Startseite
Icon Pfeil nach unten
Wirtschaft
Icon Pfeil nach unten

Bekannter Schokohersteller gibt Produktion in Bayern auf

Schokoladenhersteller

Bekannter Schokohersteller gibt Produktion in Bayern auf

  • |
  • |
  • |
  • |
    Schokoladen-Nikoläuse von Riegelein.
    Schokoladen-Nikoläuse von Riegelein. Foto: Martin Schutt, dpa (Symbolbild)

    Noch stehen sie in Reih und Glied im Lager – glänzend verpackte Schoko-Weihnachtsmänner und Nikoläuse, die aus Cadolzburg jedes Jahr in die Regale deutscher Supermärkte wandern. Doch bald ist Schluss: Der traditionsreiche Schokoladenhersteller Riegelein stellt seine Produktion in Franken ein. Nach dem Ostergeschäft 2026 soll das Werk auslaufen, rund 200 Beschäftigte sind betroffen.

    Die Gubor-Gruppe, zu der Riegelein gehört, begründet den Schritt mit den anhaltend schwierigen Marktbedingungen. In einer Unternehmensmitteilung heißt es, die Produktion am Standort habe in den vergangenen vier Jahren kontinuierlich abgenommen. „Trotz intensiver Bemühungen ist es uns nicht gelungen, den seit Jahren anhaltenden Rückgang der Nachfrage zu stoppen“, erklärte Claus Cersovsky, geschäftsführender Gesellschafter der Gubor-Gruppe. Gestiegene Kosten für Rohstoffe und Energie, ein schärferer internationaler Wettbewerb und die Weitergabe von Preiserhöhungen an den Handel hätten die Auftragslage weiter verschlechtert.

    Schokohersteller in Bayern: Produktion endet, Verwaltung bleibt

    Das Werk in Cadolzburg, das seit Jahrzehnten als Symbol für die saisonale Schokoladenproduktion in Deutschland galt, wird 2026 geschlossen. Die Produktionslinien sollen an andere Standorte der Gruppe verlagert werden. Gerüchte sagen, vor allem Richtung Polen. Auch die Chocothek, der Werksverkauf der Confiserie, und die Musterabteilung sollen aufgegeben werden, ebenso das Lager in Forchheim. Die Verwaltungsbereiche Einkauf, Marketing, Vertrieb und IT werden jedoch in Cadolzburg verbleiben, so die Planung. Über einen Sozialplan soll mit dem Betriebsrat verhandelt werden.

    Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der die gesamte deutsche Schokoladenindustrie unter Druck steht. Die Preise für Kakao, den wichtigsten Rohstoff, haben sich innerhalb von zwei Jahren mehr als verdreifacht. Grund sind mehrere Missernten in Ghana und der Elfenbeinküste, ausgelöst unter anderem durch Extremwetter infolge des Klimawandels. An der Londoner Rohstoffbörse lag der Kakaopreis im Frühjahr 2025 bei fast 10.000 Dollar pro Tonne. Das ist mehr als das Vierfache des Niveaus von 2023.

    Zwar erzielen Kakaobauern damit nominell höhere Einnahmen, doch durch geringere Erntemengen profitieren sie kaum. Für die Hersteller dagegen bedeutet der Preissprung massive Mehrkosten. Hinzu kommen gestiegene Energiepreise, höhere Löhne und Transportkosten. Viele Hersteller reagieren mit Preisanhebungen – und riskieren damit, dass die Nachfrage weiter sinkt.

    Das zeigt sich inzwischen deutlich im Konsumverhalten: Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Preise für Schokolade im August 2025 um 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, Kaffee verteuerte sich sogar um 22,8 Prozent. Die Teuerung der Süßwaren insgesamt lag im Vergleich zum Vorjahr bei 26 Prozent, wobei der Großteil hierbei auf die Schokolade allein zurückzuführen ist. Die einzigen Preisrückgänge zeigten sich beim Zucker mit 28,3 Prozent und Olivenöl mit 24,9 Prozent. Mehr als die Hälfte der Verbraucherinnen und Verbraucher gibt an, ihr Einkaufsverhalten aufgrund der Teuerung geändert zu haben. Viele greifen inzwischen häufiger zu Discounterware.

    Konsolidierung in der Schokoladenbranche

    Auch der Strukturwandel innerhalb der Branche spielt eine Rolle. Die Gubor-Gruppe fusionierte in diesem Jahr mit dem polnischen Süßwarenhersteller Colian. Beide Unternehmen sprechen von einer „gleichberechtigten Partnerschaft“. Tatsächlich werden jedoch Produktionskapazitäten neu verteilt.

    Die deutsche Schokoladenindustrie produziert zwar weiterhin hohe Mengen, rund 1,2 Millionen Tonnen jährlich, sieht sich aber zunehmendem Kostendruck ausgesetzt. Laut dem Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie werden steigende Rohstoffpreise, Fachkräftemangel und Energieaufwand langfristig die Wettbewerbsfähigkeit kleinerer und mittelständischer Betriebe belasten.

    Riegelein hatte sich in den vergangenen Jahren einen Namen als Hersteller von fair gehandeltem Kakao gemacht. Bereits 2015 stellte das Unternehmen seine Produktion weitgehend auf zertifizierte Rohstoffe um. Ein Schritt, den damaliger Inhaber Peter Riegelein als „notwendig für die Zukunftsfähigkeit des Kakaohandels“ bezeichnete. Heute steht die Firma vor einer anderen Herausforderung: wirtschaftliche Stabilität in einem global angespannten Markt.

    Für die Beschäftigten in Cadolzburg bedeutet die Neuausrichtung vor allem Unsicherheit. Wie viele Arbeitsplätze konkret erhalten bleiben, ist offen. Sicher ist nur, dass die Produktion – und mit ihr ein Stück industrieller Tradition in Franken – im Frühjahr 2026 endet.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren