Aufgereiht ergäbe der Zucker aus einer einzigen 250-Milliliter-Dose Coca Cola ein beachtliches Türmchen: 27 Gramm, ganze neun Zuckerwürfel, stecken darin. Fast ebenso viel, 25,7 Gramm, nehmen die Deutschen laut der Verbraucherorganisation Foodwatch täglich durch zuckerhaltige Getränke zu sich – und sind damit Spitzenreiter in Westeuropa. Das hat Folgen: Krankheiten wie Adipositas und Diabetes Typ 2 werden mit einem hohen Zuckerkonsum in Verbindung gebracht. Abhilfe soll womöglich eine Zuckersteuer auf Softdrinks schaffen, die aktuell im Bundesrat thematisiert wird. Die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Bundesärztekammer sprechen sich dafür aus, doch es gibt Gegenstimmen: Lebensmittel- und Bäckerverbände schlagen Alarm und befürchten eine Signalwirkung.
„Die Einführung einer Zuckersteuer suggeriert einfache Lösungen für ein vielschichtiges Problem. Notwendig sind jedoch differenzierte, langfristig angelegte Strategien, die Eigenverantwortung stärken und echte Verhaltensänderungen ermöglichen“, sagt Friedemann Berg, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks. Gemeinsam mit dem Lebensmittelverband Deutschland und der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) positioniert sich der Verband gegen die vorgeschlagene Zuckersteuer.
„Die Einführung einer Zuckersteuer suggeriert einfache Lösungen“
Während die Zuckersteuer zwar aktuell nur für Softdrinks diskutiert wird, befürchtet der Verband eine Ausweitung auf alle zuckerhaltigen Lebensmittel, darunter Backwaren. Mit einer generellen Zuckersteuer könnte das Törtchen also im schlimmsten Fall deutlich teurer werden.
Der Vorstoß für eine Zuckersteuer kommt von der Landesregierung Schleswig-Holstein um Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), die den Antrag im Bundesrat Ende März einbrachte. Doch auch innerhalb der Union ist der Vorschlag nicht unumstritten. Während sich Grüne, Linke und SPD positiv gegenüber einer solchen Steuer zeigten, positionierte sich Bundesernährungsminister Alois Rainer (CSU) wiederholt dagegen. Bayerns CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek zeigte sich hingegen erst kürzlich grundsätzlich offen dafür. Seine Bedingung: Die Einnahmen sollten dem Gesundheitssystem zugutekommen. Doch was spricht dafür, was dagegen?
In Mexiko oder Großbritannien gibt es bereits eine Zuckersteuer
Das Ziel einer Zuckersteuer ist, den Konsum zuckerhaltiger Getränke spürbar zu senken, zur Vorbeugung von Krankheiten beizutragen und damit Kosten zu senken. In anderen Ländern wie Mexiko oder Großbritannien konnte eine solche Steuer bereits positive Effekte wie den Rückgang von Softdrink-Käufen erzielen. Laut Foodwatch sei der Zuckergehalt in Getränken in Großbritannien seit der Einführung der Steuer um 35 Prozent gesunken.
Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, der Lebensmittelverband Deutschland und der deutsche Bäckerverband argumentieren hingegen, dass eine solche Steuer zu einfach gefasst sei und vernachlässige, dass die Entstehung von Krankheiten wie Adipositas nicht auf einzelne Nährstoffe wie Zucker zurückgeführt werden könne. Stattdessen fordern sie einen Ausbau der Ernährungsbildung in Schulen sowie eine Förderung eines gesunden Lebensstils.
„Im Übrigen käme die Einführung einer Zuckersteuer in der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Situation zur Unzeit“, erklärt Berg. Angesichts steigender Sprit- und Energiepreise seien besonders mittelständische Betriebe schon unter Druck und würden „nicht weitere Belastungen, sondern Entlastungen“ benötigen. Doch noch ist keine solche Steuer in Sicht. Sollte der Bundesrat dem Antrag auf eine Abgabe oder Steuer auf zuckerhaltige Softdrinks zustimmen, müsste die Bundesregierung einen Gesetzentwurf vorlegen, den Bundestag und Bundesrat beschließen.
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