Hallbergmoos, nahe des Münchner Flughafens, plant es eine neue Fabrik.
Diese „Resilience Factory“ soll auch im Kriegsfall und unter Beschuss Kampfdrohnen herstellen können, angedacht ist dafür eine Investition in dreistelliger Millionenhöhe auf einem 25 Hektar großen Grundstück - falls es tatsächlich dazu kommt. Gammel sprach am Mittwoch von einer „Option, unsere Produktion auszuweiten.“ Voraussetzung dafür sollen wohl die erwarteten Milliarden-Auftrage der Bundeswehr sein, zudem könnten weitere Länder ordern. Derzeit scheint noch offen, was in Hallbergmoos produziert werden soll. Gammel wollte sich auf keinen Zeitpunkt für einen Baubeginn festlegen, auch die Zahl der möglichen Arbeitsplätze nannte er nicht, das Wirtschaftsministerium spricht dagegen von 300 Arbeitsplätzen.
Für dessen Chef Aiwanger hat der Grundstückskauf einen hohen symbolischen Wert, weil er zeigt, dass die starke bayerische Rüstungsindustrie weitere Aufträge und Arbeitsplätze nach Bayern bringen kann. Vor allem der angeschlagenen Automobilbranche könnten Aufträge fürs Militär helfen, so die Hoffnung. Helsing beispielsweise kooperiert mit dem fränkischen Automobil-Zulieferer Schaeffler beim Bau von Drohnen, VW will mit Militärfahrzeugen Geld verdienen. Die Auto-Branche wisse, wie man die jetzt benötigten hohen Stückzahlen für den militärischen Bereich herstellt, sagt Aiwanger: „Sie können es und sie brauchen es.“
Bayern hofft auf neue Jobs in der Rüstungsindustrie
Im Detail behindern allerdings viele Fragen einen raschen Einstieg ins Rüstungsgeschäft. Um sie zu klären, stehe das Wirtschaftsministerium den Firmen zur Seite, verspricht Aiwanger. Problematisch ist unter anderem der Sicherheitsaspekt. Weil Rüstungsfirmen bevorzugt Ziele von Spionage und Sabotage werden können, gelten hier besonders strenge Vorschriften. Erst am Dienstag wurde publik, dass die Bundesanwaltschaft zwei mutmaßliche russische Spione hat festnehmen lassen. Sie sollen den Manager eines bayrischen Drohnenlieferanten ausspioniert und möglicherweise einen Anschlag vorbereitet haben.
Und so hat Helsing zwar am Mittwoch den Kauf eines Grundstücks für eine mögliche neue Fabrik bestätigt, andere Details behält das Unternehmen aber lieber für sich. So werden in Bayern bereits seit längerem Kampfdrohnen hergestellt, der Ort aber bleibt Verschlusssache.
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