Natürlich klingt das erst einmal gut: 1000 Euro im Monat für jeden, bedingungslos, zur freien Verwendung. Würde jemand dieses Angebot ablehnen? Wohl kaum. Immerhin können die meisten Menschen mehr Geld gebrauchen. Das mag der Grund sein, warum die Idee eines Grundeinkommens aktuell so begeistert diskutiert wird. In Deutschland ist es Götz Werner, der Gründer der Drogerie dm, der quer durch das Land reist, von Talkshow zu Talkshow, um für das Konzept zu werben. In Skandinavien ist man sogar einen Schritt weiter: 2000 Arbeitslose bekamen in Finnland rund zwei Jahre lang ein Grundeinkommen, gerade ging das große Experiment zu Ende. Eines der Ergebnisse: Die Teilnehmer waren selbstbewusster, zufriedener, kurzum: glücklicher.
Das soziale Netz kostet viel Geld
Und ist das nicht die Aufgabe eines Staates: seine Bürger glücklich zu machen? Ja, auch. Aber das Grundeinkommen ist der falsche Weg. Denn eine Regierung, die ihren Einwohnern Geld ohne Gegenleistung zahlt, ist nicht sozial. Im Gegenteil: Ein Sozialstaat zeichnet sich dadurch aus, dass er für seine Bürger ein Netz strickt, das sie auffängt und absichert, wenn es notwendig wird – mit Arbeitslosenhilfe, Bafög oder der Rente. Dieses soziale Netz kostet viel Geld. Woher aber soll dieses Geld noch kommen, wenn die Regierung jedem ein Grundeinkommen zahlt – unabhängig davon, ob der einzelne Mensch es wirklich braucht oder nicht?
Mit Grundeinkommen wäre jeder für sich selbst verantwortlich
Deutschland hat in diesem Jahr zwar den größten Steuerüberschuss seiner Geschichte eingefahren – beide Sicherungssysteme könnte sich das Land dennoch nicht leisten, schon gar nicht, wenn es der deutschen Wirtschaft irgendwann wieder schlechter gehen sollte. Der Preis für ein Grundeinkommen wäre also dramatisch hoch. Der Sozialstaat würde ausgehöhlt, Leistungen nach und nach abgebaut. Die Konsequenz: Jeder wäre für sich selbst verantwortlich – auch dann, wenn er plötzlich in Not gerät. Statt eines Sicherheitsnetzes, das der Staat für ihn aufspannt, hat der Einzelne nur seine eigene Absicherung. Würde jemand dieses Angebot ablehnen? Vermutlich schon.
Lesen Sie auch die gegenteilige Meinung: Warum ein Grundeinkommen sinnvoll wäre.