Die deutsche Industrie bekommt wieder deutlich mehr Aufträge. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag berichtete, stieg der Auftragseingang im Dezember 2025 im Vergleich zum Vormonat um beinahe acht Prozent. Der positive Trend war aber vorwiegend von Großaufträgen befeuert. Bereinigt um diesen Effekt stieg der Auftragseingang um beinahe ein Prozent.
Damit deutet sich nach langer Durststrecke eine Trendwende an. Denn auch der Blick auf die Zahlen des vierten Quartals 2025 bestätigt die Entwicklung. Mit Großaufträgen betrug das Auftragswachstum in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres beinahe zehn Prozent, ohne waren es 2,5 Prozent.
Die Rüstungsindustrie könnte andere Branchen anschieben
Klaus Wohlrabe, Konjunktur-Spezialist am Münchner Ifo-Institut, sieht zumindest Chancen dafür, dass sich aus diesen positiven Vorzeichen ein echter Aufschwung entwickelt: „Die gute Nachricht ist, dass vor allem bei Investitionsgütern mehr Aufträge reingekommen sind. Wenn diese Entwicklung sich auch in die Breite entwickelt und nicht nur ein Strohfeuer war, dann könnten wir das Tal durchaus durchschritten haben“, sagte er unserer Redaktion.
Gerade aus der Rüstungsindustrie werden derzeit regelmäßig große Aufträge vermeldet. Erst am Mittwoch hat etwa der Sensor-Spezialist Hensoldt den Eingang eines Auftragspakets in Höhe von 400-Millionen-Euro zur Digitalisierung der Kampfpanzer von KNDS gemeldet.
Die hohen Investitionen in die Verteidigung dürften sich über kurz oder lang in der Industrieproduktion durchschlagen, sagt auch Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Robin Winkler. In einer Kurzanalyse vom Donnerstag rechnet er vor, dass die Inlandsaufträge für Waffen und Munition im November und Dezember 20 Mal höher lagen als im Durchschnitt des Jahres 2022. „Diese Aufträge sind nur die Spitze des Eisbergs, denn die Bundesregierung investiert auch massiv in Militärfahrzeuge, Schiffe und Flugzeuge“, sagt Winkler. Da sich die Rüstungsaufträge in den kommenden Monaten jedoch auf die Lieferketten ausweiteten, rechnet er damit, dass Produktion und Stimmung in der Industrie bald deutlich anziehen werden.
Die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung ist groß
Doch für einen Aufschwung auf breiter Front müssten sich wohl eine Reihe anderer Rahmenbedingungen ändern. Im Fokus steht dabei zunehmend die Bundesregierung, deren Reformeifer nach Ansicht vieler Unternehmenschefs zu gering ist. In einer aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts vergeben die Unternehmen für die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung im Durchschnitt die Schulnote 4,2.
Die Kritik erstrecke sich über alle Politikfelder und werde von allen Branchen gleichermaßen geäußert, erklärt Wohlrabe. Positive Bewertungen seien die Ausnahme. Am schlechtesten beurteilten die Unternehmen die Sozial- und Rentenpolitik der Regierung. Noch am besten, aber insgesamt dennoch nur mit 4,0 kommen in der Bewertung die Finanzpolitik sowie die Infrastruktur- und Digitalisierungspolitik davon.
Die Konkurrenz gewinnt an Wettbewerbsfähigkeit
Wegen der ausbleibenden Reformen sehen die Unternehmen zunehmend ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit bedroht. Knapp ein Drittel der Industrieunternehmen habe zuletzt berichtet, gegenüber Ländern außerhalb der EU weniger wettbewerbsfähig zu sein. Innerhalb Europas liege der Anteil bei über 17 Prozent, berichtet Wohlrabe.
Vom schleichenden Verlust der Wettbewerbsfähigkeit seien alle Branchen betroffen. Besonders schwierig sei die Lage aber in den Bereichen Metallerzeugung und -bearbeitung sowie in der Chemieindustrie. Fast die Hälfte der Unternehmen beklagten hier einen Rückgang der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. „Deutschland droht mittelfristig den Anschluss zu verlieren“, so Wohlrabe weiter.
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