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Berlusconi-Konzern greift nach ProSiebenSat.1: Der erstaunliche Kurswechsel der bayerischen Staatsregierung

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Berlusconi-Konzern greift nach ProSiebenSat.1

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    Im Zentrum einer Übernahmeschlacht: ProSiebenSat.1 aus Unterföhring.
    Im Zentrum einer Übernahmeschlacht: ProSiebenSat.1 aus Unterföhring. Foto: Matthias Balk, dpa

    Die beliebten Fernsehsender ProSieben und Sat.1 könnten bald in neue Hände kommen: Die Übernahme des Medienkonzerns ProSiebenSat.1 durch den italienischen Berlusconi-Konzern MFE („Media for Europe“) ist einen Schritt näher gerückt. Das Management des bayerischen Unternehmens empfiehlt seinen Aktionären, das nachgebesserte Übernahmeangebot von MFE anzunehmen.

    Im Mai hatte die Konzernspitze noch Vorbehalte gehabt und das Angebot als finanziell unangemessen erachtet. Nun heißt es im neuen Statement: „ProSiebenSat.1 begrüßt das geänderte Angebot von MFE, welches das langfristig angelegte Investment und Engagement von MFE in ProSiebenSat.1 unterstreicht.“

    Anteile an Berlusconi-Firma und 4,48 Euro für die Aktionäre

    Vor gut einer Woche hatte MFE sein Angebot in der internationalen Bieterschlacht deutlich erhöht. Der konkurrierende tschechische Finanzinvestor PPF will seine Offerte dagegen nicht mehr steigern. ProSiebenSat.1 ist neben der RTL-Familie der zweite große private Fernsehkonzern in Deutschland. Neben TV-Sendern wie ProSieben, Sat.1 und Kabel Eins gehört unter anderem auch der Streaminganbieter Joyn zur Gruppe.

    „Media for Europe“ gehört den Kindern des 2023 gestorbenen früheren italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi. Das Unternehmen will eine paneuropäische Sendergruppe aufbauen. Die italienische Holding bietet inzwischen 1,3 Anteile an MFE je ProSiebenSat1-Aktie, zuvor waren es lediglich 0,4. Das gilt zusätzlich zum bestehenden Barangebot von 4,48 Euro je Aktie. PPF hingegen hatte den ProSiebenSat.1-Aktionären sieben Euro pro Aktie geboten.

    Silvio Berlusconi nahm mit seinem Medienkonzern politisch Einfluss

    Silvio Berlusconi nutzte seinen Medienkonzern über Jahrzehnte, um seine politische Karriere und die Partei Forza Italia zu befördern. Die Berlusconi-Kinder sind bislang nicht in die Politik eingestiegen, stehen der Partei aber nahe. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer zeigte sich jüngst besorgt und lud Sohn Pier Silvio Berlusconi zum Gespräch ins Kanzleramt. „Meine Besorgnis kreist um die Frage, ob die journalistische und wirtschaftliche Unabhängigkeit auch nach einem Eigentümerwechsel gewahrt bleibt“, sagte Weimer dem Spiegel.

    Noch vor drei Jahren hatte sich auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder klar gegen eine Übernahme der Senderfamilie mit Sitz in Unterföhring im Kreis München durch den Berlusconi-Konzern ausgesprochen. Zum Auftakt der Medientage München sagte er im Herbst 2022: „Wir Bayern lieben Italien, aber wir müssen hier auch nicht komplett italienisch werden.“ Man wolle „ein selbstständiger starker Medienstandort bleiben“, so der CSU-Politiker, der davor warnte, dass ProSiebenSat.1 „eine Abspielstation aus Italien“ werden könne.

    Bayerns Staatsregierung steht der Übernahme offener gegenüber

    Thorsten Schmiege, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, sagte damals, dass es „in Deutschland sehr sensibel gesehen“ werde, „dass sich mit Berlusconi ein Politiker mit auch einem Sitz im Europaparlament an einem Rundfunkanbieter beteiligt“. Dies berühre das Thema Staatsferne, man werde die Entwicklung „sehr genau im Blick“ behalten. Berlusconi, der skandalumwitterte (rechts-)populistische italienische Ex-Ministerpräsident, starb mehr als ein halbes Jahr später.

    Auf Anfrage unserer Redaktion will sich der bayerische Medienminister Florian Herrmann (CSU) am Mittwoch nicht zur aktuellen Empfehlung von ProSiebenSat.1 äußern. Eine Sprecherin verweist auf Herrmanns Äußerungen von Ende Juli, diese hätten „nach wie vor Bestand“. Der Nachrichtenagentur Reuters hatte Herrmann gesagt, die Erhöhung des Angebots durch MFE zeige, dass ProSiebenSat.1 für Investoren ein „hochinteressantes Unternehmen mit sehr viel Potenzial“ sei „und dass Bayern zu Recht als Top-Standort für Medienunternehmen gilt". Die Bekenntnisse von MFE zur Wahrung redaktioneller Unabhängigkeit, nationaler Identitäten, unternehmerischer Ethik und Beschäftigungssicherung bezeichnete er als positiv.

    Letztlich sei es „eine wirtschaftliche Entscheidung unter der medienrechtlichen Aufsicht der staatsfernen Bayerischen Landeszentrale für neue Medien“, so Herrmann. (mit dpa)

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